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Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
224
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In der Residenz lebte ein begüterter alter Herr, Ober-regierungsrat seinem Titel nach, der, seit er sich aus demStaatsdienst in den Ruhestand zurückgezogen, sein Lebender Förderung der schönen Künste, insbesondere derDichtkunst, gewidmet hatte. Er war der Begründer jenerEinrichtung, die man unter dem Namen des „Mai-kampfes" kannte, — eines alljährlich zur Lenzzeit sichwiederholenden poetischen Turniers, zu dem der Ober-regierungsrat durch Rundschreiben und Anschläge dieDichter und Dichterinnen des Vaterlandes ermutigte.Preise waren ausgesetzt für das zärtlichste Liebeslied, dasinnigste religiöse Gedicht, den feurigsten patriotischenSang, für die trefflichsten lyrischen Leistungen zum Preiseder Musik, des Waldes, des Frühlings, der Lebenslust,— und diese Preise bestanden außer Geldgewinnen insinnigen und wertvollen Andenken, wie goldenen Federn,goldenen Busennadeln in Leier- und Blumenform unddergleichen mehr. Auch die Stadtobrigkeit der Residenzhatte einen Preis gestiftet, und der Großherzog spendeteeinen silbernen Pokal als Belohnung für das unbedingtvorzüglichste unter allen eingesandten Gedichten. DerSchöpfer des „Maikampfes" selbst, der die erste Sich-tung des stets gewaltigen Stoffes besorgte, nahm imBunde mit zwei Universitätsprofessoren und den Feuilleton-redakteuren des „Eilboten" und der „Volkszeitung" dasAmt des Preisrichters wahr. Die gekrönten und dielobend erwähnten Beiträge wurden regelmäßig als Jahr-buch auf Kosten des Oberregierungsrates gedruckt undherausgegebeu.

Dieses Jahr nun hatte sich Axel Martini am „Mai-