von Geburt und arm wie ein Spatz und von Gott be-gabt mit einer grünlichen Fratze nebst Hundsohren, umsich einzuschmeicheln. Freundliche Bedingungen, nichtwahr? Aber solche Bedingungen, das waren die gutenBedingungen, — ein für allemal, so verhielt es sich.Eine elende Jugend, Einsamkeit und Ausgeschlossenheitvom Glücke, von der Bummelei des Glücks, ein aus-schließliches und strenges Auf die Leistling gestellt sein,
— man setzte kein Fett an dabei, man ward innerlichsehnig, man kannte kein Behagen und überflügelte diesenund jenen. Welche Begünstigung der Fähigkeiten, wennman kalt und klar auf sie angewiesen war! Welch Vor-teil vor denen, die „es nicht nötig", in dem Grade„nicht nötig hatten"! Vor den Leuten, die sich desMorgens eine Zigarre anzündeten ... Zu jener Zeit, amKrankenbett eines seiner ungewaschenen kleinen Schüler,in einer Stube, wo es nicht gerade nach Frühlingsblütenroch, hatte Raoul Überbein die Bekanntschaft eines jungenMannes gemacht, — etliche Jahre älter, als er, aber inähnlicher Lage und ebenfalls ein Malheur von Geburt,insofern er ein Jude war. Klaus Heinrich kannte ihn,
— doch, man konnte sagen, daß er ihn bei intimer Ge-legenheit kennen gelernt hatte. Sammet war sein Name,Medicinae Doktor; er war durch Zufall auf der Grimm-burg zugegen gewesen, als Klaus Heinrich geboren wurde,und hatte sich ein paar Jahre danach in der Hauptstadtals Kinderarzt aufgetan. Nun, das war ÜberbeinsFreund, war es heute noch, und damals hatten sie man-ches gute Gespräch über Schicksal und Strammheit mit-einander gehabt. Verdammt noch mal, sie hatten sich
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