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2 (1878)
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1172
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Urea.

Darstellung. Diese ist eine sehr verschiedene und richtet sich nach demHarnstoff enthaltenden Material, welches zu Gebote steht. Wenn das chemischeExperiment beliebt wird, so stellt man den Harnstoff auf chemischen Wege dar.

1. Frischen Menschenharn lässt man zur Winterzeit in einem Fasse,welches ausserhalb bis zu der Höhe, bis zu welcher man es mit Harn füllte,mit Pferdedünger umhüllt ist, nach und nach an seiner Oberfläche gefrieren.Man nimmt mit einem Blechdurchschlage von Zeit zu Zeit die Eisschollen her-aus, bis der Rückstand aufhört, in einer Kälte von 38° in Eis überzugehen.Dieser Rückstand wird filtrirt und das Filtrat in der Wärme des Wasserbadeseingedampft und fast trocken gemacht. Den Verdampfungsrückstand vermischtman mit gleichviel grobgepulverter Holzkohle, übergiesst dann das Gemischin einer Flasche mit der 5fachen Menge Weingeist, stellt ein Tag unterwiederholtem Umschütteln beiseite und filtrirt hierauf, die im Filter befind-liche kohlige Masse mit etwas Weingeist nachwaschend. Von dem Filtratdestillirt man den Weingeist (am besten im Dunstsammler) grösstentheilsab, trocknet den Destillationsrückstand in der Wärme des Wasserbades aus,vermischt mit einer gleichen Menge gereinigter thierischer Kohle, rührtdas Gemisch mit destillirtem Wasser zu einem Breie an, hält es einen Tagin Digestionswärme, trocknet es ein, zerreibt es zu einem Pulver und extrahirtes auf dem Verdrängungswege mit ungefähr der 4 fachen oder der nöthigenMenge Weingeist. Die klare farblose weingeistige Flüssigkeit lässt man aneinem lauwarmen Orte langsam abdunsten.

2. Frischen Harn (2500,0) dampft man im Wasserbade bis zur Con-sistenz eines dicken Syrups ein, vermischt ihn mit reiner Salpetersäurevon 1,185 spec. Gew. (200,0) und stellt auf 2 Tage beiseite. Dann sammeltman die ausgeschiedene krystallinische Masse in einem leinenen Colatorium,löst sie in ungefähr der 6fachen Menge heissem Wasser, versetzt mit ge-reinigter thierischer Kohle (10,0), digerirt einige Stunden und filtrirt die heisseFlüssigkeit. Man dampft das Filtrat auf den dritten Theil seines Volumensein, versetzt es dann mit einem Ueberschuss Barytcarbonat (circa 100,0),digerirt eine Stunde, giebt dann ein dreifaches Volumen heissen Weingeistdazu und filtrirt das noch warme Gemisch. Das Filtrat wird nach Zusatz vonetwas gereinigter thierischer Kohle bis zur Trockne abgedampft, der Rückstandmit einer 3fachen Menge Weingeist digerirt, heiss in ein Filter gebracht, mitetwas heissem Weingeist ausgesüsst und das Filtrat durch Abdunsten und Bei-seitestellen in Krystalle übergeführt.

3. In einem eisernen Gefäss schmelzt man 80 Th. völlig entwässertesBlutlaugensalz und 30 Th. reines trocknes Kalicarbonat und trägt in diefeurig-flüssige Masse unter Umrühren mit einem eisernen Spatel nach undnach in kleinen Portionen 150 Th. zerriebener, ausgetrockneter und erwärmterMennige. Die heisse Masse giesst man in einen erwärmten eisernen Mörser(vorsichtig!) aus. Nach dem Erkalten sondert man die Salzmasse von demBlei, stösst diese zu einem Pulver, trägt dasselbe in eine Lösung von 80 Th.Ammonsulfat in 160 Th. destillirtem Wasser ein, digerirt 24 Stunden,lässt erkalten und filtrirt. Das Filtrat lässt man in flacher Porcellanschalein gelinder Wärme bis zur Trockne abdunsten, zerreibt den Salzrückstand undextrahirt diesen auf dem Verdrängungswege mit erwärmtem absolutemWeingeist. Die weingeistige Lösung hinterlässt beim Verdunsten den Harn-stoff in farblosen Krystallen.

4. Carbaminsaures Ammon, dargestellt durch Einleiten von Ammonund Kohlensäure in wasserfreien Weingeist, wird in ein starkwandiges Glas-rohr eingeschlossen und im Oelbade bis auf 140° C. erhitzt ( Basakow).