Druckschrift 
2 (1878)
Entstehung
Seite
1159
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Trimethylaminum.

Neurinum.

1159

aber in absolutem Weingeist nicht löslich ist. Der gesammelte Niederschlagwird in Wasser gelöst, ans dieser Lösung das Platin mittelst Schwefelwasser-stoffs abgeschieden, das Filtrat zur Syrupdicke eingedampft (bei 50 bis 60° C.)und entweder unter der Luftpumpe über Schwefelsäure zur Trockne gebrachtoder in absolutem Weingeist gelöst und mit einer Schicht Aetlier übergössen.In dem einen wie dem anderen Falle erhält man salzsaures Neurin in Kry-stallen. Diese löst man in Wasser und macerirt mit frisch gefälltem Silber-oxyd. Das Filtrat, in gelinder Wärme (60° C.) des Wasserbades oder besserüber Schwefelsäure von aller Feuchtigkeit befreit, ist Neurin..

Die Darstellung aus der Galle ist nicht weniger umständlieh. Galle wirdmit überschüssigem Barytwasser gekocht, dann filtrirt, das Filtrat nochmalsmit Barytwasser versetzt und 12 Stunden hindurch gekocht, hierauf mit ver-dünnter Schwefelsäure versetzt, so lange dadurch eine Fällung erfolgt, dasFiltrat im Wasserbade eingedampft und dann nach und nach mit Schwefel-säure versetzt, als unter Erhitzen Salzsäuredampf entweicht. Hierauf wird dieMasse mit Weingeist extrahirt, der weingeistige Auszug abgedampft, mit Blei-oxydhydrat gekocht, das Filtrat durch Schwefelwasserstoff entbleit, nach demFiltriren im Wasserbade so weit als möglich eingedampft, der Rückstand inWeingeist gelöst, wenn nöthig filtrirt und die Lösung nach Neutralisation mitSalzsäure mit Platinichlorid behandelt etc.

Eigenschaften. Das Neurin ist eine hygroskopische, farblose, syrupdicke,alkalisch reagirende Flüssigkeit, welche an der Luft Kohlensäure aufnimmt undin ein Carbonat übergeht. In Wasser und Weingeist ist es in allen Verhält-nissen löslich. Beim Kochen der concentrirteren wässrigen Lösung erleidetes eine Zersetzung in Trimethylamin und Glykol. Beim Erhitzen verflüchtigtsich Neurin nicht, sondern zersetzt sich unter Entwickelung von Trimethylamin.Mit den Säuren giebt das Neurin theils krystallisirbare, theils sehr zerfliess-lichc Salze. Seine salzsaure Verbindung giebt mit Aurichlorid und Platini-chlorid Niederschläge. Das Golddoppelchlorid ist in Wasser schwerlöslich,nicht löslich in Weingeist und Aetlier und enthält 44,45 Proc. Gold. DasPlatindoppelchlorid ist in Wasser leicht, aber nicht in Weingeist und Aetherlöslich. Es enthält 31,87 Proc. Platin.

Prüfung. Das als Medicament brauchbare (das aus dem Lecithin imEidotter dargestellte) Neurin oder Amanitin muss sich in Wasser und Wein-geist klar lösen und die Lösung eine starke alkalische Reaction zeigen. Wird1 0 des Neurins mit 0,6 zerriebener Oxalsäure gemischt, so darf nur eineunbedeutende Kohlensäureentwickelung stattfinden und im Wasserbade erhitzt,muss eine nach dem Erkalten starre Salzmasse erfolgen. Eine schmierigeMasse deutet auf Glycerin. Beim Erhitzen in einer kleinen Retorte mussTrimethylamin in die Vorlage übergehen.

Aufbewahrung. Das Neurin wird in dicht geschlossenen Flaschen mitGlasstopfen und in der Reihe der starkwirkenden Arzneikörper aufbewahrt.

Anwendung. Neurin wurde in Wien mit gutem Erfolge bei Diphtheritisangewendet. Es werden mit den 3 6procentigen Neurinlösungen stündlichdie afficirten Stellen der Schleimhäute bepinselt. Auch Tetraäthylammonium-hydroxyd und Tetramethyl ammoniumhydroxyd haben sich dem Neurin gleich-werthig erwiesen.