Druckschrift 
2 (1878)
Entstehung
Seite
1107
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Tanacetum. 1107

lösliche Masse, welche von conc. Schwefelsäure mit hyacinthrother Farbe ge-löst wird.

Einsammlung und Aufbewahrung. Die blühenden Trugdolden werden EndeJuli und in der ersten Hälfte des August gesammelt, an einem schattigenluftigen Orte getrocknet und zerschnitten, auch als feines und grobes Pulverin dicht geschlossenen blechernen und gläsernen Gefässen aufbewahrt.

Anwendung. Die Rainfarnblüthen werden nur sehr selten und dann alsVermifugum gebraucht. Man giebt sie zu 1,0 2,0 3,0 drei- bis vier-mal täglich in Pulvern, Latwergen, Aufguss, auch in Klystieren. Früher be-nutze man sie bei Nervenleiden, Hysterie, Epilepsie,- Rheumatismen.

Extractuin Tanaceti wird durch Extraction in der Digestionswärmemittelst 45proc. Weingeistes bereitet.

Folia Tanaceti, Herba Tanaceti, Herba Athanasiae, Rainfarn, Wurmkraut, die

getrockneten Blätter. Sie sind unpaarig und unterbrochen doppelt-fiederspaltig, ungefähr 25 Ctm. lang, 12,5 Ctm. breit, mit 1014 linien-lanzettförmigen Fiederstücken und länglichen, spitzen, scharfgesägtenFiederstückchen mit in eine knorpliche Spitze auslaufenden Sägezähneu.Getrocknet sind die Blätter dunkelgrün. Geruch und Geschmack wie bei denBltithen. Die Bestandteile sind dieselben wie in den Blüthen, Harz undflüchtiges Oel nur in weit geringerer Menge.

Es ist völlig obsolet und nur in einigen Gegenden Deutschlands wirdes den Viehpulvern zugemischt, es dürfte aber immer durch die Blüthen er-setzt werden.

(f) Oleum Tanaceti, Kainfarnol, das durch Destillation mit Wasser aus demfrischen blühenden Kraute abgeschiedene Oel. Es ist neutral oder schwachsauer reagirend, dünnflüssig, gelblich oder grüngelblich, klar, von kampferar-tigem Rainfarngeruche, bitterlichscharfem gewürzhaftem Geschmacke, in gleich-viel Weingeist löslich. Es verpufft und erwärmt sich nicht mit Jod. In derSchwefelsäure-Weingeistprobe giebt es mit der Säure unter Erwärmung undDampfbildung eine dunkelrothe, wenig trübe Mischung, welche nach dem Wein-geistzusatz gesättigt gelblichroth und wenig trübe, nach dem Aufkochen völligklar ist. Spec. Gew. 0,900,95. Die an feuchten Orten wachsende Pflanzesoll das grünliche Oel geben. Frische Blumen geben circa 0,3, trockne 0,7,frisches Kraut mit den Blumen 0,280,3 Proc. Oel.

Man bewahre das Rainfarnöl vor Tageslicht geschützt in dicht mit Korkgeschlossener Flasche (in der Reihe der starkwirkenden Arzneikörper).

Mau giebt es zur Verstärkung anderer anthelminthischer Mittel zu 0,040,070,1 (1- 23 Tropfen) einige Male täglich. Als stärkste Einzelngabewären 0,3 oder 10 Tropfen anzunehmen. Aeusserlich dient es zur Verstär-kung anthelminthischer und auch reizender Einreibungen. Es ist ein sehrscharfes Oel, denn 3050 Tropfen können tödtlich wirken oder doch schwereIntoxicationen hervorrufen. In Amerika wird es viel als Abortivmittel gebraucht.Da sich diese verbrecherische Anwendung auch nach Europa verpflanzen wird,so gebe man das Oel mit aller Vorsicht ab.

II. Tanacetum Balsamita Linn ., eine im südlichen Europa einheimische,in unseren Gärten als Zierpflanze cultivirte einjährige Composite.

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