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Hyoscyainus. 165
Der Hyoscy amingehalt ist in den trocknen Samen durchschnittlich zu 0,4Proc. in den frischen Samen zu 0,18 Proc. angetroffen worden.
Anwendung. Der Bilsensamen gleicht in seiner Wirkung dem Bilsenkraute.Man giebt ihn zu 0,1 — 0,15 — 0,2 vier- bis fünfmal täglich. Die stärksteEinzelngabe ist zu 0,3, die stärkste Gesammtgabe auf den Tag zu 1,5 anzu-nehmen. Gewöhnlich giebt der Arzt den Bilsensamen in Samenemulsionen.
Der Bilsensamen ist in vielen Gegenden ein beliebtes Räucherungsmittelgegen Schmerz hohler Zähne. Auf einem Teller streut man den Samen aufglühende Kohlen und leitet den Dampf mittelst eines Blechtrichters gegen undin den hohlen Zahn, aus welchem dann angeblich kleine Würmer herausfallensollen (diese Würmer sind die aufgeblähten und gebräunten Embryonen). Dievorsichtige Abgabe des Bilsensamens an Erwachsene zu dem vorbemerktenZwecke in Mengen bis höchstens zu 2,5 Gm. dürfte keinem Bedenken unterliegen.
'J Hyoscyaminum, Hyoscyamin , das aus dem Bilsensamen oder Bilsen-kraute abgeschiedene, oben bereits erwähnte Alkaloid, dessen Wesenheit noch nichtmit Sicherheit erkannt ist, wurde vor fast 15 Jahren von K eissinger, Gulz,Honold, Schroff empfohlen und angewendet. Man hat es amorph, flüssig,krystallinisch in den Handel gebracht. E. Merck (Darmstadt) berichtet inneuster Zeit über ein Hyoscyamin in mikroskopisch kleinen Krystallnadeln,Welches er darstellte. Dieses ist in ungefähr 20 Th. kaltem Wasser, leichter'n lieissem löslich. In kochendheissem Wasser schmilzt es zu ölähnlichenTropfen , welche beim Erkalten zu krystallinischen Massen erstarren. Es istleicht löslich in Weingeist, Aether, Chloroform, schwieriger in Benzol. Beisehr vorsichtiger Erhitzung lässt es sich unzersetzt verflüchtigen. Das Tlyos-c yamin in Gestalt eines dunkelbraunen Syrups nennt Mekck HyoscyaminumPurum coloratum.
Darstellung. 1000 Th. zerstossener oder gepulverter Bilsenkrautsamen°der 200 Th. Bilsenkrautextract werden mit der sechsfachen Menge 60-Pfocentigem Weingeist bei Digestions wärme erschöpft, die Tincturen mitTh. krystallisirter, in Wasser gelöster Oxalsäure versetzt, durch Destil-lation vom Weingeist grösstentheils befreit, nach dem Erkalten vom etwa ab-geschiedenen Fette durch Filtration gesondert, mit Aetzammon neutral gemacht^nd dann mit soviel wässriger Gallusgerbsäurelösung versetzt, als dadurche in Niederschlag hervorgeht. Dieser wird gesammelt, mit etwas kaltem Wassera bgewaschen, mit seiner fünffachen Gewichts-Menge eines Gemisches aus gleichen^heilen präparirter Bleiglätte und Bleiweiss innig gemischt und an einen^nklen kalten Ort gestellt. Nach zwei bis drei Tagen wird die Masse mit Wein-geist zerrieben und extrahirt, der Auszug mit Oxalsäure neutralisirt, nach Ver-stopfung des Weingeistes mit etwas Wasser verdünnt, mit Natroncarbonatlrn Ueberscliusse versetzt und mit Aether mehrmals ausgeschüttelt. Nachdemdle vereinigten Aetherlösungen mit Oxalsäurelösung bis zum üeberschuss ver-setzt und durchschüttelt sind, wird der Aether abdestillirt, der Rückstand miteinem Üeberschuss feinzerriebenem reinem Kalkcarbonat nach und nach ge-mischt, mit Aether extrahirt und die ätherische Lösung an einem schattigeneirca 25° C. warmen Orte der freiwilligen Verdunstung überlassen. Es hinter-leibt eine gewöhnlich schmierige amorphe Masse, welche nach einiger Zeitstarr wird. Ausbeute circa 2 Th.
Das Hyoscyamin gehört zu den directen Giften und muss auch wegenes nachtheiligen Einflusses der Luft in kleinen, auf das dichteste verschlossenenGläsern aufbewahrt werden. Gabe 0,001—0,002—0,003 täglich zwei- bis