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2 (1878)
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Hyoscyamus.

unähnliche Säure (Hyoscinsäure, C 9 H 10 O 3 ), analog dem Atropin mit den Spal-tungsproducten Tropin und Tropasäure.

Anwendung. Das Bilsenkraut ist ein der Belladonna verwandtes Narcoticum,dessen Wirkung sich besonders auf den Blutumlauf unter Verminderung derPulsfrequenz erstreckt. Andererseits wirkt es beruhigend und schlafmachend,dem Opium ähnlich, ohne wie dieses den Stuhlgang zurückzuhalten. Manwendet es daher bei krampfhaften und entzündlichen Leiden der Athmungs-,Verdauungs- und Harnwerkzeuge innerlich und äusserlich an und giebt es zu0,10,20,4 vier- bis fünfmal täglich oder zu 0,10,150,2 zweistündlich.Die Pharmacopoea Germanica normirt die stärkste Einzeln dosis zu 0,3, diestärkste Gesammtdosis auf einen Tag zu 1,0. Diese geringe Ziffer beruhtunzweifelhaft auf einem Irrthume und hätte die stärkste Einzelndosis zu 0,4,die stärkste Gesammtdosis für den Tag auf 4,0 erhöht werden können.

II. f Semen Ilyoseyami, Bilscnkrautsainen, Bilsensamen, der ohne Wärme-anwendung getrocknete Samen.

Die mit einem Deckel aufspringende Kapselfrucht des Bilsenkrautes 'ent-hält einen verdickten Samenträger, dicht besetzt mit den sehr kleinen (1,01,5Millim. grossen), fast nierenförmigen, zusammengedrückten, netzadrig-runzligen,

Fig. 45. Verticaldurchnitt einesPistills von Hyoscyamus niger(vergr.), den verdickten, central-ständigen, der Scheidewandangewachsenen Samenträger(sporophorum) zeigend.

Fig. 46. a Die von dem bleiben-den Kelche befreite Fruchtkapseldes Bilsenkrautes, oberhalbdeckelartig umschnitten.b Dieselbe nach der Reife(deckelartig aufspringend).

Fig. 47. 1. Same von Hyoscyamus

niger. l^fache Linearvergr.2. Längsdurchschnitt, h Basisoder Nabel, sp Spitze, per ge-krümmter Embryo , c Cotyle-donen, r Würzelchen, endlxmen-eiweiss, t äussere Samenhaut,ti innere Samenhaut.

daher tiefgrubigen, gelblichgrauen oder braungrauen, innen weissliclien, ge-ruchlosen Samen von scharfem bitterem öligem Geschmack.

Einsammlung und Aufbewahrung. Der Bilsensamen wird im August ge-sammelt, an der Luft am schattigen Orte getrocknet und in Blech- oder Glas-gefässen in der Reihe der starkwirkenden Mittel nach Vorschrift der Pharma-copoea Germanica nicht über ein Jahr aufbewahrt. Dass bei guler Aufbe-wahrung der Bilsensamen seine Wirkung auch zwei Jahre conservirt, unterliegtkeinem Zweifel. Der gepulverte Bilsensamen kommt selten vor, wird erverordnet (in Pillen), so ist es rathsam, solche kleine Mengen im Pillenmörserzu pulvern.

Bestandtheile. Brandes fand in 100 Th. des frischen Bilsensamens:19,6 in Weingeist leicht lösliches Oel; 4,6 in Weingeist schwer lösliches Oel;0,95 fettwachsartige Substanz; 1,4 Wachs; 3,0 Halbharz; 3,4 thierisch vege-tabilische Materie (Phyteumakolla); 0,8 Eiweiss; 3,75 verhärtetes Eiweiss; 6,3äpfelsaures Hyoscyamin mit Antheilen von Malaten des Kalis, Kalks, Ammons,der Magnesia; Malate und Phosphate; 1,2 Gummi; 2,4 Traganthstoff; 1,5 *

Stärkemehl; Spuren Schleimzucker; 26,0 Faser; 24,0 Wasser.