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6,2 (1929) Dicotyledones : (V. Teil), Sympetalae (Schluss der Compositae)
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zwischen A. Erba.rotta und A. moschata gerade die Mitte hält (mit fiederspaltigen Laubblättern, bei denen dieBlattspindel jedoch so breit oder breiter ist als die Länge der Fiedern), massenhaft und zwar ohne die typischeA. Erba-rotta, jedoch mit A. moschata (nach anderen Autoren fehlt auch diese). Diese Pflanze, die den NamenA. Morisiana Rdib. (= A. Erba.Rotta var. Morisiana Heimerl) führt, kann nach den lokalen Verhältnissennicht als Bastard zwischen A. Erba.rotta und A. moschata angesehen werden, sondern stellt zweifellos einenicht hybride Uebergangsform von ersterer zu letzterer Art dar, die an den obigen Standorten auch allerdings

selten mit A. moschata einen Bastard (= A. Haussknechtiäna Aschers.) bilden soll. Vaccari ver.

einigt daher mit Recht alle diese Pflanzen zu einer einzigen Art.

Achillea moschata ist nach den Untersuchungen von Wilczek von A. atrata auch durch andereInnovationsverhältnisse verschieden, stimmt hingegen in dieser Hinsicht mit A. Erba.rotta und A. nana überein.Die Grundachse ist kriechend und verzweigt sich dicht an der Erdoberfläche, so dass ein rasiger Wuchs zustandekommt. An den blühenden Pflanzen sind die Innovationssprosse (nichtblühenden Sprosse) zahlreicher undkräftiger als bei A. atrata.

Achillea atrata und A. moschata gelten allgemein als Schulbeispiel vonvikarierenden Arten", dieeinander auf Kalk. bezw. Kieselboden vertreten, d. h. sich nach Bodenarten gegenseitig ausschliessen (vgl. Bd. III,pag. 360). C. Nägeli freilich war der Ansicht, dass diese beiden Pflanzen dort, wo sie allein vorkommen,bodenständig seien, wo sie jedoch nebeneinander auftreten, würde auf Kalk A. atrata die A. moschata, aufUrgestein A. moschata die A. atrata aus dem Feld schlagen. So hat Nägeli im Bernina.Heutal auf einervon A. moschata bewachsenen Schieferhalde diese Art auch auf einem herabgestürzten Kalkblock auf einerkaum zolldicken Krume beobachtet, da hier nach seiner Ansicht die Konkurrenz der A. atrata fehlte. Anderartigen Standorten ist aber der Kalk oft ausgelaugt. Neuere Beobachtungen von Magnin, Wilczek,Gillot haben jedoch diese Ansicht nicht bestätigt, sondern sprechen entschieden dafür, dass wenigstensA. moschata eine bodenstete und zwar eine ausgesprochen kalkfeindliche Pflanze darstellt. Zudem darf dabeinicht übersehen werden, dass A. atrata im allgemeinen feuchte, A. moschata trockene Standorte bewohnt. Dasauffallende Fehlen in den Bayerischen Alpen ist wohl aufgeogene" Faktoren zurückzuführen.

Die kalkscheue, silikole Ivapflanze bewohnt in erster Linie offene, trockene Abwitterungs», Geröll»und Schutthalden der Zentralalpen, hier oft vergesellschaftet mit Poa alpina und P. laxa, Trisetum spicatum,Agrostis rupestris, Luzula spadicea und L. spicata, Elyna Bellardii, Salix herbacea, Polygonum viviparum,Primula viscosa, Linaria alpina, Chrysanthemum alpinum, Doronicum Clusii, Senecio Carniolicus usw. Sehrverbreitet ist die Pflanze auch in Alluvialfluren mit und ohne Myricaria Germanica neben Epilobium Fleischen',Artemisia laxa, Campanula cochleariifolia, Erigeron acer subsp. angulosus, Sibbaldia procumbens, Trifoliumbadium, T. pallescens und Sempervivum aradinoideum, Oxyria digyna, Carex incurva usw. Andrerseits erscheintdie Pflanze auf trockenen, ungedüngten Matten und Weiden, so im Cuvul^tum, Festucötum väriae und F. violäceae,im Sempervir^tum, Nardetum usw., ebenso vereinzelt in den Gebüschen von Juniperus montana, Alnus viridisund Pinus montana, sowie im subalpinen Nadelwald. Wichtig ist die Pflanze als Beraser offener, ruhenderAlluvialböden. Rubel beobachtete auf der Bernina A. moschata sogar apophytisch am Strassenbord, ebensoGarns an der Furka.

Das zur Blütezeit (Juli, August) gesammelte und sorgfältig getrocknete, angenehm aromatisch duftendeKraut mit dem kräftigen, gewürzhaften Geschmack findet seit langem als Volksmittel (H6rba achill6aemoschätae sive H6rba Genipi, sive h6rba Iva moschatae) Verwendung und zwar in Form von Tee innerlichals Tonicum, Stomachicum (magenstärkend) Stimulans, Antiepilepticum und Diaphoreticum (schweisstreibend)gegen Krämpfe, Diarrhöe, Appetitlosigkeit, bei Nervenschwächen, äusserlich als Wundmittel. Nach Mitteilungvon Dr. Steiner in Lavin bedingt der aus Ivabitter zubereitete Tee eine Hyperämie des Darmes. Das Krautdieser und verwandter Arten (A. atrata, A. Erba.rotta, A. nana), das beim Zerreiben einen eigenartigen, durch-dringenden, moschusartigen Geruch entwickelt, enthält den amorphen Bitterstoff Ivaln (C24H42O8?), das amorphe,sehr bittere Achillein (C20HS8N2Ö15), das Moschatin ( C 2 iH 2 jN 07), sowie eine Harzsäure ( Cs < H 480 io \ Achilleinund Moschatin sind wahrscheinlich Glucoalkaloide. Das 0,5 bis 0,6 °/o ausmachende, grünblaue ätherische Oel(Ivaöl) von stark aromatischem, pfefferminzähnlichem Geruch und Geschmack enthält Cineol und l.Kampfer,sowie Alkohole, jedoch keine Aldehyde und Ketone. Der gute Ruf, welchen die Ivapflanze bei den Einheimischenals bewährtes Heilmittel schon längst genoss, veranlasste in den sechsziger Jahren des vorigen Jahrhundertsden Apotheker S. Bernhard in Samaden (Engadin) aus dem Kraut verschiedene Präparate (Ivabitter, Ivalikör,Ivawein) herzustellen, die für den Gaumen wie für den ganzen Organismus unübertrefflich sind. Ehedem(oder noch heute) stellten die Ivakräuter auch einen Bestandteil der Brandtschen Pillen dar. Gegenwärtig bildetIva. und Malojabitter einen nicht unbedeutenden Handelsartikel des Oberengadins; nunmehr wird es auch vonGümligen bei Bern in den Handel gebracht. Hierzu werden gelegentlich auch andere aromatisch riechendeKräuter verwendet, u. a. Artemisia laxa (Lam.) Fritsch, die in der Westschweiz alsGenepi jaune* von der Iva«P anze, demgenipi blanc" unterschieden wird. Knuth bezeichnet die Pflanze als gynomonoezisch. Die