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blätter doppelt fiederspaltig, mit stumpfen, gerundeten Zipfeln. An der Valsuganabahn bei S. Cristoforo.Wahrscheinlich mit griechischen Sämereien eingeschleppt.
Verbena officinalis ist ein alter Kulturbegleiter, dessen ursprüngliche Heimat unsicher ist, aber mit
grosser Wahrscheinlichkeit im Mittelmeergebiete liegt. Die Pflanze genoss vermutlich bei den antiken Völkern
eine grosse Verehrung. Nach Plinius war kein Kraut im Altertum berühmter. Im allen Aegypten hiess die
Pflanze die „Träne der Iris". Sie wurde bei feierlichen Gelegenheiten verbrannt (Herba sancta) und galt als das
beste Wundkraut bei Verwundungen durch eiserne Waffen. Die Hippokraiiker empfahlen sie gegen Unfrucht.
barkeit. Audi wurde sie gegen Blasensteine, sowie auch als allgemeines Volksmittel benützt. In Griechenland
gilt sie noch gegenwärtig als Glückspflanze. Wann sie nadi Mitteleuropa gelangt ist, ist unbekannt. Sie soll
aber schon bei den Kelten und Germanen in hohem Rufe gestanden haben. Der Heiligen Hildegard war
sie als Heilpflanze bekannt. Von Thal wird sie in der Harzflora (1577) aufgeführt, von Jungermann für
Franken (1615). In dem in Lund aufbewahrten
Herbar von Rostius (1610) liegt sie unter
dem Namen Siteritis. Früher wurde sie viel
in Gärten zu medizinischen Zwecken gebaut
und die H6rba Verbcnae s. H. Columbäriae
s. H. sanguinälis als schleimhaltiges, zusammen«
ziehendes, bitteres Mittel, ferner bei Wechsel.
fieber, Steinleiden und Augenentzündungen an»
gewendet. Ferner dienen sie mit Zimmt, Nelken,
Vanille und bitteren Mandeln gemischt als Er.
satz für chinesischen Tee, ferner als Aufguss
(3 g auf 'I* Liter Wasser) gegen Kopfschmerzen,
Migräne, allgemeine Schwäche usw. Kneipp
empfiehlt diesen Tee auch gegen Keuchhusten,
Nieren, und Leberleiden, Wasser, und Gelb»
sucht. Ein früher viel benülzter Haustee
wurde aus 100 g Eisenkraut, 10 g Pfefferminze,
2 g Thymian, 2 g Majoran, 5 g Zimmt und 1 g
Muskatblüte gemischt. Die Homöopathie be.
reitet aus der blühenden Pflanze eine Essenz.
Gurken sollen beim Einmachen durdi Zusatz
von Eisenkrautwurzel schmackhafter werden.
Chemisch wurde neben Gerbstoffen, Bitterstoff,
Inverlin, Emulsin usw. das nicht giftige Gykosid
Verbenalin nachgewiesen, das sich in der
frischen Pflanze in Form von Kristallnadeln
findet, beim Trocknen aber zum Teil ver»
schwindet. — Die Verbena (verbenaca, hiero»
c ,„r w u «•• • i- . et . nt . c •. botane) spielte im antiken Aberglauben eine
Fig. 3175. Verbena officinalis L., an einem Strassenrand. Phot. Fritz ' K °
Pfenninger, Staefa (Schweiz). grosse Rolle. Nach Plinius (Nat. hist. 25,
105 ff.) behaupteten die Magier, dass man, wennman sich mit der Pflanze salbe, alles erlange, was man wolle, dass sie das Fieber vertreibe, Freundschafterwerbe und alle möglichen Krankheiten heile, dass man sie beim Aufgang des Sirius sammeln müsse undzwar so, dass es weder der Mond noch die Sonne sehe usw. Ob allerdings unter der antiken verbena unsereVerbena officinalis zu verstehen ist, bleibt recht zweifelhaft. Unter „verbenae" verstanden die Römer ganzallgemein die Kräuter und Baumzweige, deren man sich bei Opfern und anderen Kulthandlungen bediente.Fussend auf den antiken Berichten Quellen erscheint die verbena auch im Aberglauben des deutschen Mittel,alters. So sagt der Regensburger Domherr Konrad von Megenberg in seinem „Buch der Natur"(Mitte des 14. Jahrhunderts), dass das Eisenkraut „den zaubraeren gar nütz" sei. Audi Bock bemerkt inseinem Kräuterbuch (1551) s „Das kraut Verbena würt noch heuttigs tags mehr zu der Zauberei dann zu derArtznei gesamlet". In mittelalterlichen Handschriften sind uns verschiedene Beschwörungen der Verbenaerhalten. Im heutigen Aberglauben ist das Eisenkraut so gut wie vergessen. Im Anhaltischen gehörte esnoch vor einigen Jahrzehnten zu den Pflanzen, die das Gewitter abwehren sollten. Man warf es zusammenmit Hartenau (Hypericum perforatum) bei einem aufziehenden Gewitter in das Feuer und sprach: „Eisenhartund Hartenau — Brennt an, dass sich das Wetter stau". Im deutschen Volksaberglauben war das Eisenkrautwohl nie wirklich volkstümlich. Durch die Kleriker und Aerzte des Mittelalters war zwar zeitweise manches