Druckschrift 
5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
Entstehung
Seite
2237
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

2237

grössere Bedeutung erlangt und wird hauptsächlich zu Schiffsbauten, Eisenbahnschwellen, Wasserbauten, Strassen«pflaster, Eisenbahnwagen, in der Möbelschreinerei usw. benützt. Es ist gegen Angriffe von Seetieren (mitAusnahme der Bohrmuschel Teredo navälis), Insekten, Pilzen und Eisen sehr widerstandsfähig. Das bittereHolz, die Laubblätter und Blüten dienen als Arzneimittel. Die Laubblätter enthalten ferner einen schönen,roten Farbstoff, mit dem Seide purpurrot gefärbt wird. Die gerbstoffreiche Rinde dient zum Gerben. ImTessin ist vielfach T. radicans (L.) DC. in Kultur anzutreffen. Wichtig ist auch die Gattung Vit ex*) L.,von deren etwa 100 Arten einige gute, holzliefernde Bäume darstellen, so V. altissima L. f. aus Vorder»Indien, ein prächtiger, als Macla, Myrole oder Sampaga Palu bezeichneter Baum mit braunem, hartem Holz(spez. Gewicht 1,008), die vorderindische V. pub^scens Vahl. (Laubblätter und Rinde färben grün), dieaustralische V. lignum«Vitae A. Cunn., die afrikanische V. Cienköwsky (letztere besonders zu Boots«bauten benützt). V. litorälis A. Cunn. aus Neuseeland liefert ein unter dem Namen Purin bekanntesFarbholz, in dem gegenwärtig noch unbekannte Glykoside enthalten sind, deren Spaltungsprodukte die beidenvon A. G. Perkin entdeckten Farbstoffe Vitexin (C15H17O7) undHomovitexin (CieHieO) sind. V. divaricäta L. aus Indochinaenthält in den Laubblättern 14 °/o Gerbstoff und dient durch diesen alsGerbmaterial. V. Negündo L., im tropischen Amerika heimisch,durch die Kultur in den Tropen weiter verbreitet und in Indien Indra«husta und Indrasura genannt, dient mit seinen bitter schmeckendenLaubblättern und der Wurzel als Fiebermittel. Essbare Früchte findensich bei dem ostafrikanischen Vitex Mombässae und bei der afrika.nischen V. cunedta Schum. et Thonn. Eine alte, im Freilandund in Kübeln gehaltene Kulturpflanze ist V. Ägnus ! ) Castus 3 ) L.

Möndispfeffer, Keuschstrauch, Abrahamsstraudi. Franz, t Gatilier,agneau diaste, petit poivre-, engl.: Chaste tree; ital.i Agnocasto,vitice, an der Adria (Dalmatien) Konopljika (Fig. 3169). Bis 2 (4) mhoher Strauch mit hellbraunen, anfangs filzigen Zweigen. Laubblätterkreuzweise gegenständig, lang gestielt, handförmig 5= bis 7.zähliggeteilt, fast ganzrandig; Blättchen lanzettlich, bis 9 cm lang. Blütenin dichten, endständigen Blütenständen, klein. Krone violett, blau,rosa oder weiss. Frucht eine 4=samige Steinbeere. VII, VIII.

Heimats Mittelmeergebiet, Krim und Zentralasien. Die Pflanze wädistdort in Bachbetten und an Flussufern der Ebene und der unteren Berg»stufe, ferner auch an der Meeresküste und tritt häufig zusammenmit Oleander« und Tamarix«Arten auf. Bemerkenswert ist ihr Blühenim Hochsommer, in dem das Wasser in der Regel bereits versiegt ist.

Das Holz ist graugelb, grobfaserig und spröde und kann nur zu Fig. 3170. Blühender Spross und Laubblatt von

, r Clerodendron foetidum Bunge.

Brennzwecken dienen. Aus den jungen, biegsamen und zähen Zweigen

wird Flechtwerk hergestellt. Sie enthalten, wie die übrige Pflanze,

ein ätherisches Oel (Mönchspfefferöl), in dem Cineol, anscheinend Sabinen und ein Chinon, nach anderen Quellenauch Pinen, ein Sesquiterpenalkohol usw. nachgewiesen worden sind. In den scharf schmedeenden Samen(S6mina ägni cästi) ist das Oel zu 0,47 °/o enthalten. Die Früchte dienen im Süden (früher auch bei uns) alsPfefferersatz und sollen als Antaphrodisiacum wirken. Die Pflanze war schon den Alten als Sinnbild derKeuschheit gut bekannt. Bei Homer wird sie als ivyog [lygos] = biegsamer Zweig erwähnt. Hippokratesund Galen führen sie auf. Bei Dioskurides wird sie ausführlich beschrieben. Der bei ihm verwendeteName äyvug [agnös] = keusch, rein wird von ihm von « [a] weg und yovog [gönos] = Nachkommenschaftabgeleitet, also jedenfalls im Zusammenhang mit der weitverbreiteten Ansicht einer antaphrodidisdien Wirkunggebracht. Am griechischen Ceresfeste bestreuten Matronen die Strassen mit Laubblättern. Bei den Thesmo«phorien schmückten sich die athenischen Frauen mit den Blüten und schliefen auf den Laubblättern. In Kulturbefindet sidi die Art seit 1560. Beliebte Zierpflanzen liefert die Gattung Clerodendron 4 ) L. durch meist

l ) Abgeleitet von lat. viere = flechten, binden; da die Zweige gleich Weidenzweigen zu Flecht»arbeiten dienen.

2 I Vgl. die obige Ableitung nach Dioskurides. Unrichtig ist wohl ein Zusammenhang mit lat.ägnus = Lamm.

8 ) Lat. cästus keusch.

4 ) Zusammengesetzt aus xXfqog [kleros] = Loos, Schicksal und <fei>o<f(>ov [deindron] = Baum, alsoLoosbaum; weil einige Arten der Gattung heilende, andere schädigende Eigenschaften besitzen.

344*