2232
Ein angeblich besonders heilsames „Kraft wasser" wurde aus Borretschwasser, Violenwasser, Schlehenblüten,wasser, Zimmtwasser usw. zusammengesetzt. Noch allgemeiner ist aber die Verwendung der frischen Blätter(auch der zugleich dekorativ wirkenden Blüten) als Beigabe zu Salat, dem es einen angenehmen, gurken.ähnlichen Geschmack verleiht. Sie lassen sich auch als Spinat zubereiten. Im Aargau und Elsass dienten siewie die von Symphytum auch zum Küchlibacken. Andrerseits wirken aber die rauhen Haare hautreizend.Aus den Blüten wurde ehedem eine schön blaue Lackfarbe bereitet; ebenso wird Essig damit blau gefärbt.
Ausser in der Grösse und Behaarung variiert die Art nur sehr wenig. Als Zierpflanzen (u. a. alsGrabschmuck, z. B. in Schwaben und Franken) werden neben den blaublütigen auch weissblühende Individuengezogen. — Eine Blattfleckenkrankheit ruft Entylöma serötinum Schröter hervor. Schaden richten auch einigeEulenraupen (Brotolömia meticulösa und Plüsia« Arten) an.
114. Fam. Verbenäceae. Eisenkrautgewächse.
Kräuter, Halbsträucher, Sträucher und Bäume mit meist gegen*, selten quirl» oderausnahmsweise mit wechselständigen Laubblättern. Nebenblätter fehlend. Blüten in botry»tischen oder cymösen Blütenständen, zygomorph, seltener fast strahlig, zwitterig oder durchFehlschlagen vielhäusig. Kelch unterständig, glockig, röhrig oder becherförmig, 4», 5», seltener bis8=spaltig, »lappig oder »zipfelig, selten fast ganzrandig. Krone mit zylindrischer oder nach obenerweiterter, gerader oder gekrümmter Röhre und mit 4= bis 5», bisweilen mit noch mehrspaltigeremSaume, seltener breit glockig ohne deutliche Röhre. Kronlappen gleich gestaltet oder 2=lippig,dachziegelig sich deckend. Staubblätter 4, 2»mächtig, seltener gleichförmig oder durch Fehl»schlagen nur zu 2, sehr seilen gleich viele wie die Kronlappen; Staubfäden mit den Kronzipfelnabwechselnd, frei; Staubbeutel nach einwärts gewendet, 2»fächerig; die Fächer mit einemLängsspalt aufspringend. Diskus den Grund des Fruchtknotens umgebend, meist schwachentwickelt. Fruchtknoten oberständig, in der Regel aus 2, sehr selten aus 4 (5) Fruchtblätternbestehend, ursprünglich 2» bis 4= (5»)fächerig, aber in der Regel bald durch falsche Scheide»wände 4= bis 8» (10=)fächerig, selten im oberen Teile 1 »fächerig; Samenanlagen in jedemFach 1 (in den ungefächerten Fächern 2), grundständig und anatrop, seitenständig und hemi»anatrop oder orthotrop, gipfelständig und hängend, stets mit der Mikropyle nach abwärtsgerichtet. Griffel endständig, sehr selten zwischen die Fruchtknotenlappen eingesenkt, unge»teilt oder 2» bis 4» (5«)spaltig, mit kurzen, spitzen oder stumpfen Lappen, selten kopfförmig.Steinfrucht oder Kapsel mit dünner, trockener oder saftiger bis fleischiger äusserer undharter innerer Fruchtschale, geschlossen bleibend oder in 2 ein» bis 2=fächerige oder 4, selten8 bis 10 Teilstücke zerfallend. Samen meist ohne, selten mit fleischigem Nährgewebe.Keimling gerade, mit flachen, selten gefalteten, dicklichen Keimblättern und unterständigemWürzelchen.
Die Familie umfasst etwa 70 Gattungen mit rund 800 Arten und besitzt ihr Hauptverbreitungsgebietin den Tropen und Subtropen, insbesondere in Südostasien, im Malayischen Archipel, in Mittel» und Süd«amerika und auf den Westindischen Inseln. In die gemässigten Zonen dringen nur wenige Arten ein. AuchAfrika wird nur durch verhältnismässig wenige Gattungen besiedelt, wenngleich dort die Gattungen Clero«d 6nd r o n L. und Vit ex L. ziemlich reichlich vertreten sind. Den mehr als 20 monotypisthen und meistauf altisolierte Gebiete beschränkten Gattungen stehen neben einer grösseren Anzahl wenig artenreicherGattungen als umfangreich gegenüber Lippia L. mit 100 Arten, Clerod6ndron L. mit etwa <30 Arten,Verbina L. und Lantdna L. mit je 80 Arten, Vit ex L. mit 60 Arten usw. Die 7 Unterfamilien, in diedie Familie geteilt wird, sind z.T. auf geographisch eng umgrenzte Gebiete beschränkt. Die Stilboideaeleben mit 5 Gattungen in Südafrika, die Symphoromoideae mit 3 Gattungen in Vorderindien, Malesienund Nordaustralien. Auf eine frühere (lemurisdie) Landbrücke zwischen Südasien, Ostafrika und Australienweisen die beiden Unterfamilien der Caryopteridoideae (vorwiegend ostasiatisch, nordwärts bis zurMongolei und Japan reichend, mit der monotypischen Var enge villea hi s p i di ss ima Baill. auf Madagaskarvertreten) und die Chloanthoideae (vorwiegend westaustralisch, darunter Neog^nes eufraxioidesA. DC. auf den pazifischen Inseln, während die 2. zur Gattung gehörende Art N. dicumbens Balf. f. aufder Insel Rodriquez heimisch ist, ferner die monotypische Acharitea Benth. in West«Madagaskar). DieAvicennioideae mit der einzigen Gattung Avicinnia L. (3 Arten) sind als Mangrovepflanzen an den