2111
grosse Bedeutung zu, obgleich sie bisweilen junge Weidenpflanzungen sehr schädigen kann. Sie vermag auchLupinen, Wicken und Pferdebohnen zu befallen und kommt bisweilen sogar auf Artischoken und Kohl« Arten vor.Lieber grössere Schädigungen an blauen Lupinen in Schlesien berichtet zum ersten Male Kühn im Jahre 1869.Es ist infolgedessen angezeigt, die Weiden»Seide, wenn sie in der Nähe von Lupinenfeldern auftritt, mitsamtden Wirtspflanzen auszurotten oder wenigstens die Sträucher so kurz als möglich zu schneiden. C.Capellebeobachtete die Weidenseide auch auf saftigen, jungen Trieben des Weinstockes. Hingegen dürfte sich dieAngabe von C. v. Wahl und K. Müller über das Auftreten der Art auf Wein im Rheintal höchstwahrscheinlichauf C. Epithymus beziehen (vgl. pag. 2055). — Die Kapseln der Weide.Seide sind in jungem Zustande durchein in Alkohol lösliches Weichwachs klebrig. Die Pflanze ist die kräftigste unserer heimischen Cuscuta=Artenund besitzt die grössten und schwersten Samen.
112. Farn. Polemoniäceae. Sperrkrautgewächse.
Einjährige oder ausdauernde Kräuter, seltener Holzgewächse oder kletternde Sträucher(Cobaea). Laubblätter wechselständig, seltener (besonders die unteren) gegenständig, einfach,hand» oder fiederförmig oder geteilt, kahl oder behaart. Blütenzwitterig, meist regelmässig, mit Ausnahme des Gynaeceum5=zählig (Fig. 3079), in der Regel zu endständigen, trugdoldigen,oft köpfchenähnlichen Blütenständen vereinigt, seltener einzeln,achselständig. Kelch röhren», kegel» oder glockenförmig, ± tief5=teilig, bleibend oder während der Fruchtreife zerreissend. Kronerad=, stielteller», trichter» oder trompetenförmig, mit 5 in derKnospenlage nach rechts gedrehten Abschnitten. Staubblätter 5,der Kronröhre (oft ungleich hoch) eingefügt, meist kahl; Staub»beutel eiförmig bis linealisch, öfter am Grunde pfeilförmig, amRücken etwa in der Mitte befestigt. Pollenkörner gelblichweiss,
Fig. 3079. BIiitendiagramm von Po-
dunkelgelb oder blau, kugelig * zusammengedrückt, mit fein lemoniumcaeruleumL.(nachMark-netzförmiger oder fast wabenartiger Oberfläche. Fruchtknoten tanner-Turneretscher).
oberständig, meist kahl, 3* (selten 2=) fächerig, auf einem ± ausgebildeten, lappigen Diskussitzend); Griffel 1, fadenförmig; Narben 3 (2), fadenförmig=ausgebreitet oder zurückgebogen,an der Innenseite papillös. Samenanlagen in jedem Fach 1 bis viele, oft mehrreihig, umgewendet(anatrop). Frucht eine 3= (selten 2=) fächerige, in der Regel fachspaltig, selten wandspaltig(Cobaea) aufspringende, kugelige bis längliche Kapsel. Samen flach zusammengedrückt oderangeschwollen, zuweilen geflügelt, hie und da mit verschleimender Sdiale; Nährgewebe meistreichlich, selten fast fehlend. Keimling gerade oder selten leicht gekrümmt, in der Mitte desNährgewebes liegend, farblos oder + tief grün; Keimblätter herzförmig bis lineal.
Die Familie der Polemoniaceen, von der lange nur eine Art (Polemonium caeruleum) bekannt war,gehört wie die Solanaceae und Nolanaceae zu den relativ ursprünglichen Familien der Tubiflorae, die durchdie aktinomorphen Corollen, das vollzählige Androeceum und das mehr als 2»blätterige Gynaeceum gekenn,zeichnet sind. Systematisch stehen die Polemoniaceen in der Mitte zwischen den Convolvulaceen (bezw. Con«volvulales) und den Hydrophyllaceae (pag. 2119). Während der Kelch bei den ersteren bis zum Grunde geteiltist, ist er bei den Polemoniaceae verwachsen (mit Ausnahme der Gattung Cobaea); der Fruchtknoten ist bei denConvolvulaceen meist 2.fächerig, bei den Polemoniaceen dagegen 3«fächerig (Fig. 3079). Von den Hydrophyllaceenunterscheiden sich die Polemoniaceen dadurch, dass die Mikropyle der Samenanlage bei den ersteren nachoben, bei den letzteren nach unten gerichtet ist. Die 268 Arten starke Familie wird in die beiden Linterfamiliender Cobaeoideae, umfassend die beiden Strauch» oder baumartigen Gattungen Cobaea und Cäntua, mitweissem, farblosem Embryo, grossen herzeiförmigen Keimblättern und flachen Samen und in die der Pole«monioideae (hieher die krautartigen Gattungen Phlöx, Collömia, Gilia, Polemönium, Aliciella, Gymnösteris,Langloisia, Loes^lia und Bonpldndia) mit grünem Embryo, eiförmigen oder linealen Keimblättern und an»geschwollenen Samen. Die Familie ist fast ausschliesslich in Amerika zu Hause. Nur 2 Arten (Polemoniumcaeruleum und P. lanatum) kommen auch in Europa und im aussertropischen Asien (hier ausserdem nochPhlox Sibfrica L.) vor. Ausserdem hat sich Collomia grandiflora (pag. 2117) seit der Mitte des vorigen Jahr«hunderts in einigen Gegenden von Mitteleuropa eingebürgert, während Phlox Drummondii in Südafrika zu