2071
Assoziation auf beweglichem Amphibolitschutt, vereinigt mit Cerastium arvense subsp. strictum, Silene inflata,Lathyrus silvestris, Lotus corniculatus, Digitalis ambigua, Epilobium collinum, Galeopsis Ladanum subsp.intermedia, Thymus serpyllum, Campanula Trachelium usw. Im Raintale gegen die Zugspitze findet sie sichin grossen Herden in das Petasitetum nivei eingesprengt. In allen diesen Gesellschaften besitzt Vincetoxicumofficinale einen stark aufbauenden Wert, indem es den Boden festigt und für die später erscheinenden Rasen» undStraudigesellsdiaften vorbereitet. Mit dem allmählichen Schluss der Rasendecke bezw. mit dem Aufwachsender Gehölze wird die Pflanze dann in ihrem -weiteren Fortkommen gehindert und tritt mehr und mehr zurück.So findet sie sich meist nur noch zerstreut bis spärlich in geschlossenen Trockenrasen (Brometum erecti,Phleetum Boehmeri, Festucetum Vallesiacae) und auf Weiden, während sie sich in der lockeren Grasnarbe inCorylus=MisdiWäldern, lichten Eichen»Linden=Mischwäldern, Buchen» und Kiefernbeständen usw. leichter zuhalten vermag. Als spontaner Apophyt erscheintdie Art bisweilen in Hecken, auf Lesesteinhaufen,
Strassenböschungen usw.
Der Aufbau der Klemmfallenblüte ent»
spricht in vielen Teilen demjenigen von Aclepias
Cornuti. Ein für den Bestäubungsvorgang aber
wesentlicher Unterschied besteht darin, dass bei
Vincetoxicum die Nektargruben nicht wie bei
Asclepias Cornuti (pag. 2065) in abwechselnder
Reihenfolge stehen, sondern unmittelbar unter»
halb den Pollinien. Das durch den Honigduft
angelockie Insekt, das seinen Rüssel in die
Grube eingeführt hat, wird beim Zurückziehen
des Rüssels mit diesem in der Regel in den sich
oberwärts anschliessenden, von den Staub»
beuteln gebildeten Spalt (Leitschiene) geraten
und an diesem emporgleitend in den Schlitz des
Klemmkörpers geraten, der dann bei den Be»
freiungsversuchen des Insekts von seiner Unter«
läge abgelöst wird. Eine Uebertragung durch die
Beine scheint ausgeschlossen. Auf einer zweiten
Blüte wiederholt sich der Vorgang ähnlich ; nur
wird zunächst der ganze Translator, dessen an»
fangs spreizende Pollinien sich infolge ihrer Hy»
groskopizität genähert haben, in den Staubbeutel.
spalt gelangen und bei seiner Aufwärtsbewegung
auch die Narbenkammer erreichen, wo die Pol»
linien durch das Ziehen des Insektes von dem
Klemmkörper abgerissen werden und die Be»
stäubung vollziehen. Nur grössere Insekten, be»
sonders grössere Dipteren, Anthomyia», Pyrdllia», D u t
° _ Fig. 3048. Vincetoxicum o f f 1 c 1 n a 1 e Moench, in Blute. Phot.
Sarcophäga», On^sia» und 1 acnina»Arten ver» Peter Michaelis, Jena.
mögen die Translatorenübertragung für beide Teile
•erfolgreich zu vermitteln. Eine grössere Anzahl von Besuchern (gewisse Bienen, Empiden, Syrphiden, Grab»wespen, Faltenwespen, Falter, Käfer, Fliegen usw.) sind nach H. Müller und Mac Leod als nutzlose Gästezu bezeichnen, da sie sich infolge ihres Rüsselbaues nicht mit Pollinien beladen. Andere wieder (z. B. kleineFliegen) kommen bei den Befreiungsversuchen um das Leben und können dabei bisweilen die Bestäubungvollkommen verhindern. Nach F. H e im sollen gewisse Spinnen einen Schutz gegen solche unwillkommene Gästebilden. Die Blüten werden dementsprechend als arachnophil bezeichnet. Die reifen Früchte springen auf demRücken auf und krümmen sich beim Austrocknen zu einem vom Stengel meist wagrecht abstehenden Schiffchenzusammen, aus dem die Samen nacheinander entlassen werden. Letzteres erfolgt dadurch, dass sich der Haar»schöpf <Ier Samen infolge der hygroskopischen Bewegungen der Fruchtwand von der Einengung durch dieschmale Spitze der Balgfrucht befreit und sich sofort zu einem kalbkugeligen Schirm entfaltet, der mit dem nächstenWindhauch samt dem daranhängenden Samen verweht wird. Die Ausstreuung zieht sich bis in den Winterhinein (Wintersteher). Nach Geisenheyner scheint es, als ob die Samen häufig nicht zur Reife gelangen.Auch R. Stern er (The Continental element in the flora of South Sweden, Geografiska Annaler, 1922) stelltein Skandinavien namentlich an windexponierten Orten eine geringe oder auch ganz fehlende Fruchtbarkeit fest.