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Ueber die Heimat dieser wohlbekannten Zierpflanze gehen die Ansichten sehr auseinander. K.Kochund Willkomm nehmen das westliche Mittelmeergebiet (Südspanien, Portugal, Marokko) als die eigentlicheHeimat des Oleanders an und betrachten das Vorkommen in den übrigen Teilen des Mittelmeergebietes alssekundär, während Carl Sprenger eher eine Wanderung aus dem Osten (Peloponnes, Kleinasien) nach demWesten für wahrscheinlich hält. Allerdings war der Oleander Homer anscheinend nicht bekannt. Dagegenist er auf einem kretischen Wandgemälde aus dem
14. Jahrhundert vor Chr. dargestellt. Auch wird erauf den Wandgemälden von Pompeji wiedergegeben.
In Spanien findet er die Bezeichnung „adelfa", welchesWort sich von dem arabischen „difla" herleitet; aufKorsika (St. Florent) heisst er Belladonna, in Griechen»land rhododaphne, in Syrien orodafni. NeriumOleander ist in seiner Heimat an ein mildes Klimaund an feuchte, wenigstens zeitweise wasserführendeOrte gebunden. Am meisten sagt ihm ein fetterAlluvialboden, der auch in heissen Sommern genugFeuchtigkeit bewahrt, zu; andererseits gedeiht erebenso üppig auf Kiesboden und auf reinem Fluss»sande. Aehnlich wie bei uns die Weiden, begleitetNerium Oleander im Mittelmeergebiet in den Tälernund Trockengebieten die Wasserläufe. Stellenweisegeht er auch in die umgebenden Macchien über oderbewohnt wie in Dalmatien den ganz nackten Fels»boden. Fossil ist der Oleander bereits aus demPliozän von Südeuropa nachgewiesen. Wegen seinerprächtigen und lange andauernden Blüten wird derStrauch in Mitteleuropa allgemein, mit einfachen,hell und dunkelroten, weissen und gestreiften, wieauch mit gefüllten Blüten als Kübel» und Topfpflanzegehalten. In Südeuropa befinden sich über 20 Varie»täten in Kultur. Bereits im Jahre 1560 wird er vonConrad G e s n e r aus dem Garten des C. S. Curioin Basel, 1597 unter dem Namen Nerion flore rubroaus dem fürstbischöflichen Garten von Eichstätt(Bayern) erwähnt. Allerdings muss der Strauch imWinter an frostgeschützte Orte gebracht werden. DerOleander ist nicht nur für alle Pflanzenfresser — ganz besonders für Pferd, Esel, Ziege und Schaf, doch auch fürKaninchen, Hasen usw. — ein starkes Gift, sondern auch für den Menschen. Auch wird der Strauch im Südenvon allen Weidetieren geflissentlich gemieden. Diese giftigen Eigenschaften sollen sich sogar dem Fleisch,
^ welches an den aus Oleanderholz geschnittenen
, :l =|=^Ö\ Bratspiessen aufgehängt wird, mitteilen. So
^ ist ^ e ^ annt > dass von französischen Soldaten,^' e 1808 in Spanien ihre Fleischration an einema ' S ® rats P iess verwendeten Oleanderbäumcheng|| jOr^C kochten, 8 starben und 4 schwer erkrankten.
c nno i( Giftpflanze wird der Oleander bereits von
Theophrast auf dem Alexanderzug (334 bis
3 ^fllüOf ) l 1 ^ 323 vor Christus) erwähnt, und zwar machte er
<ObU^~ ö sich besonders bei den Zugtieren, ähnlich wie
Calotropis procera, als gefährlich bemerkbar.Ebenso war die Gift Wirkung Plinius undGalenus bekannt. Tatsächlich sind in denBlättern (Fölia N^rii) und in der Rinde verschiedene Glykoside (Neriin, Oleandrin, Nerianthin, Pseudocurarin,Rosagxnin) mit digitaleinartiger Wirkung festgestellt worden, was wegen der so nahen systematischen Verwandt»Schaft des Oleanders mit Strophanthus nicht allzu sehr überraschen darf. In der Heimat werden Abkochungen oderTinkturen der Blätter als Menstruation beförderndes Mittel, sowie als Abortivum verwendet, ebenso gegen Krätze,Aussatz, Hautausschlag usw. Allerdings treten nach dem Genüsse von derartigen Abkochungen nicht selten
Fig. 3034. Nerium Oleander L., als Kübelpflanze gezogen.Phot. Ing. Walter Hirzel, Winterthur.
Fig. 3035. Nerium Oleander L. a Flächenschnitt durch das Laubblatt.b Querschnitt mit kesselartiger Höhlung.