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5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
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gefüllten Blüten, solche mit silberweissgerandeten oder gelbbunten Laubblätter angetroffen. Solche könnengelegentlich auch verwildern. var. nummulariaefölia F. Fournier (Bull. soc. bot. France 70, 1923).Laubblätter dimorph. Niederliegende Stengel kräftig, vollständig wurzelnd, dem Boden angedrückt, mit breit,eiförmigen, abgerundeten, am Grunde zuweilen fast herzförmigen Laubblättern. Blütenstengel aufrecht, zahl»reicher und kräftiger als beim Typus. Laubblätter wie beim Typus lanzettlich.ellipUsch, stumpf (Frankreich:Laneuvelle im D6p. Haute Marne). Vinca minor gehört zu jenen Arten, deren Ursprünglichkeit sehr oftschwer festzustellen ist. Tatsächlich ist sie denn für eine sehr grosse Zahl von Standorten vor allem inNorddeutschland und in den Alpentälern als gartenflüchtig zu betrachten. Ueberhaupt findet sich diePflanze sehr gern in der Nähe von Ortschaften, alten Gutshöfen, in der Umgebung von Kirchhöfen, Kapellen,alten Burgen, früheren Begräbnishügeln, in Parkanlagen, sodass in vielen Gegenden die Fundorte, welche aufeine nachweisbare Anpflanzung zurückgehen, überwiegen. Sie ist also vielerorts eine Charakterpflanze ver«lassener Wohnstätten. Andrerseits gehört sie stellenweise zu denBuchenbegleitern". Hubert Winklerrechnet sie zu den eigentlichen Begleitpflanzen, die auch im mittleren Russland die Buchengrenze kaum über«schreiten. Vinca minor kommt schon in Polen sehr zerstreut vor und verhält sich ganz ähnlich auch in Italienund Spanien. In Irland und Schottland fehlt sie gleich der Buche. Aus der Eifel bilden sie Koernickeund Roth in einer Waldlichtung zwischen den hohen Horsten von Poa Chaixii und von Aiuga pyramidalisab. In den Südalpen (Tessin) tritt sie häufig im Buschwald auf (auf Gneis) mit Sarothamnus scoparius, HederaHelix, Lathyrus montanus, Galium silvaticum, Pteridium aquilinum usw.

Das Immergrün zählt in unsern Gärten zu den beliebtesten und anspruchslosesten Zierpflanzen, diesich infolge der leichten vegetativen Vermehrung (Teilung von Stöcken oder Stecklinge) zur Bildung dauernderLaubteppiche, dann besonders auf Kirchhöfen zur Einfassung von Gräbern eignet. Die Anzucht aus Samenist nicht zu empfehlen, da die Keimfähigkeit gewöhnlich ziemlich mangelhaft ist. So konnte Kinzel (briefl.) von50 Samen nur 3 zur Keimung bringen. Als Zierpflanze wird Vinca minor aus Schlesien bereits aus der ZeitLudwig XIV. erwähnt; Lobelius, ebenso Thal (1577), führen die Pflanze unter dem Namen Clemätisdaphnoides oder Vinca pervi'nca auf. Die Blüten sind als vollkommen herkogame Blumen mit verborgenemHonig zu bezeichnen. Letzterer wird am Grunde des Fruchtknotens der 11 mm langen Kronröhre von2 gelben Drüsen abgesondert und wird von den im Blüteneingange befindlichen Haaren vor Regen geschützt.Da die eigentliche als Narbe dienende, klebrige, kurzzylindrische, wagrecht stehende Griffelplatte (Fig. 3030 f)von dem 4«teiligen Haarschopf des Griffels zugedeckt wird, der den aus den wenig höher stehenden Antherenausfallenden Pollen aufnimmt, ist eine spontane Selbstbestäubung, die Sprengel seinerzeit annahm, aus»geschlossen. Als Besucher kommen besonders langrüsselige Bienen und Schmetterlinge, hie und da auchDipteren (Bombylius discolor Mik., B. mäior L. usw.) oder Thysanöptera (Thrips) in Betracht. Im wildenZustande werden bei uns nur höchst selten reife Früchte beobachtet. Caspary konnte solche jedoch durchkünstliche Bestäubung erzeugen, Darwin solche auch bei Vinca maior.

Bei dieser Art treten gelegentlich an Stelle der Blattpaare 3.gliederige Wirtel, auch können die beidenSpreiten eines Paares zu einem Doppelblatt verwachsen sein. Doppelblüten (Synanthien), trimere bis heptamereBlüten oder solche mit korollinischem Kelch (hose>in»hose) oder mit kelchartiger, grüner Krone, ferner gefüllteBlüten (die Antheren und besonders die Konnektive sind petaloid ausgebildet, zuweilen deutlich doppel»spreitig, die Kronblattwirtel sind vermehrt oder die Kronblätler gespalten) sind wiederholt beobachtet worden,ebenso eine Umwandlung der Staubblätter in Carpelle. P. Vogler stellte an den Blättern variationsstatistischeUntersuchungen an (Beitrag zur Theorie des Flächenwachstums. Jahrbuch der St. Gallischen naturw. Gesell«schaft, 1907).

Das Kraut schmeckt bitter und herb. Es soll diuretisch und blutreinigend wirken. In der Volks,heilkunde wird es besonders bei chronischen Katarrhen benützt, innerlich früher auch als Haemostaticum beiMetrorrhagie, Hasmoptise und Heemorrhoidalblutungen, ebenso gegen hartnäckigen Fluor albus. Auch solldas Kraut den Rotwein klar machen. Schliesslich wurde es auch als Teesurrogat empfohlen. Die Homöo«pathie bereitet aus der aufblühenden Pflanze eine Essenz. Nach dem Volksglauben sollen in Niedersachsen jungeMädchen, die in der Andreasnacht zwei Blätter vom Immergrün auf das Wasser in einen Eimer legen, sichnoch im gleichen Jahr verheiraten, sofern diese am Morgen aneinander herangeschwommen sind. Sind dieans Fenster geklebten Blatter schwarz, so stirbt das Mädchen noch im gleichen Jahr (nach H. Marzeil). In denAlpen werden geweihte Kränze gegen Blitzgefahr vor den Fenstern aufgehängt. Das im Frauendreissiger oderin der Dreisgenzeit (vom 15. August bis 15. September) gesammelte Kraut soll gegen Hexen wirksam sein.Zu einer anderen Zeit gesammelt, wird das Kraut von den Hexen zu bösem Zauber gegen das Vieh undzur Erweckung von Hass unter Ehegatten missbraucht. Vielerorts wird das Kraut zu Braut, und Totenkränzen(besonders bei Kindern und unverheirateten Personen) verwendet. Im Allgäu und an anderen Orten werdendie aus Immergrün hergestelltenPrangerkranzeln", die von den Ministranten während der Fronleichnams«Prozession auf dem Haupte getragen wurden, kleinen Kindern in die Wiege gelegt.