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Gentiana Amarella ist ein gut umschriebener Formenkreis, der in seiner Gliederung an G. campestriserinnert. Auffällig in der Verbreitung der Art ist das vollkommen versprengte Teilgebiet in den Schweizerisch»Italienischen Alpen im Inn«, Adda= und Etschgebiete, das von Wettstein als durch Vögel bedingt oder alsGlazialrelikt angesprochen wird, während M. Noack (Ueber die seltenen nordischen Pflanzen in den Alpen.Berlin, 1922) eine postglaziale Einwanderung vermutet. Gentiana Amarella tritt sehr gern auf humosen Bödenauf und zwar die l.jährige Sommerform uliginosa auf feuchtem Untergründe, während die Herbstform axillarismehr Trockenheit beansprucht und auf Kalkböden sehr üppig werden kann (= f. pyramidalis). Begleiterauf Torfwiesen sind vielfach Carex»Arten, Alopecurus aequalis, Gladiolus palustris, Selinum carvifolium,Teucrium Scordium, Adiillea Ptarmica usw. Im Norddeutschen Flachland findet sie sich nicht selten auf leichtsandigen Böden (z. B. in Dünentälern) gemeinsam mit G. campestris subsp. Baltica. In Mittelböhmen sind
nach Domin die Ischaemum»Steppen und die Weidenim Spätsommer und am Anfang des Herbstes von denkleinen Blüten förmlich übersät. Die 16 bis 18 mm langenBlüten der subsp. eu«Amarella sind ausgesprocheneHummelblumen. Die Staubbeutel springen bei derBlütenöffnung auf und kehren ihre pollenbedeckte Seitenach oben, so dass ein eindringender Hummelkopfsie berühren muss. Gleichzeitig sind auch bereits diebeiden Narben ausgebreitet, so dass Fremdbestäubungnicht ausgeschlossen ist. Auch spontane Selbstbestäubungdurch Umrollen der Narbenäste ist leicht möglich. Un«gerufene Gäste (Fliegen) werden durch den Fransen»besatz im Kronschlund am Eindringen gehindert. Beitrübem Wetter schliesst sich die Krone. Als Miss»bildungen werden genannt s Vergrünungen, Füllungund Tetra« bezw. Polymerie der Blüten, sowie andereUnregelmässigkeiten im Blütenbau.
Bastarde sind namentlich in der SektionCo elanthe stark vertreten (siehe Ronniger, K. in Ver.handl. der zoolog.«botan. Gesellschaft Wien. Bd. XLIX,1899). Einzelne davon sind fruchtbar und nicht allzu«selten und bilden auffällige „Farbenbastarde". DurchAufspaltung und Rückkreuzung sind eine ganze Anzahlvon Formen bekannt und mit besonderen Namen be.legt worden. Sie stehen bald in der Mitte der beidenEltern, bald dem einen oder anderen Eltern näher.So hat K. Amberg bei G. hybrida auf der Trübseealpob Engelberg eine gleitende Reihe goneokliner Bastardebeobachtet, neben den reinen Eltern, neben einer weissenund einer gelben G. purpurea.
G. lutea L. X G. purpurea L. mit freien(= G. hybrida Schleich, nec. Vill., = G. ThomäsiiHall, f., = G. rtibra Clairville, = G. purpuräscensGrisebach) oder mit verwachsenen Antheren (= G. pseüdo-symphyändra Ronniger, = G. HegetschweileriRonniger). Kronzipfel im unteren Teil deutlich verwachsen. In der Schweiz an verschiedenen Stellen: inden Alpen der Westschweiz, Berner Oberland (Gsteig bei Saanen), Rigi»Scheidegg, Trübseealp ob Engelberg,Melchsee, Frohnalpstock, Kt. Glarus (Krauchtal). — G. lutea L. X G. punctata L. (= G. Doerfl6riRonn., = G. hybrida Vill. nec Scheich., = G. Charpentteri Thomas, = G. Thomäsii Gillaboz nec Hall. f.).Fig. 3024. Aus der Schweiz bekannt aus dem Kanton Graubünden (Beverser» und Rosegtal, Forno, Alp Tiänetschob Hinterrhein), aus dem Westen (Taney, Chaum^ny, Dent de Mordes). In Tirol im Nonsberg am MonteRoen (hier durch Wurzelgräberei sehr selten geworden). — G. lutea L. X G. Pannonica Scop. (= G.Laengstii Hausmann, = G. intermedia Harz, = G. möntis Benedicts Harz, = G. Kummeriana Sendtner).Fig. 3025. In den Bayerischen Alpen am Kramer und auf der Hochalpe bei Garmisch, bei Hohenschwangauund an der Benediktenwand (vgl. Kurt Harz und K. Ronniger in Mitteil, der Bayer. Botan. Gesellsch.Bd. III (1921] nr. 30 und Bd. IV [1921] nr. 1). In Tirol an mehreren Stellen am Sonnwendjoch. — G. pur«purea L. xG. punctdta L. (= G. spüria Lebert, = G. Gaudiniäna Thomas, = G. Jaccärdii Wilczek). Inder Schweiz mehrfach in den Westalpen (bis zur Furka), bei Engelberg, in Graubünden (Avers, Splügen, Zerveila),
Fig. 3024. Gentiana lutea L. X G. punctata L. (= G.Doerfleri Ronn.), aus dem Beversertal (Graubünden). Nacheinem Aquarell von Therese Weber, München.