2037
Blüten 4=zählig. Kelchzipfel nicht oder nur wenig ungleich ausgebildet, am Rande von sehrfeinen und kurzen, spitzen Papillen etwas rauh und dort bisweilen ± umgerollt; Buchtenzwischen den Kelch zahnen spitz (Fig. 3012f). Krone triditerförmig=röhrig, ziemlich gross, dieder bestentwickelten Blüten 2 bis 3,5 cm lang, so lang oder länger als der Kelch, im Schlündebärtig, violett, seltener weiss. Fruchtknoten und Frucht über dem Kelche in der Regel deutlichgestielt. — V bis X.
Truppweise und meist gesellig auf vielfach feuchten, sonnigen Matten, Rainen, unge=düngten Wiesen, Weiden, Flachmooren. Von derEbene bis in die alpine Stufe: in die Bayerischen v/ "Tjr*
Alpen bis 1550 m, in Tirol bis 2400 m, im Jjjlj fjjf/j' '
Grimselgebiet bis 2700 m (Ewigschneehorn).
Die ausserordentlich vielgestaltige und in dengeographischen Grenzgebieten auch gegen die sie ablösen,den Arten abweichende Art umfasst nach der neuestenDarstellung von Schinz, Keller und Thellung (1923)folgende 4 Unterarten:
A. Sommerblütige Pflanzen mit wenigen (meist3 bis 5) verlängerten Stengelgliedern und mit stumpfenStengelblättern:
1. subsp. solstitiälis (Wettst.) Vollmann (= G.chlorifölia Nees, = G. obtusifölia Koch p. p., = auct. helv.et austr. p. p., = G. Germanica strictior Vocke, = G. sol»stitialis Wettst., = G. Rakica subsp. solstitiälis Wettst.).
Fig. 3012 d und e. Pflanze 5 bis 30 cm hoch. Stengeleinfach oder mit wenigen, ungefähr gleich langen Seiten»ästen; das 2. und 3. Stengelglied meist länger als die übrigen.
Fruchtknoten und Frucht bisweilen sitzend. — V bis VII, insehr hohen Lagen auch später.
In Deutschland sehr zerstreut in den Alpen,ferner auf der Bayerischen Hochebene am Blomberg beiTölz und bei Kaufbeuren, im Fränkischen Jura bei Betzen»stein und zwischen Pommeisbrunn und Hartmannshof, ziem,lieh verbreitet in der Rhön, in Coburg zwischen Rentwernts.hausen und Berkach, in Baden im Wollmatingerried beiKonstanz, in Thüringen bei Suhl, Frankenhausen, Neu.
Stadt, Bleicherode, Winterstein bei Gotha, in der Woll»mise bei Jena usw., vielleicht auch in Westfalen, hingegenfür Ostpreussen (Kummerau bei Königsberg) höchstwahr-scheinlich zu Unrecht angegeben. — In Oesterreich inVorarlberg (zerstreut), Tirol (häufig, aber in den Kalkalpennur auf Alluvialböden mit reichlicher Silikatbeschotterung),
Kärnten (Pasterze, Heiligenblut, Karawanken, Bodental,
Saualpe, Speikkogel, Turracher Höhe), Salzburg (nament.lieh in den Radstätter Tauern und im Lungau), Steiermark (Lugauer, Gesäuse, Prebichl, St. Johann am Tauern,Roltenmanner Tauern, Trieben, Judenburg, Stubalpe, Graz, Bachergebirge) und Krain (Ratschach). — In derSchweiz in den Kantonen Waadt (Bex, Ollon), Wallis (im Val d'lllez; alle anderen Angaben beziehen sichauf G. ramosa), Tessin (im westlichen Teile), im Berner Oberland (Gasterental, Grimsel), Uri (Maderanertal),Glarus (Linthal), St. Gallen und Graubünden (verbreitet), wahrscheinlich auch im Thurgau.
Allgemeine Verbreitung: Mitteleuropa, vorzugsweise im Verbreitungsgebiet dersubsp. Raetica und eu = Germanica, aber in Einzelheiten nur ungenau bekannt. Ausser inMitteleuropa noch in Schweden.
Als Farbabweichungen wurden beschrieben: f. albiflöraBornm. Blüten weiss. — f. („Mutation") bico lorRonn. Jeder Kronzipfel der Länge nach zur Hälfte dunkelviolett, zur Hälfte gelblich weiss. Von B o r n m ü 1 le r in grosserMenge und nur von vereinzelten weissblütigen Exemplaren begleitet in der Rosengartengruppe angetroffen.
Fig. 3012. Gen t iana Germanica Willd. «bis cHabitus dersubsp. Raetica (Kerner) Br.-Bl., d und e Habitus der subsp.solstitiälis (Wettst.) Vollmann. / Aufgeschnittener Kelchder subsp. Raetica (Kerner) Br.-Bl.