1983
in einen meist 2»spaltigen Zahn endigenden Falten. Griffel deutlich; Narbe verbreitert, gefranst, einen kreis»förmigen Trichter bildend (Fig. 2989e). Kapsel sitzend oder kurz gestielt. Samen länglich, meist ungeflügelt;Samenhaut netzartig oder gerunzelt. In den Hochgebirgen von Europa, Asien und in der arktisdien Zone vonEuropa und Nordamerika. Hierher die beiden einjährigen G. utriculosa und G. nivalis, ferner die mehr,jährigen G. verna, G. Tergestina, G. brachyphylla, G. Favrati, G. pumila, G. Terglouensis, G. Bavaricaund G. Rostani.
Untergattung Gentianglla Kusnezow. Kelchblätter im unteren Teile dachig aufeinanderliegend und mit.einander verwachsen, ohne innere Haut; Kelchröhre nie einseitig geschlitzt. Kronblätter im unteren feile miteinanderzu einer kleinen Röhre verwachsen, zwischen den Zipfeln ohne Falten, aber oft mit Schlundfransen oder Nektarien(Fig. 2935 a, b, d). Staubbeutel stetsuntereinander verbunden. Honig,absonderung durch die Krone(nicht durch den Fruchtknoten).
Sektion ComästomaWettstein. Pflanzen l.jährig.
Blüten meist lang gestielt. Kelch4. bis 5=teilig, mit sehr kurzerRöhre. Krone trichter« oderglockenförmig, 4. bis 5»lappig, imSchlünde mit Fransen (diese je.doch nicht von Leitbündeln durch-zogen [vgl. Fig. 2955 a, b], sindalso Trichome). Wenige Arten inder Arktis, in den Alpen und inden Gebirgen von Zentralasien.
Hierher: G. tenella und G. nana.
Sektion Crossop6»t alum Froelich. Krone trichter»oder präsentiertellerförmig, ohneSchlundfransen, aber Kronzipfelam Rande meist gefranst odergekerbt. Griffel fehlend odervorhanden. Narbe kreisförmig.
Kapsel sitzend oder gestielt. Inder arktischen und temperierten Zone, sowie in den Hochgebirgen der nördlichen Erdhälfte. Hierher einzigG. ciliata.
Sektion Endotricha Froelich (Amar6lla Grisebach). Pflanzen 2= oder l.jährig (hapaxanth). Kronepräsentiertellerförmig, im Schlünde (bezw. an der Innenseite des Grundes der Kronzipfel) mit Fransen(letztere von Leitbündeln durchzogen, also Emergenzen), ± rotviolett (seltener auch weiss). Staubbeutel beweglich.Griffel fehlend; Narbenlappen länglich, ganzrandig. Samen ungeflügelt. In der arktischen und temperiertenZone, sowie in den Hochgebirgen der nördlichen Hemisphäre, wenige Arten auch in Südamerika. Hierzu:G. campestris, G. anisodonta, G. Engadinensis, G. pilosa, G. aspera, G. Germanica, G. ramosa, G. Austriaca,G. praecox und G. Amarella. Viele dieser Arten zeichnen sich durch einen i ausgeprägten „Saison»di m o rphi sm us" aus, der sich nach R. v. W e 11 s t e i n (Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus derSection Endotricha Froel. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang, 1896; ders., Die Arten der GattungGentiana aus der Sektion Endotricha Froel. in Oesterreichische Botanische Zeitschrift. Bd. 41/42, 1891/92) unterdem Einfluss der regelmässigen Wiesenmahd (Heuernte) herausgebildet haben soll. An Stelle des in der Zoologieanderweitig vergebenen Ausdruckes Saisondimorphismus hat Behrendsen „Saison-Diphylismus" vorgeschlagen.Die eine Form, die Sommer, oder Aestivalform, blüht vom Mai bis Juli, hat gestreckte und meist wenige( j bis 6) Stengelglieder, die länger als die stumpfen Laubblätter sind, und verzweigt sich erst im obereni eile. Die zweite I orm, die Herbst» oder Autumnalform, blüht dagegen vom August bis zum Oktober,hat viele (bis 15), jedoch kürzere Stengelglieder und spitze Laubblätter und erscheint überhaupt in ihrer ganzenTracht gedrungener. In den Alpen, in denen der Wiesenschnitt nicht überall durchgeführt wird, findet sicheine nicht differenzierte (monomorphe) Form vor, welche in ihren Merkmalen die Mitte zwischen der Sommer«und der Herbstform hält. Spezifisch alpine Arten höherer Lagen, wie z. ß. G. ramosa, haben es überhauptnicht zur Ausbildung von saisondimorphen Formen gebracht. Kurz bemerkt sei noch, dass die Endotricheneinen sehr schwierigen und z. T. noch näheren Untersuchungen dringend bedürftigen Formenkreis darstellen
Fig. 2958. Mutmassliche Entwicklung des Urtypus G. campestris seit der Tertiärzeit.