1966
den. In einzelnen Jahren tritt das Pflänzchen massenhaft, in anderen sehr spärlich auf oder bleibt vollständigaus. Wie Wahlenbergia hederacea (vgl. Bd. VI, pag. 389), Hypericum helodes, Scirpus multicaulis, Pxlulariaglobulifera usw. gehört die Art zum atlantisch .mediterranen Element, das in Deutschland vor allem im Nord,westen vertreten ist. Ihre Ostgrenze verläuft in Deutsdiland von Mecklenburg (Schwaan) über Neustadt—Putlitz—Grabow—Seehausen—Salzwedel—Klötze bis Braunschweig; ausserdem findet sie sich vereinzelt auchin der Lausitz bei Rietschen (ehemals auch bei Brandenburg a. H.). Im westlichen Deutschland ist die Art imRheingebiet und dessen Nebenflüssen, aufwärts bis zum Main ziemlich verbreitet. — Von den in der Trachtähnlichen Alsineen (Sagina und Moenchia) unterscheidet sich Microcala leicht durch die verwachsenblätterige,gelbe Krone und durch den 4.zähnigen, nicht bis zum Grunde geteilten Kelch. Die Blüten öffnen sich nurselten vollständig und nur morgens bei Sonnenschein. Lieber die Bestäubung ist nichts näheres bekannt.Die kugeligen, 20 bis 22 fi messenden Pollenkörner zeigen nach Koehler die gleiche Beschaffenheit wiediejenigen der Gattung Centaurium. Zur Keimung der Samen ist, wie Kinzel nachwies, neben Licht Frost»einwirkung Vorbedingung. Glück beschreibt eine Seichtwasserform, deren untere Partie dem Leben imWasser angepasst ist. Die grundständigen, dekussierten Laubblätter nehmen, wenn sie von einer 2 bis3 cm tiefen Wasserschicht überflutet werden, etwa die 2= bis 3»fache Länge der entsprechenden Laubblätterder Landpflanze an. Das Pflänzchen erreicht dann eine Länge von 11,5 bis 16 cm und erzeugt an den Aesten1 bis 3 Blüten (bei der Landform meist nur 1 oder sehr selten 2 Blüten).
DXCV. Blackstönia 1 ) Hudson (= Chlöra 2 ) L., = Seguiera Manetti).
Bitterling.
Die Gattung, die verwandtschaftlich der Gattung Centaurium sehr nahe steht, umfasst nur wenige(4 bis 5) und zwar ziemlich veränderliche Arten, die fast ganz auf das Mittelmeergebiet beschränkt sind.Ausser Nr. 2230 mit ihrer Unterart serotina kommen noch Blackstönia (Chlora) imperfoliäta (L.) undB. grandiflöra (Viv.) im westlichen Mittelmeergebiet in Betracht.
2230. Blackstönia perfoliäta (L.) Hudson (= Chlöra perfoliata L., = Gentidna perfoliätaL., — Seguiera perfoliata O. Kuntze). Durch wachs = Bitterling. Franz.: Chlorette, chlore;
engl.: Yellow=wort, yellowcentaury. Taf. 214, Fig. 3; Fig. 2945 und 2946.
Im Zürcher Oberland, wo die Pflanze als Tee — dieser soll auf das Wasser lösend wirken — ver.wendet wird, führt sie die Bezeichnung .Durchwachs".
Pflanze 1'jährig, 10 bis 40 cm aufrecht, einfach oder im Blütenstand ästig, kahl,bläulich bereift. Wurzel dünn, spindelförmig, ästig. Stengel stielrund, mit langen Internodien.Laubblätter 3 = eckig = eiförmig bis eilanzettlich; Stengelblätter spitz, miteinander ± ver=wachsen, die grundständigen eirund, abgerundet, stumpf, nach dem Grunde verschmälert,zuweilen eine Rosette bildend. Blütenstand fast doldentraubig. Blüten 6= bis 8=zählig. Kelchtief 5= bis S=teilig; Kelchzipfel fast lineal, schwach 1= bis 3=nervig, kürzer (oder so lang) alsdie Krone. Letztere goldgelb, mit kurzer, glockenförmiger Röhre und 6= bis 8=zipfeligem,stumpfem bis spitzem Saum. Staubblätter 6 bis 8, der Kronröhre eingefügt; Antheren nachdem Verstäuben nicht korkzieherartig gedreht. Fruchtknoten 1'fächerig, mit wenig einspringen'den Rändern der Fruchtblätter; Griffel 1, an der Spitze geteilt (Taf. 214, Fig. 3b). Narberot, tief 2=lappig, hufeisenförmig, papillös. Kapsel ellipsoidisch, bis 10 mm lang, 2=klappigaufspringend, zahlreiche, bienenwabenartige Samen enthaltend. — VI bis IX.
Zerstreut und selten auf moorigen, lehmigen oder kalkreichen, etwas feuchten, schwachbewachsenen Stellen, auf überschwemmten Wiesen, an quelligen Orten, in Kiesgruben; oftunbeständig. Nur in der Ebene und in der montanen Stufe, bis gegen 1300 m aufsteigend.
') Benannt nach dem Engländer J. Blackstone, der 1737 über englische Pflanzen schrieb. Daseinerzeit übersehen wurde, den Namen Chlora in die Liste der ,,Nomina conservanda" aufzunehmen, mussdie Bezeichnung Blackstönia, die ein Jahr früher publiziert wurde, den Vorzug erhalten. Hudson hat zwarselbst in der 2. Auflage (1778) seiner Flora Anglica wieder Chlora geschrieben.
') Vom griech. -/Xmoos [chlorös] = gelbgrün, blassgrün; nach der gelben Blütenfarbe.