1964
Die Pollenkörner sind ausgesprochen 3-eckig; die Exine (z. T. audi die Intine) ist mit vielen kleinen, nach allenRichtungen verlaufenden Riefen besetzt (Fig. 2935 e, g). Die Körner der langgriffeligen Form sind ungefähr24 bis 37 u, die der kurzgriffeligen 43 bis 46 ,u gross. Die Blütenknospen entwickeln sich unter Wasser, umsich zurzeit der Anthese zu erheben und auf der Wasseroberfläche zu schwimmen. Als Bestäuber kommendie Honigbiene, ferner nach Heinsius Platycheirus peltätus, Helöphilus lunulätus, Anthomyia pratensis,sowie auch Hummeln in Betracht.
Die zugespitzt.eiförmige, grüne, beerenartige, von den Kelchzipfeln eingeschlossene Frucht reift unterder Wasseroberfläche aus. Sie löst sich bei der Reife durch Verschleimen des Grundes von ihrem Stiele losund treibt kurze Zeit auf dem Wasser umher. Die zahlreich gebildeten Samen werden durch unregelmässiges,an der Stielgegend beginnendes Aufreissen der Fruchtwand oder aber durch Fäulnis oder durch Schnecken»frass frei und schwimmen eine Zeit lang auf dem Wasser, um sich dann auf den Boden zu setzen, nachdem
sich die lufthaltigen Zellender Testa mit Wasser voll,gesogen haben. Die Samensind ausgesprochene Licht-keim er und können eine langeTrockenzeit (nach Guppyüber 30 Monate) aushalten,ohne die Keimfähigkeit zuverlieren. Nach W. Kinzelwaren im Dunkeln gehalteneSamen noch nach 4 Jahren„kerngesund" und keimfähig.Im Frühjahr keimen dieSamen nach einer Ruhezeitvon mehreren Monaten undzwar sowohl unter Wasserals auch auf dem Lande. DieSamen sind stark abgeplattet«scheibenförmig, breit.ellip.tisch, am Funikularende etwaszugespitzt (Fig. 2940 d), am
anderen mehr abgerundet und am Rande mit einem Kranz von strahlig-abstehenden, hohlen, luftführenden Fort-sätzen ausgerüstet; die letzteren sind auf der Oberfläche mit warzenförmigen Verdickungen versehen (Fig. 29411). DieZellen der Samentesta sind als plasmaleere Luftkammern ausgebildet und greifen wellig ineinander über (Fig. 2941 m).Ausserdem sind sie stark kutinisiert, wodurch die Samen schwer benetzbar werden und so lange auf der Wasser-fläche zu schwimmen vermögen. Die Schwimmfähigkeit wird zudem durch das zwischen Epidermis undNährgewebe gelegene, kleinzellige und dünnwandige Gewebe erhöht (Ausführliches hierüber bei Adolf Fauth,Botan. Zentralblatt. Bd. XIV). Durch diese verschiedenen Einrichtungen ist es den Samen möglich, längere Zeit aufder Wasseroberfläche schwimmend zuzubringen (hydrochore Verbreitung), anderseits sich an dem Gefieder vonWasservögeln festzuhalten (epizoische Verbreitung). Dadurch lässt sich auch das Vorkommen von vielen zerstreutenStandorten erklären. Die Wimpern können ausserdem zum Befestigen der Samen im Schlamme dienlich sein.
Nach Preuss sollen in Westpreussen (Frische Nehrung) Kühe für die Pflanze — vom Volke„Plemper" geheissen — eine besondere Vorliebe zeigen. In Niederschlesien ist die Art im Kreis Sprottau(in der Sprotte und kleinen Sprotte) neuerdings gesetzlich geschützt worden.
DXCIV. Micröcala 1 ) Link und Hoffmannsegg (= Cicendia 2 ) Adans., = Franque-vi'llea Salisb., = lschäleon Ehrh.). Zindelkraut.
Zu dieser Gattung wird ausser nr. 2229 einzig noch die in Kalifornien und im südlichen Südamerika(Chile, Montevideo) vorkommende M. quandranguläris Griseb. gerechnet, die, wie auch Gilg bemerkt,generisch wohl besser von der Gattung abgetrennt wird.
') Nach Wittstein von gr. uixoo? [mikrösj = klein und xaUa [kah'a] = Wohnung; die Blüten sindnur 4.gliederig und die Kapsel ist nur 1.fächerig.
2 ) In den Synonymen des Dioskurides (Mat. med. III, 3) heisst es, dass die von den Römern alsgentiana bezeichnete Pflanze von den Thuskern kikenda genannt werde. Dieser Name scheint von Adansonwillkürlich auf die Genlianaceengattung Cicendia übertragen worden zu sein.
Fig. 2942. Nymphoides peltata (Gmel.) Otto Kuntze, im Grunewald bei Berlin.Phot. Kurt Hueck, Berlin.