1963
ins Binnenland durch rüdestauendes Wasser. Im Oberlauf und im Einzugsgebiet der grösseren Flüsse fehlt sie, so fastganz auf der Bayerischen Hochebene, gänzlich in Thüringen, Sachsen, Württemberg, ebenso im ganzen Alpengebiet.
Der morphologische Aufbau der Pflanze ist ziemlich kompliziert; er wurde zuerst von J. Ch. Döllin seiner Flora von Baden (Bd. II, 1859), später von Rudolf Wagner in der Botanischen Zeitung 1895 und vonH.Glück (1924) ausführlich dargestellt. Darnach setzt sich die vegetative Region (Rhizom) aus Langtrieben,die 16,5 bis 122 cm Länge erreichen, und aus Kurztrieben von 1,8 bis 21,3 cm Länge zusammen. Die ersterenbestehen aus je 1 bis 12 langen und dünnen Internodien, die 8,5 bis 22,3 (selten bis 47,5 cm) lang und (2) 3bis 7 mm dick werden. Die Langtriebe werden meistens während des Sommers, also unter dem Einflüssereichlicher Wärmezufuhr gebildet, die Kurztriebe vorzugsweise im Herbst, unter dem Einfluss der fallenden Tem«peratur. Die Adventivwurzeln entstehen seitlich oder auf der Unterseite (nur ausnahmsweise bei Kurztriebenauch auf der Oberseite) des Rhizoms. Die Keimpflanze wächst im ersten Jahre in Form eines primären Kurz«triebes, dessen Achse im zweiten Jahre nach Erzeugung einiger Langtriebinternodien mit einer in eine Terminal,blüte endigende Infloreszenz abschliesst. Die Langtriebe, deren Internodien bis fusslang werden können, ent.wickeln in ihren Blattachseln im Frühjahr und Sommer gleichfalls Langtriebe vom gleichen Bau, gegen denHerbst zu dagegen Kurztriebe. Im ersten Jahre werden an der Keimlingsachse nicht mehr als 10 bis 12 Laub»blätter angelegt, die spiralig angeordnet sind und mit spiraliger Basis ineinander stecken. In den Achseln derBlätter entwickeln sich dann Sprosse, die in Abhängigkeit von den klimatischen Verhältnissen wiederum inLang» oder Kurztriebe (letztere zur Ueberwinterung) gegliedert sind. Beide beginnen mit einem adossiertenVorblatt und führen zuweilen zur Sympodienbildung. Die terminalen, Langtriebe abschliessenden Blütenständehaben cymösen Charakter; es sind Pleiochasien mit akropetal geminderten Auszweigungen. Die Pflanze erzeugtuntergetauchte Wasserblätter und Schwimmblätter. Die ersteren stellen nach Glück keineswegs Primärblätter,sondern rückgebildete Folgeblätter dar; sie haben eine Länge von 15 bis 42 cm und bestehen aus einemlangen Stiel und aus einer kleinen, dreieckigen bis rundlichen Spreite. Diese zurückgebildeten Blätter treten auchim Spätherbst wiederum auf. Die zuerst (Ende April bis Mitte Mai) erscheinenden Schwimmblätter zeigen eineverhältnismässig kleine Blattfläche (Fig. 2941 g), die auf der Oberseite an den Buchten meist schwärzliche, keilförmigebis radiäre Flecken (Fig.2941h) aufweist. Die definitiven Schwimmblätter sind bedeutend grösser, ganzrandig odernur wenig gekerbt, auf der Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite zuweilen rötlich, violett und dicht, mit kleinenPünktchen (Hydropoten) bedeckt (Fig. 2940 a). Diese letzteren treten nach Franz Mayr (Hydropoten an Wasser,und Sumpfpflanzen, Dresden 1914) auch am Rhizom, Blattstiel, an der Blattscheide, ja sogar an den untergetauchtenKelchblättern auf. Diese Hydropoten („Wassertrinker") sind befähigt, Wasser und darin gelöste Stoffe aufzunehmenund ins Innere der Pflanze eintreten zu lassen. Sie stellen Gruppen von Epidermiszellen dar, die ein wenigüber die Epidermisfläche vorgewölbt sind (Fig. 2941 k). E. Perrot bezeichnet sie in seiner Abhandlung überdie Anatomie der Menyanthaceen (Bull. Soc. bot. France, 1897 Bd. II und in Ann. Soc. natur. 8 S6rie Bd. VII,1898) als „plages tanniferes", d. h. als flache, gerbstoffhaltige Vertiefungen. Die Hydropotenzellen sind nachjeder Richtung etwas verdickt und tragen an der Innenfläche sehr häufig rundliche, knotige Verdickungen; auchsind sie mit einer Imprägnierungssubstanz versehen, die den Zellen schon am frischen Blatte eine bräunlich,grüne Färbung verleiht. Die Kutikula ist chemisch vollständig verändert und geht bei älteren Hydropotenin den mittleren, vorgewölbten Teilen häufig gänzlich zugrunde. Nach W. Riede trägt die Unterseite desSchwimmblattes keine Spaltöffnungen, also ein bemerkenswertes Verhältnis zwischen Hydropoten und Spalt.Öffnungen. Glück macht neuerdings auf die von ihm und anderen an verschiedenen Stellen im Freien(z.B. in ausgetrockneten Teichen), ebenso durch Kultur erzeugte Landform (f. terrestris) aufmerksam. DieLaubblätter stehen bei dieser Form entweder isoliert an den Stengelknoten oder aber viel häufiger büschelweise(Fig. 2941 f) zu 3 bis 8 beisammen (zufolge Bildung von Kurztrieben), so dass Blattrosetten entstehen, die durchlängere Rhizomglieder (d. h. durch einen auf ein einziges Internodium rückgebildeten Langtrieb) miteinanderverkettet bleiben. Die Laubblätter sind durchschnittlich um die Hälfte oder ein Drittel kleiner als bei dertypischen Wasserpflanze und zeigen auf beiden Seiten Spaltöffnungen und Hydropoten. Die Landform bleibtin den meisten Fällen unfruchtbar. Werden gleichwohl Blüten ausgebildet, so beschränkt sich der Blütenstandauf einen einzigen „Blütenquirl", bestehend aus 2 bis 4 Blüten.
Die sehr zarten, hinfälligen, goldgelben, sternförmig ausgebreiteten Blüten sind wie bei Menyanthesheterostyl, zeigen aber keine thermo. oder seismonastische Bewegung. Nach Kuhn ist die Narbe der kurz,griffeligen Form wesentlich kleiner als die der langgriffeligen. Der Honig wird am Grunde des Fruchtknotensvon 5 mit den Staubblättern abwechselnden Drüsen abgesondert (Fig. 2941 c). Am Uebergange der Kronröhrein die Zipfel befindet sich ein Kranz von 5 schräg nach aufwärts gerichteten, bis an den Fruchtknoten reichendengefransten Schüppchen. Das einzelne Schüppchen ist von innen zwischen 2 Staubfäden (Fig. 2941 d) der Kroneangewachsen und schmiegt sich dem Ovarium so dicht an, dass nur 5 enge Zugänge zwischen den Schüppchendem Insektenrüssel den Zugang zum Honig gestatten. Diese Schüppchen haben also die ihnen bei Swertiazukommende Aufgabe der Nektarausscheidung aufgegeben und nur die Aufgabe des Nektarschutzes beibehalten.
Hegi, Flora. V, 3. 327