1960
der Verlandungsbestände (vgl. Bd. I, Fig. 112 und Fig. 2938) und des Schwingrasens. Die bis 2 m langen, fingerdicken,verflochtenen Rhizome wirken verlandend. Andrerseits kann die Pflanze in Seen, Teichen, Torfstichen bis inbedeutende Tiefe vordringen. So konnte sie U1 brich im Grossen Plagesee zusammen mit Nymphaea albanodi bei einer Wassertiefe von 1,75 bis 2 m, an einer Stelle sogar bei einer solchen von 4,35 m feststellen.Wie Phragmites besitzt auch der Bitterklee eine sehr weitgehende Anpassungsfähigkeit und Zähigkeit, so dasser bis in das letzte Verlandungsstadium (Molinietum) vordringen kann. Darauf ist auch die grosse zirkum»
polare Verbreitung zurück,zuführen. Nicht selten be.gegnet man ihm auch inGräben, in denen sich rot»braunes Eisenoxyd abge«setzt hat. — Dielinsenförmi«gen, derbschaligen Samensind eines der häufigstenFossilien vom Präglazialbis ins Neolithikum. DurchTrockenlegen der Mooreoder durch Ablenkung derGewässer kann die Pflanzezum Schwinden gebrachtwerden, wie dies z. B. zu»folge der MainkorrektionbeiWürzburg geschehen ist.
Die Blätter vonMenyanthes sind als FöliaTrifölii fibrini (Pharm.Germ, und Austr.) oder als
Fig. 2939. Menyanthes trifoliata L., blühend, in der Verlandungszone mit Carex sp. und Equi- Fölia Menyänthidissetum limosum. Phot. Bernhard Othmer, München. / p , , ,, ,
(.Pharm. Helv.) offizinell.
Zu diesem Zwecke werden
sie während der Blütezeit im Mai und Juni von wildwachsenden Pflanzen gesammelt und getrocknet. Infolge
des in vielen Gegenden massenhaften und in reinen Beständen Auftretens der Art können die Blätter mit der
Sense oder Sichel geschnitten werden. Die Droge enthält wie viele Enziangewächse das bittere Glykosid
Menyanthin von der Formel C6«H4c028 (daneben ist vielleicht noch ein zweites
Glykosid, das Meliatin [C15H22O9] anwesend), ferner Invertin, Emulsin, Saccharose,
fettes Oel, Palmitin», Ameisen», Essig« und Buttersäureester des Cerylalkohols , \\
und eines Phytosterin, sowie einen rotgelben Farbstoff (wahrscheinlich Carotin). V■' *, \ /
Die Asche ist reich an Jod. Bitterkleeextrakt (Exträctum Trifölii fibrini)
ist braun, im Wasser fast klar löslich und besteht aus 1 Teil grob gepulverter
Blätter, 8 Teilen Wasser und 1 Teil Weingeist. Die Droge findet als Digestivum
(verdauungsbefördernd), Stomachicum (Appetit anregend), Amarum, Antipyreticum
(zur Herabsetzung von Fieber), als Volksmittel (auch zu Frühlingskuren), bei
Magenleiden, Brust» und Lungenkrankheiten, Wassersucht, Leberleiden, Skorbut,
sowie bei Hautkrankheiten, Anwendung. Die Ruthenen benutzten die Pflanze zum
Vertreiben von Eingeweidewürmern. Versuche mit der aus den Herbstblattern ^JL i \\
bereiteten Tinktur führten nach Hugo Schulz zum Auftreten von unangenehmen |
Kopfschmerzen und Neuralgien, die sich besonders in der Gegend des Quintus»
astes bemerkbar machten. Im nordwestlichen Russland soll das Rhizom ge=
leßentlich als Notspeise gegessen werden. In Skandinavien wurde der Bitter»
„ , , , ^ , rig. 2940. Nymphoides pet-
klee dem Bier zur Geschmacksverbesserung zugesetzt. Die Blätter geben mit tata (Gmel.) O.Kuntz. a Stück
Wismut gekocht eine schöne gelbe Farbe; ebenso werden sie gelegentlich der Blattunterseite mit Hydro-
als Hopfensurrogat benützt. Ehedem dienten sie auch als Teesurrogat. schnitt Ireh^Fmchtkn^ten"
Den Griechen und Römern scheint diese mehr nordische Art als Heilpflanze d Samen.
nicht bekannt gewesen zu sein. Auch von Fuchs und Bock wird sie
noch nicht genannt, dagegen von Valerius Cordus, Thal, Tab er n a e m o n t an us u. a. als Trifoliumpalustre, lotus palustris, limonium, menyanthes palustre usw. Die Pflanze eignet sich gut für Teichanlagenin Gärten.