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kann (die mittlere letale Dosis ist 0,1). Brechnuss kommt als Extractum und Tinctura Strychni, sowie alsStrydininum nitricum (C21H22O2N8) HNOä zur Verwendung. Nach dem Deutschen Arzneibudi (6. Aufl. 1927)müssen die Samen mindestens einen Gehalt von 2,5 °/o Alkaloiden, berechnet auf Strychnin und Brucin, auf«weisen. In der Veterinärmedizin wird die Droge ausser gegen Lähmungen auch gegen chronischen Magen, undDarmkatarrh, Anämie, Rachitis, als Antidot bei narkotischen'Vergiftungen, gegen Tuberkulose usw. benützt.Allgemein bekannt ist die Verwendung der Brechnüsse (Strychninweizen) zur Vergiftung von Mäusen, Ratten,Krähen, Sperlingen usw. Uebrigens scheinen einzelne Tiere dem Strychnin gegenüber wenig empfindlich zusein. So ertragen Katzen ziemlich viel davon; Schnecken werden damit überhaupt nicht vergiftet. Der Nashorn«vogel frisst Strychnossamen. Auch das Holz des Baumes, sowie die Rinde, die ehedem als falsche Angosturarindein den Handel kam, enthalten diese giftigen Alkaloide. Aehnliche Wirkungen wie die Brechnüsse haben dieIgnatiusbohnen (S6men Ignätii 1 ), Fäba St. Ignatii, Faba febrifügae), die von einem mit hakenförmigen Rankenkletternden Strauche (Strychnos Ignätii Berg, = Ignätia amära L.) der Philippinen stammen. Die 2 bis3 cm langen und 2 cm breiten braunen, matten, sehr unregelmässig gestalteten, ,
ovalen oder abgerundet«eckigen, stumpfkantigen, sehr harten Samen (Fig. 2931 k)sind bis zu 40 in der grossen (bis 13 cm breiten), goldgelben Beerenfruchtvorhanden. Sie enthalten gleichfalls Strychnin und Brucin und werden, wennauch seltener, gegen Wechselfieber, Epilepsie, als Tonicum usw. verwendet.
Wahrscheinlich wird die Droge von mehreren Arten (ausser von Str. Ignatiiauch von St. m u 11 i f 1 ö r a Benth. und vielleicht von St. 1 a n ä t a Hill.) gewonnen.
Eine ganze Anzahl von Arten liefern den Eingebornen äusserst giftige Pfeilgifte,so in Hinterindien und im Malayischen Archipel Str. Tieut6 Leschen. („Upas«
Strauch"), Str. lanceoläris Miq., Str. W alli chi an a Benth., Str. Gaul«theriän a Pierre, im Kongostaat Str. Kipäpa Gilg, im Gebiete des Amazonen«
Stromes und des Orinoko Str. Castelneei Weddel, Str. CrevauxiänaBaill., Str. toxffera Schomb., Str. cögens Benth., Str. SchombürgkiiKlotzsch, Str. Gubleri Planch. usw., alles kletternde Lianen, aus deren Rindendie Indianer Curare herstellen. Die früheste Kunde von Curare gelangteum die Mitte des 16. Jahrhunderts durch Spanier nach Europa. Im Handelwerden Tubo« (oder Para.), Calebassen« und Topf.Curare unterschieden, welcheSorten sich auch chemisch verschieden verhalten. Strychnin und Brucin sindin keiner Sorte nachgewiesen worden; überhaupt fehlen diese beiden Alkaloideden Südamerikanischen Strychnos»Arten. Dafür sind verschiedene Curine undCurarine, wie Curin (CisHisNOs), Tubocurarin (C19H21NO4), Curarin (CiaHaeNsO),
Protocurin (C20H23NO3) und weitere Alkaloide vorhanden, dann der rechts»drehende Alkohol Quercit (CeH7[OH]5), Kalk» und Magnesiasalze organischerSäuren (besonders Bernsteinsäure) usw. Als Arzneimittel spielt Curare heutekeine Rolle mehr, wohl aber im physiologischen Laboratorium. Seine Hauptwirkung(die Träger derselben sind die Curarine) besteht in der Lähmung der moto»rischen Nervenendplatten der quergestreiften Muskeln (inkl. der Atmungs«muskeln). Curare ist also der physiologische Antagonist des Strychnins,welches tetanische Krämpfe erzeugt. Therapeutische Anwendung fand Curaregelegentlich bei den furchtbaren Krämpfen des Wundtetanus und der Lyssa (Hundetollwut). — Ehedem gelangteauch Schlangenholz (Lignum colubrinum) aus Indien, wo es gegen Schlangenbiss verwendet wird,nadi Europa. Es stammt von Str. colubrina L., Str. Gaultheridna Pierre (übrigens liefern auchRubiaceen [Ophiorrhiza], Apocynaceen [Ophiöxylon] und Simarubaceen [Eurycoma] Schlangenholz). DieSamen des indischen Baumes Str. potatörum L. werden wegen ihres Schleimgehaltes zum Klären desTrinkwassers benützt. — In einzelnen Ländern (Pharm. Helv.) ist Rhizöma Gelsem Ii, die Gelsemium»oder Gelbe lasminwurzel offizinell. Sie stammt von Gelsemium nxtidum Michx. (= G. semp^rvirens Ait.), demFalschen, Gelben oder Gift»Jasmin, einem in den südlichen Staaten des atlantischen Nordamerika vorkommen»den Schlingstrauche mit grossen, blattachselständigen, trichterförmig»glockigen, leuchtend gelben, wohlriechen«den Blüten. Rhizom und Wurzeln enthalten 3 verschiedene Alkaloide (Gelsemin [CsoNaaOsNs], Gelsemininund Gelsemoidin), ferner ein nach Cajuput riechendes ätherisches Oel, ein Harz (aus dem Pentatriacontan),ein Emodinmonomethylather, das Phytosterol CmHibO , Ipuranol (CssHssChJOHla), Zudcer, Scopoletin (Monomethyl.äther des Aesculetins) und zwar frei und in Glykosidform, dagegen kein Aesculin. Die sehr giftige Wurzelist ein Fischgif*. Die Droge gilt (in Nordamerika Volksmittel) als Nervimum, Sedativum, Antispasmodicum,
Fig. 2932. Spigelia splendensWendland. Blühender Spross.
*) Benannt nach dem hl. Ignatius Loyola (1491 bis 1556), dem Gründer des Jesuitenordens.