1950
winkligen Plazenten meist zahlreiche, seltener wenige, umgewendete Samenanlagen. Die Frucht ist eine septizideKapsel, eine Beere oder Steinfrucht. Die Familie zerfällt in die beiden Unterfamilien der Loganioideae(Drüsenhaare fehlend. Holzständiges Siebgewebe vorhanden. Endosperm nukleär, ohne Haustorien) und derBuddleoideae (Drüsenhaare vorhanden. Holzständiges Siebgewebe fehlend. Endosperm zellulär, mit Haus«torien). Von den in den Tropen mit über 100 Arten vertretenen Gattung Strychnos 1 ) sind zahlreicheArten stark giftig und in der Heilkunde gebräuchlich. Strychnos Nux vömica'j L. (= St. lücida R. Br.,= St. colubrina Wight), Fig. 2931 a bis i, der Brechnussbaum, ist ein 10 bis 13 m hoher Baum mit kreuzgegenständigen,rundlich»eiförmigen, gestielten, 3« bis 5=nervigen, abwerfenden Laubblättern, mit weissen, stieltellerförmigen, zudoldenartigen Dichasien vereinigten Blüten und mit kugeligen, orangeähnlichen, graugelben, bis 5,2 (6) cm breiten
Beerenfrüchten; letztere enthalten gewöhnlich•O 5- ' --r—2 bis 4 (seltener 5 bis 8) aufrecht gestellte Samen
(Fig. 2931 f). Der Baum wächst im ganzen tropi»ü L /'/' ' /) tisißvjj sehen Indien bis nach Nordaustralien. Offizi«
ne " (Pharm. Germ., Austr., Helv.) sind diereifen scheibenförmigen, kreisrunden, 12 bis( JkBkP \ ^ ▼ f 25 mm breiten, radial gestreiften, angedrückt
W vX\ \ behaarten, ausserordentlich (um das weissliche
ß\ Fruchtfleich) bitter schmeckenden Samen (Brech.
nüsse = Sem e n Strychni, s. nüces vömicae),\ die allgemein als „Krähenaugen" bekannt sind.
h'irfjt W /H\ Sie bestehen in der Hauptsache aus einem horn-
\ }1/ /^ ' artigen, derben Endosperm und lassen sich
^\\ & l\ — )|[i leicht in 2 Hälften spalten. Sie enthalten zu
Ei Vp 2 bis 4°/o die sehr giftigen Alkaloide Strychnin
(C»iHnN«0») und Brucin (CisHisNsO«) 5 das'm- fnw) letztere wirkt 35»mal schwächer. Ausserdem
'% 'jf I <mcJ(y g f*'it findet sich in Spuren das erheblich weniger giftige
Sß&rg- I m MS t [h *\AT fr-fl Alkaloid Strychnicin. Diese Alkaloide sind z. T.
a# A-I A an die sog. Igagur» (oder Strychnus.)säure gebun»IM n \ Ja# 1 den, welch' letztere sich als Kaffeegerbsäure
(oder Chlorogensäure) erwiesen hat. DieAlkaloide werden von dem Glykosid Loganin(C25H34O14 oder C25H36O14) begleitet, das be»sonders in dem Fruchtfleisch reichlich vertretenist. Ausserdem enthalten die Samen Cholin,Zucker, 2,5 bis 2,76 {bis 4,2 °/o) Fett, zirkall °/o Eiweiss, Reservekohlenhydrat ibestehendaus wasserlöslicher Mannane und Galaktane)und etwa 1,14% Asche. Anscheinend ist dieBrechnuss in Europa vor dem 15. Jahrhundertnicht bekannt gewesen. Die erste gute Be=Schreibung der Samen gibt Valerius Cordus1561, dann Tabernaemontanus 1664. Heute benützt man die sehr bitter schmeckende Droge in Indienals Tonicum und Antirheumaticum, ebenso gegen Schlangenbiss. In Europa findet sie hauptsächlich zurSteigerung der Erregbarkeit verschiedener Gebiete des Zentralnervensystems (besonders der Reflexbahnendes Rückenmarkes, früher auch bei motorischen Lähmungen) Verwendung, dann bei unvollständigenParesen, bei Bleivergiftung, Diphtherie, bei manchen Amblyopien und Amaurosen, Kollaps, Kreislaufstörungen,Malaria, bei Atonie des Darmes (durch Erregung des Auerbachschen Plexus), gegen Incontinentia urinae, beiVerdauungsbeschwerden und Magenatonie, Blasenstörungen, bei Alkoholismus chronicus. Strychnin ist ein her»vorragendes Krampfgift, während das Brucin mehr dem Thebai'n des Opiums gleicht. Schon in Kleindosenerzeugen die Alkaloide eine heftige Spannung der Muskeln, dann Starrkrampf (Tetanus), der zum Tode führen
Fig. 2931. Strychnos Nux vomica L. a Blühender Zweig, b Blüte(von aussen), c Kronröhre aufgeschnitten, d Längsschnitt durch denFruchtknoten, e Zweig mit Frucht. / Querschnitt durch dieselbe, g, h,i Samen, von aussen und im Längsschnitt. — k Samen von StrychnosIgnatii Berg (Fig. b, c, d, / und i nach Berg und Engler, die übrigenOriginale).
') Griech. aTQV/yoi [strychnos] bei den griechischen Aerzten Name für verschiedene Giftpflanzenaus der Familie der Solanaceen.
2 ) Lat. vömo = speie; nach Tschirch findet sich die lat. Bezeichnung Nux vomica („Brechnuss")zuerst in einer lateinischen Uebersetzung des Serapion, eines mittelalterlichen Arztes. Vielleicht beruht derName auf einer Verwechslung mit einem anderen giftigen Samen.