1939
der Ilias (XVII, 53 bis 55), dass die Olivenkultur bereits allgemein in Griechenland verbreitet und sehr sorgfältigbetrieben wurde. Nach O. Schr a der (in Viktor Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, 1902) wurde das Oelschon als Appretur linnener Stoffe viel verwendet. Der Sage nach entstand der Baum auf der athenischenAkropolis aus einer Lanze der Pallas Athene und war darum auch dieser Göttin geheiligt. Seine Vernichtungwurde mit schweren Strafen belegt. In Attika wurde die Geburt eines Kindes durch das Aushängen einesKranzes verkündet, das Grab eines Verblichenen mit Oelzweigen geschmückt. Im südlichen und östlichenMittelmeerbecken mögen die Phönizier durch ihre friedlichen und kriegerischen Eroberungen viel zur Aus.breitung, bezw. zum Ausbau der Kultur beigetragen haben, während die Tätigkeit der Griechen sich mehr aufdie nördlichen Randgebiete erstreckte. Der Ueberlieferung nach (s. o.) soll der Oelbaum erst Ende des 7. vor»christlichen Jahrhunders in Italien, und zwar in Apulien, das gegenwärtig noch das beste italienische Oelhervorbringt, eingeführt worden sein. Im 5. Jahrhundert wurde Mittelitalien erreicht, später auch Ligurien. Im1. Jahrhundert v.Chr. stellte Italien mit seinem Reichtum an Oel und dessen Güte alle anderen Länder inden Schatten. Von der Zeit des Pompejus anbegann auch die Ausfuhr, die sich z. T. in dieAlpenlander erstreckte und am Südfuss derAlpenkette wohl zu den ersten Anpflanzungenam Garda., Comer. und Luganersee Veran.lassung gab. Plinius widmete dem Oybaumin seinem 15. Buche „Von den obsttragendenBäumen" 8 Kapitel. Auf Korsika fehlte derBaum nach den Angaben von Seneca zuseiner Zeit noch und dürfte nach Th. Fischererst im Mittelalter dorthin gelangt sein. Sicher waraber der Olivenbau zur römischen Kaiserzeit imganzen Mittelmeergebiet verbreitet und besassnamentlich an der nordafrikanischen Küste einegewaltige Ausdehnung. So sind z. B. auf demHochlande von Tebessa (Algerien), das zur Zeitfast des Oelbaumes ganz entbehrt, mehrerein grossem Stiele angelegte und technisch sehrvollkommene Oelpressen aufgefunden worden,ebenso wie sich solche in anderen Teilen diesesLandes zerstreut haben nachweisen lassen. Fürdie Umgebung von Sbeitla wird auf Grundderartiger Reste mit einem ehemaligen Hainvon etwa 400000 Bäumen gerechnet. Berühmtwaren schon damals die Kulturen von Tunisund Barka. Der Niedergang in ganz Nord,afrika wurde teils durch den Einbruch der arabischen Nomaden, teils durdi die sich lösenden Handels»beziehungen usw. bedingt und führte zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert vielerorten zum gänzlichenErlöschen. In unserer Zeit hat sich Frankreich durch zahlreiche Neupflanzungen um das erneute Aufblühenin Algerien grosse Verdienste erworben. In Spanien, wo die grossen römischen Kulturen durch die Stürmeder Völkerwanderung sehr gelitten hatten, haben die Araber dieselbe Rolle gespielt. Nach Willkomm wurdedamals vielleicht auch die Oliven.Mistel (Viscum cruciatum Sieb.) aus Palästina eingeschleppt. Im Tessin istdie Kultur durch die Einfuhr des viel billigeren italienischen Olivenöles vernichtet worden, so dass die Oel«bereitung dort zu den Ausnahmen zählt (B. Freuler, Forstliche Vegetationsbilder aus dem südlichen Tessin, 1904).Im Mittelalter spielte der Oelhandel eine bedeutende Rolle. Aegypten wurde von Syrien und Tunis versorgt. In Kon.stantinopel gelangte viel Oel aus Venedig, den Marken, Apulien und von Gaeta zum Verkauf. Sevilla führte viel aus.
Durch die Entdeckung von Amerika wurden dem Oelbaume neue Kulturstätten erschlossen. Alsälteste gilt eine Pflanzung bei Tacubaya (Mexiko) in 2276 m Höhe, die auf Cortez zurückgeführt wird, die demmexikanischen Erzbischof gehörte und noch zur Zeit von A. v. Humboldt zu sehen war. Das mexikanischeOel soll sich durch seine Güte auszeichnen. Seit den Befreiungskriegen sind die Anpflanzungen sehr erweitertworden. Nach Peru gelangte der Oelbaum durch Don Ambrosio de Rivera, der 1560 die ersten100 Stämme aus Spanien brachte, von denen allerdings nur 3 zur Entwicklung gelangten. Einer davon wurdegestohlen und nach Chile geschmuggelt und gilt als Mutterolive der chilenischen Pflanzungen, die sich in demLandgürtel von Copiapö bis in die Provinz Cauqudnes erstrecken. Zur Zeit des Jesuitenpaters AI. de Ovallawaren sie in der Umgebung von Santiago um 1630 bereits weit verbreitet. Um 1S60 ergaben sie einen Wert
Fig. 2923. Olea Europaea L., in der Cistus-Macchie auf Korsika.Phot. Meta Lutz und Dr. O. H e g i, München.