1914
Heimisch in Südostungarn (Banat [bis 1580 m steigend], Südwest=Siebenbürgen),Her zegowina, Rumänien, Serbien, Bulgarien, Mazedonien, sowie nach C. K. Schneider aufkleinasiatischem Boden in Bithynien. Seit dem frühen Mittelalter in Europa in Kultur undgegenwärtig weit verbreitet (noch in Norwegen in 68° 30' nördl. Breite gezogen) und teil»weise eingebürgert an Hecken, in Weinbergen, an Abhängen und an Felsen.
Verwildert und eingebürgert in Deutschland in Bayern auf der Garchinger Heide (kleine, 20 bis30 cm hohe Zwergsträucher), an der Oberhauserleite bei Passau, am Schlossberg bei Berneck, um Neuburga. d. Donau, bei Eichstätt, Rupprechtstein, zwischen Kauerlach und Häusern bei Hiltpoltstein, um Weismain,im Schwabachtal bei der Rössleinmühle, Nürnberg, Bamberg, Marienberg bei Würzburg j in Württemberg z. B.bei Stuttgart, Kemnat, Tübingen, Oberndorf, Rottweil, Freudenstadt, Tuttlingen, Spaichingen, Troditelfingen, Zwie«falten, Blaubeuren, Ulm, Schussenried ; in Baden z. B. bei Schloss Schwörstadt, an Felsen zwischen Istein und
Kleinkems und vielfach rheinabwärts bis zum Unterrhein, so z. B. noch am Rheinbei Gellep und Wittlaer •, in Westfalen und Hannover häufig gepflanzt (z. B.sehr häufig um Warburg), aber fast nirgends wirklich verwildert; desgleichenim Nordwestdeutschen Flachland (eingebürgert wohl nur auf Hügeln an derStrasse zwischen Baden und Achim) ; in Schleswig-Holstein im Sandr»Gebietenicht selten als Knickpflanze; im Nordostdeutschen Flachlande hie und da ver»wildert, z. B. auf Kirchhöfen in Potsdam, bei Rheinsberg, Schöneberg, Arns»walde, bei Schwerin, Lübeck, ebenso in Schlesien und Sachsen; in Thüringenz. B. um Erfurt im Dreienbrunnen, am Schindleichsgraben, in der Aue undvöllig eingebürgert und steile Halden und Felsbänder bedeckend bei Jena. — InOesterreich in den ausseralpinen Gebieten vielfach verwildert, z. B. inBöhmen um Prag bei Hlubocep, Jeneralka usw.; in Mähren bei Kromau, aufdem Holstein, bei Iglau (seit langem), früher auch bei Znaim (wegen allzugrosserWucherung ausgerottet); in den Alpenländern viel spärlicher, so im Vorarlbergbei Bregenz am Gebhardsberg und bei Feldkirch; in Tirol bei Innsbruck beider Schrofenhütte, am Schloss bei Rattenberg, im Brixental (z. T. als stärkereBäume), bei Meran an der Zeno«, Frags« und Leonburg, bei St. Lorenzen gegenStegen (den ganzen Hang überdeckend), Bruneck, Winnebach (seit langem), Lienz,am Ritten (einen Felsen in 1450 m Höhe bei Pfaffstall ganz überziehend, ebensobei Lengstein und bei Klobenstein, am Tannhof bei etwa 1520 m noch in grossenSträuchern), bei Bozen, Fassa und San Colombano bei Rovereto; in Steiermarkbei Frein, Klausleiten, Schloss Nalbenrain, Bad Neuhaus usw.; in Kärnten beiKlagenfurt, Wolfsberg, Eberstein, Tiffen, Flattach im Mölltal, Oberdrauburg,Weissbriach, Lessachtal, Laas bei Kötschach, St. Daniel, Villach, Deutsch.Bleiberg,Rosegg. — In der Schweiz verwildert z. B. im Aargau bei Kirchmoos, Attelwil,Beinwil a. S., Langele, Hornussen, Bruggerberg, Stein zu Baden, im Kanton Solo»thurn bei Grenchen, häufig auch im Kanton Neuenbürg, im Wallis und im Tessin usw.
In wildem Zustande wenig veränderlich, aber in Kultur infolge Auslese und Züchtung kleiner Ab«weichungen und Mutationen ausserordentlich formenreich und infolge Bastardierung mit S. oblata z. T. sehrkritische Formen umfassend. Eine sehr frühblühende Form mit weissen Blüten und hellgrünen Knospen istvar. alba Ait. GesAätzt werden namentlich grossblütige und gefüllte Formen, die in der Regel einfarbig-weiss,weiss«rot, gelb, azur» bis himmelblau, rosa, purpurn, lila oder violett gezogen werden.
Syringa vulgaris gehört dem dazisdien Elemente, wie z. B. Euphorbia Carniolica, Helleborus purpur»ascens usw. an und findet sich im südwestlichsten Teile von Siebenbürgen und im Banate mit Vorliebe in denartenreichen dazischen Eichenwäldern als Unterholz von Quercus Robur, Q. sessiliflora, Q. Cerris, Q. pubes»cens und Q. conferta, Tilia tomentosa, Acer Tataricum, Fraxinus Ornus, Carpinus Orientalis, Corylus Colurna,Juglans regia und mit einem Unterwuchs von Ruscus aculeatus und R. Hypoglossum, Trifolium Molineri undT. expansum, Digitalis lanata, Acanthus Hungaricus usw. Im Tale des Schyl bildet sie zusammen mitFraxinus Ornus und Evonymus latifolia an Kalkhängen üppig blühende Gebüsche. Im äussersten Südwestender Karpaten, wie im Czernatale bei Mehadia und Herkulesbad, tritt sie als Unterwuchs an lückigeren Stellender dortigen uralten Buchenwälder auf, gemeinschaftlich mit Fraxinus Ornus, Crataegus melanocarpa undCotinus Coggygria. In Mitteleuropa ist der Strauch an manchen Orten vollständig eingebürgert und findetsich nicht nur in Hecken und Gebüschen vom Rosa-Berberis»Typus, sondern auch an völlig unzugänglichenFelsen, wie auf der Alb bei Werenwag, Trochtelfingen, Blaubeuren und Ulm, wo er zwar weniger üppig als
Fig. 2903. Syringa vulgarisL. aSpross im Winter. b Winter-knospe. c Knospenschuppe.