1906
geführt und innerlich als tonisches und abführendes Mittel, gegen Fieber, als Narcoticum, bei Ikterus, Leber»atrophie, Gelbsucht, Wechselfieber usw., äusserlich bei Wunden und Geschwüren verwendet. Ausserdemwird daraus ein Exträctum Chionänthi flüidum bereitet. Der wirksame Stoff darin ist das saponinartigeGlykosid Chionanthin C22H28C19, das hydrolisiert Dextrose und einen harzartigen Körper ergibt. — Seltenerzu finden ist C. retüsa Lindl. (= C. Chin6nsis Maxim., = Linociera Chin6nsis Fischer), mit kleineren, imMittel nicht über 8 cm langen Laubblättern und endständigen und in den obersten Laubblättern achselständigenBlütenständen. Heimat: Nordchina, Formosa; in Japan wahrscheinlich nur kultiviert. — Die Unterfamilie derJasminoideae umfasst 3 Gattungen. Einen in den Tropen viel kultivierten Baum stellt die in Indien heimischeNyctänthes ärbor»tristis L., Trauerbaum, Nacht=Jasmin dar, mit grossen, weissen, am Schlünde orange»farbenen und in grossen Trauben angeordneten Blüten, welch' letztere mit starkem Dufte, aber nur eine Nacht lebenund von den Hindus gern zur Herstellung von Blumengewinden verwendet werden. Nach Hill und Dirkarenthalten sie Mannst und kristallinisches Nycanthin (C20H22O4). Man gewinnt daraus auch ein ätherisches Oelfür Parfümeriezwecke, sowie den orangegelben Farbstoff zur Färbung von Speisen und Baumwolle. — Ausder mit 15 Arten in den subtropischen Gebieten von Nord» und Südamerika, sowie von Südafrika vertretenenGattung Menodöra Humb. et Bonpl. mit an der Spitze eingeschnürter Kapselfrucht findet sich bisweilen alskleiner, kaum 25 cm hoher, frostempfindlicher Felsenstrauch von Linum=artiger Tracht und mit kantigen SprossenM. scäbra Gray aus dem westlichen Texas, Neu=Mexiko und Arizona. — Viel wichtiger ist die beerenfrüchtigeGattung Jasminum L. Echter Jasmin. Franz.! Jasmin; engl.! Jasmine; ital. 1 Gelsomine. Aufrechte oderwindende Sträucher mit 3.zähligen oder unpaar gefiederten, bis 9»zähligen, selten scheinbar einfachen Laub»blättern. Blüten meist in endständigen, seltener achselständigen, zymösen Doldentrauben, ausnahmsweise einzeln,zwitterig, strahlig, gelb, rot oder weiss. Kelch in der Regel glockig, selten fast zylindrisch, mit 4 bis 9 Kelch»zipfeln. Krone tellerförmig, mit zylindrischer Röhre und 4 bis 6 Kronzipfeln. Staubblätter sehr kurz; Staub»bcutel einwärts gerichtet. Fruchtknoten mit aufrechten Samenanlagen, fädligem Grif.el und kopfiger, 2»lappigerNarbe. Beere mit 1 bis 2 Samen. Die Gattung zählt etwa 200 Arten, die namentlich in den Tropen undSubtropen von Asien, Australien, Afrika und Südamerika heimisch sind. Die Bedeutung der Gattung liegtin ihren zumeist wohlriechenden Blüten, die zu Parfümeriezwecken (schon im alten Aegypten bekannt)vielseitige Verwendung finden. In Indien dient namentlich das durch ungeteilte Laubblätter und sehrstark duftenden, über Nacht blühende J. Sambac (L.) Ait. (= Nyctänthes Sambac L.) diesen Zwecken. Derchinesische Tee erhält dadurch einen charakteristischen Geschmack. Ferner wird daraus das wohlriechendeJasminwasser und ein ätherisches Oel gewonnen. Frauen in Ober»Burma schmücken sich nach Schellenberg»Weh rIi gern damit oder bringen sie, wie es auch die Inder tun, als Weihgabe auf die Buddha»Altäre. In Mittel»europa wurde die Art früher in Töpfen gezogen, ist aber gegenwärtig ganz in Vergessen geraten'). Im Mittelmeer»gebiete, wo wohl nur J. früticans L. heimisch ist, werden besonders J. odoratxssimum L., ein gelb»blühender Endemismus der Kanaren und Madeira, J. grandif lörum L. aus dem Himalaya und J. officinale L.von Iran in grossem Massstab angepflanzt und verwildern dort häufig; Volkens empfiehlt ferner die Kulturdes weissblütigen J. gardeniodörum Gilg. Die Hauptanbaugebiete liegen in Südfrankreich in den DepartementsVar und Alpes «Maritimes (für J. grandiflorum z. B. bei Grasse), wo die Jahresernte an Blüten etwa600 000 kg beträgt, sowie in Tunis. In Algier wird die Kultur wegen der französischen Ueberproduktionniedergehalten. 1000 Stöcke ergeben etwa 50 kg Blüten. Aus den frischen Blüten gewinnt man nach Wiesnerzunächst durch das Enfleurage» Verfahren (Aufstreuen der Blüten auf ein kaltes Fett) eine Pomade, aus welcherder duftende Stoff zumeist mit Hilfe von Alkohol, Azeton usw. ausgezogen wird. Das durch Abdampfen desLösungsmittels gewonnene Jasminöl muss zwar infolge Unreinlichkeiten, die. der Pomade entstammen, nochweiter behandelt werden, doch hat das Verfahren gegenüber der besonders früher geübten Extraktion (z. B. mitPetroleumäther) den Vorteil, dass die Ausbeute etwa 45»mal grösser wird. Als Hauptbestandteile des Oeleswurden festgestellt Jasmon (CnHieO) — ein hellgelbes Oel mit intensivem Jasmingeruch —, 60 bis 95%Benzyl» und Linalylacetat, 6°/o Benzylalkohol, 15,5°/o Linalool, ferner Indol und Anthraylsäuremethylester.F. Elze fand ferner noch p»Kresol und Geramol, Tsuchihashi und Tasaki Methylanthranilat. DieAnthranylsäure und das Indol treten nach Hesse nicht frei, sondern in komplexen Verbindungen in denBlüten auf und werden erst bei der Wasserdestillation oder bei der Enfleurage gespalten, fehlen dagegen imPetrolätherextrakt. In der Praxis werden die Blüten verschiedener Arten meist nicht getrennt behandeli.Die geschätztesten Taschentuchparfüme enthalten solche Extrakte. In Frankreich ist besonders das „huile
*) Als mittelalterliche Kulturpflanzen werden genannt J. Sambac, den der Hortus EystettensisJa sminum fl. luteo, Gelbe Veilrebe nennt (unter J. luteum verstand Schwenckfeld J. humile), J. officinaleL., im Hortus Eystettensis als Jasminum fl. albo, Weisse Veilrebe und J. noctiflörum Afz. (PotemoniumMonspeliensium) bekannt, ferner aus den Schlesischen Prunkgärten überdies noch J. Azöricum L., J.früticans L., J. odoratissimum L. und J. grandiflörum L.