1896
nicht vor). Den Malayen war der Gebrauch der Guttapercha wohl schon lange bekannt. Nach Europa(London) scheint die erste Probe 1656 durch den englischen Reisenden John Tradescant gebracht wordenzu sein. Immerhin blieb das Produkt unbekannt, bis 1832 der englische Arzt W. Montgomery und 1S43der spanische Arzt Jos6 d'Almeida dasselbe in Europa neuerdings einführten. Während lange Zeitdurch Fällen der Bäume ein barbarischer Raubbau getrieben wurde, ist man neuerdings dazu über«gegangen, wie bei den Kautschukbäumen durch rationellere Verfahren der Milchsaftgewinnung die Existenzder Bäume nicht zu gefährden. Auch hat man in Hinterindien, auf Sumatra und Java Pflanzungen angelegt.Durch Einschnitte in die Rinde wird der ausfliessende Milchsaft (Latex) in Beuteln der Pinang.Palme (ArecaCatechu) gesammelt oder man lässt ihn direkt am Stamme zu einer schwammig.porösen Masse erstarren (Roh«Guttapercha = Getah muntah). Neuerdings hat man auch angefangen die Guttapercha aus den Blättern durchExtraktion mit Toluol, Petroläther oder Schwefelkohlenstoff zu gewinnen („Grüne Guttapercha"). Chemischsteht das Guttapercha dem Kautschuk sehr nahe. Es besteht aus 78 bis 82°/o Gutta (CioHie) und den 3 (odermehr) Oxydationsprodukten dieses Kohlenwasserstoffes, nämlich Fluavil (CioHieO), Alban (C40H64O2) und ausdem sehr unbeständigen Guttan (Alban und Fluavil sind nach neueren Untersuchungen Zimmtsäureester).Ausserdem sind etwas Gerbstoff, zuckerartige Substanzen, Salze, Spuren von Fett und Farbstoffen vorhanden.Während Guttapercha an der Luft oder im Licht oxydiert, brüchig und zerbrechlich wird, erfolgt dieseOxydation im Dunkeln und unter Wasser (namentlich im Meerwasser) nicht. Im Gegensatz zum Kautschukist es bei gewöhnlicher Temperatur nur biegsam und wenig dehnbar, Jedoch nicht elastisch. Beim Erwärmenwird es teigig, weich und knetbar und kann in Formen gepresst werden, die es dann beibehält. In derTechnik hat Guttapercha als vorzügliches Isolierungsmaterial bei elektrischen Leitungen, besonders für sub»marine und unterirdische Kabelleitungen, Bedeutung, dann zur Herstellung von Treibriemen in nicht zuwarmen Räumen, zu Röhren, Spritzen, Gefässen, Sprach« und Höhrrohren (Guttapercha ist ein guter Schall«leiter), Spielbällen, Kathedern, Ueberzügen für Walzen, zu Gaumenplatten usw. Das gelbbraune, nicht klebende,durchscheinende Guttapercha.Papier (Guttapercha lamelldta) wird durch Auswalzen in dünnen Blätternaus gereinigter, nicht gebleichter Guttapercha hergestellt. Dieses wird bekanntlich zu Verbänden, Umschlägen,Eisbeuteln, Luftkissen usw. benützt. Die weisslichen, biegsamen, 3 bis 5 mm didcen Guttapercha»Stäbchen (Gutta,percha in bacillis) dienen in der Zahnmedizin zum provisorischen Füllen von Zähnen oder mit Kreosotgetränkt als Heilmittel. Sie sind unterWasser, dem 10°/o Glyzerin oder 10 °/o Weingeist zuzusetzen sind, auf.zubewahren. Wie Kautschuk lässt sich auch Guttapercha vulkanisieren und hornisieren. Eine Lösung klein,geschnittener Guttapercha in 9 Teilen Chloroform dient unter dem Namen Traumaticum (Deutsch. Arzneib.VI, 1927) als Deckmittel statt Kollodium. Auch mit Leinöl lässt sich Guttapercha zusammenbringen (zum Dicht«machen von Geweben), ebenso mit Ammoniakgummi (Defayscher Hufkitt oder künstliches Hufhorn). Surrogatewerden durch Mischung von Harzen, Wachs (Karnaubawadis), Oelen oder Asphalten mit oder Zusatz von Kaut,schuk oder Guttapercha hergestellt-, hierher gehören u. a. die Nigrite. — Der mit Guttapercha nahe verwandteKörper „Balata" stammt von dem bis 35 m hohen Urwaldbaum Mimusops Baläta Gaertn., dem bullettree. Er wurde 1857 durch S. Bleekrode in Europa bekannt und zunächst „Surinam-Guttapercha" bezeichnet.Das Hauptproduktionsgebiet der Balata ist Guayana und Venezuela. In der deutschen und englischen Industriewird Balata vor allem zu Treibriemen in kühlen Räumen (namentlich zum Antrieb von Dynamomaschinen)verwendet, dann zur Herstellung von Schuhsohlen, Schweissblättern, Matritzen usw. In Portugiesisch-Oslafrikawurde Mimusops Henriqu6sii Engler et Warburg entdeckt, welche Pflanze wie noch weitere afrikanischeArten ein leidliches Produkt abgeben. Eine ganze Anzahl von Sapotaceen liefern geniessbare Früchte undwerden deshalb in den Tropen kultiviert, so Ächras Sapöta L., der Sapotillbaum, Breiapfel, Nispero derSpanier, Mispelboom der Holländer, Sapotier der Franzosen, Zapota der Eingebornen aus Westindien, Vitel«läria (Lucüma) mammösa (L.) Radlk., Marmelade-tree, Sapote grande aus dem tropischen Amerika, Chry.sophyllum Cainfto L., der Sternapfelbaum, Cainiteiro, Starapple, aus dem tropischen Amerika, Chryso«phyllum raonopyrenum Sw. (Damascener Pflaumen) auf den Antillen usw. Aus den wohlriechendenBlüten verschiedener Mimus o ps.Arten wird ein aromatisches Oel erhalten. Fettes Oel, das in der Seifen, undKerzenfabrikation, als Speisefett und Brennöl Verwendung findet, wird seit langem aus den oft sehr grossenSamen zahlreicher Arten gewonnen, so auf Sumatra der Sunteitalg von Paläquium oleösum Blanco, vonP. pisang Burck der Balam» oder Siaktalg, von Paydna Bank^nsis Bürde das Ketianöl usw., in Nord,und Zentralindien von dem auch kultivierten Baume Illipe latifölia Engler (Moa tree der Engländer), dieMahwabutter, in Südindien und Ceylon von Illipe Malabrörum König (= Bdssia longifölia L.) die Mowra.butter oder das Me.Oel, von Illipe butyräcea Engl, die Fulwa«, Chorea« oder Gheebutter, im nördlichentropischen Afrika (Steppenwald) von Butyrosp6rmum Pärkii Kotschy die Shea«, Galam« oder Karit6«butter, von Mimusops El6ngi L. in Indien das Oel Kesava.Menon, von Mimusops Djäve Engler in West,afrika die Njave. oder Adjabbutter ;Diplokn6ma sebifera Pierr. und verschiedene Dipterocarpaceae liefernBorneotalg. Das Oel der Samen von Argänia Sideröxylon Roem. et Schult, dient in Marokko als