1893
neben Ranunculus hybridus, Polygala Chamaebuxus, Sedum roseum und S. atratum, Saxifraga incrustata,Minuartia Austriaca und M. liniflora, Moehringia ciliata, Petrocallis Pyrenaica, Thlaspi alpinum var. Kerneri,Athamanta Cretensis, Cyclamen Europaeum, Pedicularis Oederi, Valeriana saxatilis usw. — Auffallend ist dasFehlen in den sonst artenreichsten Massenerhebungen des südlichen Wallis, des Engadins und des zentralenTauerngebiets. Durch die Vorliebe für Kalk und Kalkschiefer ist es nicht zu erklären, da solche auch daselbstvorhanden sind und die Pflanze zudem in den Zentralalpen auch recht kalkarme (ob auch ganz kalkfreie?)Standorte zu besiedeln vermag.
Variiert in Länge und Breite der Rosettenblätter, Länge der Kopfstiele und Farbe der Blüten. Weiss«blühende Individuen wurden z. B. am Schlüsseljoch in Tirol gefunden.
var. purpurea [Koch] (= St. purpurea Koch, = A. purpurea Koch und var. Rhenäna Gremli, = A.vulgäris var. purpurea Döll und subf. Bodamica Petri, = A. elong&ta var. purpurea Boiss., = A. RhenänaGremli, = A. alpina var. purpurea Baumann). Fig. 2888bis 2890 und 2885. Rosettenblätter meist nur i 2 mmbreit, 1» (seltener 3») nervig. Schaft ± l l /a bis 3 (4) dmhoch. Köpfe i 2 cm breit. Hüllblätter meist wenigerlebhaft gefärbt. Kelch nur auf den Rippen behaart. Krön»blätter meist abgerundet, hellrosa bis lebhaft purpurn.
Nur im Beninger Ried bei Memmingen in Schwaben(die Angabe von Dennenlohe bei Günzenhausen in Nord,bayern ist zweifelhaft) und im Bodenseegebiet, besondersum den Untersees Wollmatinger Ried bei Konstanz (hiermindestens schon 1799 gefunden, nach V o 11 m a n n ansgeblich ursprünglich angepflanzte Exemplare von Mem»mingen), unterhalb Gottlieben und Mammern (dies dieeinzigen Fundorte auf Schweizerboden), beim Adlergartenunterhalb Stein angeschwemmt, mehrfach am Zellersee undGnadensee und auf der Reichenau. Die var. purpureaist sicher, wie schon Koch erkannt hatte und EugenBaumann (Die Vegetation des Untersees, Stuttgart [1911],pag. 396/408) endgültig nachgewiesen hat, eine Talform derSt. montana, d. h. ein seit den Eiszeiten an besondereStandorte angepasstes und zu einer eigenen Rasse umge.wandeltes Glazialrelikt. Sie entspricht hierin völlig demAllium schoenoprasum var. foliosum und der Saxifragaoppositifolia subsp. amphibia, die mit ihr den Grenzgürteldes Untersees bewohnen, und der Primula Auricula, Bartsiaalpina, Gentiana Clusii und Carex sempervirens an denGrundwasserbächen der oberbayerischen Hochebene, dieebenfalls sicher nicht erst postglazial, sondern wohl schonin der vorletzten Eiszeit diese Standorte besiedelt haben.
Wahrscheinlich hat sich St. montana während der Mindel«und Risseiszeit bis Mitteldeutschland und Polen (vgl. pag. 1891) ausgebreitet und mindestens die letzte Eiszeit auchin Schwaben (vielleicht auf dem Schwarzen Grat) überdauert und von da die amphibischen Formen abgespalten (vgl.Garns in Schriften d. Ver.f. Geschichte des Bodensees.Bd. LIII [1924], 1926). Ob man St. purpurea als var. oder als„mitteleuropäische Art" bewertet, ändert an diesen Beziehungen, im Gegensatz zur Meinung Brockmanns(in Schröter Pflanzenleben der Alpen, 2. Aufl. 1926, pag. 1172) nicht das geringste. — Im jetzt geschütztenHoppenried oder Beningerried bei Memmingen (600 m ü. M.) wächst die „Riednelke" auf frisch gebildetem„Alm" (Quellkreide) sehr gesellig mit Schoenus ferrugineus, Primula farinosa, Catoscopium nigritum, Scorpi«dium scorpioides und S. turgescens, einer Lokalform von Lonicera caerulea u. a., auch im Cladietum, imSchoenetum nigricantis und im Molinieturn ; am Untersee auf dem im Sommer regelmässig überflutetem Kies undSand im oberen Streifen des Grenzgürtels mit Carex Oederi und C. panicea, Deschampsia litoralis var. Rhenana,Agrostis alba var. prorepens, Juncus alpinus und ]. articulatus, Allium schoenoprasum var. foliosum, Saxifragaoppositifolia und Leontodon autumnalis, seltener auch in den nur kürzere Zeit überschwemmten Sumpfwiesen mitSchoenus nigricans, Molinia caerulea, Cladium Mariscus, Allium suaveolens usw. Die Strandpflanzen, diemeist einmal im Mai (bis zur Ueberflutung) und dann noch einmal bei sinkendem Wasserstand im Augustblühen und gewöhnlich nur im Herbst zur Fruchtreife gelangen, sind meist niedriger als die übrigen und durchbesonders kräftige, bis 38 cm lange und bis 1 */a cm dicke Pfahlwurzeln ausgezeichnet. Auf trockenem Kies.
Fig. 2890. Statice montana Miller var. purpurea(Koch), a Habitus, b Blüte, c Fruchtkelch, d AeusseresHüllblatt e und / innere Hochblätter.