1882
2216. Limonium vulgäre Miller (= Stätice Limonium L., z. T. = St. PseudolimöniumRchb., = St. Behen Drejer). Widerstoss 1 ), Strandheliotrop, Strandflieder (Amrum), Hallig»blume, Strandnelke; friesisch: Bonnestave, Bundesspagel; holländ.: Lamsooren 2 ). Franz.:Lavende de mer, immortelle bleue; engl.: Sea=lavender, wild marsh=beet ; dän.: Hindebäger ;norweg.: Marrisp ; schwed.: Ormrot; ital.: Butola d'acqua, limonio. Taf. 213, Fig. 2 und
Fig. 2878 bis 2881.
Rosettenstaude mit meist dickem, knorrigem, innen oft ± rotem, oberwärts dicht vondunkelbraunen Blattresten umhülltem Wurzelstock. Sprosse kahl, ledrig, trübgrün. Laubblättersämtlich grundständig, + */ 2 bis 2 dm lang und l 1 / 2 bis 3 cm breit, spatelig, allmählich in
den am Grund scheidig verbreiterten Stiel ver=schmälert, meist abgerundet und mit aufgesetzter,pfriemlidier Spitze, immergrün, knorpelrandig,mit kräftigen Hauptnerven und schwachen, netzige verbundenen Fiedernerven, oft von den vorge»wölbten Schleimdrüsen uneben. Blütenstand meistnur 1 pro Rosette, i 2 bis 5 dm hoch, mit derber,stielrunder bis kantiger Achse, meist etwa vonder Mitte an mehrfach schraubelig zu einer oftweit ausladenden, ± ebensträussigen Rispe mitlanzettlichen, trockenhäutigen Hochblättern an denZweig winkeln verästelt; Teilblütenstände lockereoder dichte Schraubel aus 1= bis 3=blütigen, kurzenWickeln (Aehrchen, Spiculae) mit je 3 unterwärtskrautigen, oberwärts schmal»trockenhautrandigenund ± zugespitzten, meist farblosen oder hell bräun»liehen bis bläulichen Bracteen. Blüten sitzend,6 bis 9 mm lang. Kelch röhrig, ± abstehendbehaart, mit trichterförmigem, häutigem, kahlem, weisslich bis hell=lila gefärbtem Saum, mit5 grossen, 3=eckigen Zipfeln. Kronblätter meist lebhaft blauviolett, spatelig, nur am Grundeunter sich und mit den Staubblättern verbunden. Staubblätter und Griffel manchmal vonwechselnder Länge (Heterostylie). Frucht (Taf. 213, Fig. 2b bis d) nicht aufspringend, ein»sämig. — (VII) VIII, IX.
Meist gesellig auf bei der Flut i vom Meerwasser bespülten Schlickflächen, Wattenund in offenen Salzsümpfen, ausschliesslich an flachen Meeresküsten.
In Deutschland an den Nordseeküsten ziemlich verbreitet und besonders auf den FriesischenInseln stellenweise gemein, fehlt jedoch z. B. am rechten Weserufer, von Wulsdorf bis Zingst. Um Hamburgseit 1923 geschützt. An der Ostsee viel seltener: Alsen, Fehmarn, Hohwach und Lübecker Bucht (früher auchLütjenburg), in Mecklenburg (Sülten, Wismarer Bucht, Poel, Wustrow, zwischen Warnemünde und Moorhof)und Pommern (nur auf Darss, Zingst und Kirr, früher auch Wittow auf Rügen). Im Binnenland bisweilen alsZier« und Heilpflanze kultiviert, so In Schlesien (schon im 17. Jahrhundert, verwildert auf Schutt bei Grünberg,
') Der Name Widerstoss (oft auch Wiederstoss geschrieben) bezieht sich auf die frühere Ver.wendung der Wurzel (Rädix Behen rübri) als Adstringens, Tonicum und Stypticum. Vgl. auch Widerton fürDrosera und Polytrichum! Sowohl Widerstoss wie auch Been oder Behen heissen in den Kräuterbüchernauch Silene inflata und Melandrium«Arten, Behen ist der arabische Name einer von Serapion und Avicennaals Heilpflanze empfohlenen Caryophyllacee aus Armenien, von der eine rote und eine weisse Art unter»schieden wurden.
Dieser auf die Form der Blätter bezügliche Name gilt auch für Aster Tripolium, welche Art imGegensatz zu Limonium auf den holländischen Aussenländereien nicht gemäht werden darf. Die Namens«Verwechslung hat zu einem Prozess vor dem obersten Gerichtshof geführt (Mitt. von J. P.Lotsy).
Fig. 2878. Limonium vulgare Miller, a Erdstock mitRosettenblättern der subsp. Pseudolimonium (Rchb.) Gams.b Querschnitt durch junges Laubblatt, c Licopoliorgan vonoben, d Spaltöffnung, e Blütendiagramm (Fig. a, b nachWarming, e nach Marktanner, c, d Orig.).