1873
Portugal, Marokko, Algier, Norditalien bis Toskana, Schweiz, Oesterreich, Sardinien (Duranus),Balearen, Korfu, Kreta, Krim.
Glück fand am Rande des Teiches von Cazeau (bei Bordeaux) in 15 cm tiefem Wasser eine Wasser«form (f. subm^rsa Glück), die sich durch kleinere und verhältnismässig schmälere, kreuzweise abstehende,sitzende, zarter und heller gefärbte Laubblätter und unterdrückte Blütenbildung unterscheidet.
Anagallis tenella ist eine Art von ganz ausgeprägt atlantischer Verbreitung, die z. B. in England undWestfrankreich sehr häufig ist, aber gegen das Innere des Kontinentes hin mit ziemlich scharfer Grenze aus«setzt und verhältnismässig wenige vorgeschobene Ausstrahlungen besitzt. Auch im Mittelmeergebiet fehlt sieden trockeneren östlichen Teilen mit Ausnahme weniger vereinzelter Fundstellen (die Verbreitung in Nordafrikawurde auf der Karte nur angedeutet und ist jedenfalls zu ausgedehnt angegeben) und tritt wieder in derfeuchteren Krim auf. Christ betrachtet die schweizerischen Fundstellen als Reliktstandorte, ebenso AugustSchulz die oberrheinischen. Eine weiter in das Innere des Kontinentes reichende Ausdehnung des Arealswäre am ehesten für die atlantische Zeitperiode anzunehmen, mit eintretendem Rüdegang in der folgendenwarmtrockenen subborealen Zeit. Doch kann diese Erklärung nur für die mitteleuropäischen Fundorte gelten ;die mediterranen Disjunktionen sind jedenfalls viel älter, die Art überhaupt ein alter Typus mit afrikanisch»südamerikanischer Verwandtschaft. Anagallis tenella findet sich hauptsächlich im Flachmoor mit ± torfigemUntergrund. P. A11 o r g e gibt für das Pariserbecken an, dass sie die Assoziation von Schoenus nigricans undJuncus obtusiflorus bevorzuge. Er zählt sie nach der Lage der Erneuerungsknospe zu den Hemikryptophyten.Nach H. Christ findet sie sich bei Vevey im Molinietum.
DLXXXII. Centünculus 1 ) L. Klein Ii ng.
Kleine, 1 «jährige Pflanzen mit beblättertem Stengel. Kelch bis zum Grunde 4= bis5=teilig. Krone klein, kürzer als der Kelch, urnenförmig, tief 4= bis 5=teilig. Staubblätter 4 bis 5,im Kronschlund befestigt; Antheren klein, ellipsoidisch. Fruchtknoten kugelig; Griffel faden*förmig; Narbe stumpf. Samenanlagen zahlreich, in die kugelige Plazenta eingesenkt, halb»anatrop. Kapsel kugelig, häutig, mit einem Deckel aufspringend, vielsamig. Samen klein, wenigzahlreich, auf dem Rücken etwas gerundet, auf der Bauchseite konvex und kantig genabelt.Keimling querliegend.
Die Gattung zählt nur 1 Vertreter. Sie ist mit der Gattung Anagallis nahe verwandt und unterscheidetsich von ihr vor allem durch die längere Kronröhre und die im Kronschlund befestigten Staubblätter.
2214. Centunculus minimus L. (= C. laneeolätus Michx., = C. simplex Hörnern., = Ana»gällis Centunculus Afzel., = A. pusilla Salisb., = Anagallidiästrum exiguum Bub.). Acker»Kleinling. Franz.: Centenille; engl.: Chaffweed, bastard pimpernel; ital.: Centonchio.
Taf. 211, Fig. 6.
Einjährig, mit schwacher Wurzel. Stengel aufrecht, einfach oder verästelt mitniederliegenden Zweigen, 3 bis 7 cm hoch, ziemlich dicht beblättert. Ganze Pflanze kahl, nursehr sparsam kurze Köpfchenhaare mit 4=zelligen Köpfchen tragend. Laubblätter wechselständig,rundlicheiförmig, 3 bis 6 mm lang, ganzrandig mit aufgesetzter Spitze, kurz gestielt. Blüteneinzeln, blattachselständig, kurz gestielt oder sitzend. Kelch 2 bis 3 mm lang, mit lanzettlich»linealen, pfriemlich zugespitzten Zipfeln. Krone weiss oder rötlich, bis zur Mitte 4= (5=) teilig,mit fast kugeliger Röhre und ausgebreiteten, lanzettlichen, zugespitzten Lappen, etwa 1 mmkürzer als der Kelch. Staubblätter aus dem Kronschlund vortretend, aber kürzer als die Krone.Kapsel kürzer als der Kelch. Samen 0,5 mm lang, 0,3 mm breit, feinwarzig. — V bis IX.
An feuchten, tonigen oder sandigen Stellen, an schlammigen Ufern, austrocknendenWasserlachen, Waldrändern, meist im Rasen. Gern auch in Fahrgleisen, auf sandig»lehmigen Aeckern, auf feuchtem Heideboden, in Dünentälern.
') Bei Plinius (Nat. hist. 24, 138) Name einer niederliegenden Ackerpflanze. Lat. centünculus heisstder „kleine Lumpen".