1871
misbildungen. Daher vielleicht die Angabe, dass aus den Wurzeln Laubsprosse entspringen. NadiWydlerkommt es oft vor, dass niederliegende Stengel, trotzdem sie einjährig sind, aus den Knoten Wurzeln treiben.Ziemlidi häufig sind die Keimpflanzen trikotyl; die aus ihnen hervorgehenden Sprosse besitzen gewöhnlich6«kantige Stengel und 3»gliederige Laubblattquirle. Die Blätter stehen stets auf den Stengelflächen. Lutzkonnte beobachten, wie 2 von den 3 Blattspreiten bei den oberen Quirlen in steigendem Masse verschmolzen,bis die normale Opposition zweier Blätter erreicht war (cit. nach Pen zig).
Die Färbung der Kronblätter wird nach Maser6 (Bull. Soc. Bot. France 70,1923) durch Anthocyanhervorgerufen und zwar bei der subsp. phoenicea im untern Teil der Petalen durch einen gelösten violettenFarbstoff und durch einen blauen, in nadeiförmigen Kristallen ausgeschiedenen, in den mittleren und oberenTeilen durch einen rot .orangen, gelösten Farbstoff, bei der subsp. caerulea durch einen blauen, z. T. gelöstenz. T. in rundlichen Kügeldien ausgeschiedenen, selten kristallisierten Farbstoff.
Eine mediterrane Abart der subsp. caerulea (var. latifölia [L.] Lange) mit grösseren Blüten undbreiteiförmigen, am Grunde halbumfassenden Blättern wird bei uns als schöne und reidiblütige Einfassungs.pflanze gelegentlich kultiviert. In Mühlau (Mannheim) wurde sie adventiv aufgefunden. — Auf Anagallis arvensisschmarotzt eine Peronosporacee, Peronöspora cdndida Fudc., gefunden in Thüringen, Baden, Hessen,Elsass =Lothringen, Schweiz, ferner nach Oudemans eine Chytridiacee Rhizomyxa hypogeea Borzi undein Deuteromycet, Septöria Anagällidis Rieh.
Das Kraut war ehedem als H 6 r b a A n a g ä 11 i d i s s. h. A. maris s. feeminae offizineil. BereitsDioskurides, Theophrast, Galen u.a. erwähnen es als Arzneimittel. Das getrocknete blühende Kraut(ohne die Wurzeln) ist von bitterem, »
etwas scharfem Geschmack und ent« A
hält 2 glykosidische Saponine, ein %Kv\t IL/'/
peptonisierendes Enzym, das Enzym f \ ' fitflilSPSF /6^*ȣ-2s
Primverase, sowie Bitter« und Gerb«
Stoffe. Ehedem diente es als Resol» TSmOKi/ /J
vens, Diaphoreticum, Diureticum und Mfj' ^1
Vulnerarium bei chronischer Ne« ^ wjf
phritis, Ikterus, Gallensteine, Leber« y | ^ jJ •»
Zirrhose; noch heute wird es ge. « \ 7
legentlich als Volksmittel bei Wasser«
sucht, Blutungen, Lungenleiden, Ob» x ^
stipation usw. gegen Warzen und d. Fl
Granulome angewendet. Die Ho« \ - ^ _ t-j4r>
moeopathie bereitet aus der Pflanze j J / 3 ./ !i^
die Urtinktur. Das Gauchheil sollschwach giftige Eigenschaften habenund genossen betäubend wirken. Eswurde auch als Geheimmittel gegenHundetollwut (Lyssa) verkauft.
Ebenso sollen die Samen für Vögelt ödlich sein; eine Verwechslung mit \..3 C /: ' 1 j X g l
der im Laube ähnlichen Stellaria )
media als Vogelfutter hat öfters Fig . 2 872. Anagallis tenella (L.) Murr. «Habitus, b Blüte, c Staubblätter (Ver-nachteilige Folgen gebracht. Der wachsung geht meist höher hinauf) mit Grifiel. d, e Frucht (Deckelkapsel).
Extrakt, innerlich oder äusserlich aul
Wunden gebracht, soll sogar starke Hunde töten. In Luzern wurde das Kraut ehemals gegen Geisteskrank»heiten, anderorts auch gegen Geistes« und Gedächtnisschwäche, sowie gegen Sdilangenbiss oder als Teesurrogatverwendet. — Im Volksglauben heisst es in Mecklenburg: Breitet sich die Blüte am Morgen recht fröhlich aus,so regnet es in 24 Stunden nicht; versteckt sie sich halb unter die Blätter, so gibts einen Schauer; schliesstsie sich gar nicht auf, dann fängt es bald an, stark zu regnen.
2213. Anagallis tenella (L.) Murr. (= A. repens Pom., = A. serpyllifölia Dum., = Eupäreabractealis Baudo, = Jirasekia alpina Schmidt, = J. tenella Rchb., = Lysimächia tenella L.,= L. pümila Poepp.). Zartes Gauchheil. Engl.: Bog pimpernel. Fig. 2872 bis 2874.
Ausdauernd, mit fadenförmiger, kriechender Grundachse, kahl. Beblätterter Stengeldünn, niederliegend, aus den Blattachseln spärlich wurzelnd, 4 bis 20 cm lang, meist unver»