1733
8*. Kapsel mit 5 oder 10 Klappen oder Zähnen aufspringend. Blüten in Trauben oder Rispen, odereinzeln. Ausdauernde Stauden, selten einjährig 10.
9. Blüten langgestielt. Krone radförmig, länger als der Kelch. Staubfäden behaart. Laubblättergegenständig Anagallis DLXXXI.
9*. Blüten sehr kurz gestielt. Krone trichterförmig, kürzer als der Kelch. Staubfäden kahl. Laub«blätter wechselständig Centunculus DLXXXII.
10. Fruchtknoten oberständig. Hüllblätter der Blüten am Grunde des Blütenstiels 11.
10*. Fruchtknoten in der unteren Hälfte mit dem Kelch verwachsen. Blüten in Trauben, weiss. Hüll»
blätter der Blüten auf den Blütenstiel hinaufgerückt. Pflanze graugrün, kahl . . . Samolus DLXXX1II.
11. Blüten gestielt. Krone vorhanden (vgl. auch A st e r o linu m pag. 1729: Krone weisslich, sehr klein,etwa halb so lang wie die Kelchblätter) 12.
11*. Blüten einzeln, in den Blattwinkeln sitzend. Krone fehlend, Kelch kronartig, rot gefärbt. Halb»sukkulente Salzpflanze Glaux DLXXX.
12. Blüten gelb. Stengel reich beblättert, niederliegend und Blüten einzeln in den Blattachseln, oderaufrecht mit reidiblütigen end. oder seitenständigen Blütenständen. Laubblätter gegenständig oder zu 3 bis 4quirlständig Lysimachia DLXXV1II.
12*. Blüten weiss, meist ./«zählig. Stengel unten arm- und kleinblättrig, oben mit einer Rosette vongrossen Laubblättern, aus deren Achseln 1 bis 3 langgestielte Blüten entspringen . Trientalis DLXX1X.
DLXXI. Primula 1 ). Schlüsselblume, Primel. Franz.: Primevere; engl.:
Primrose; ital.: Primavera.
Ausdauernde Stauden mit walzenförmigem Wurzelstock, sehr selten (im Gebiet nie)1 »jährige Kräuter. Laubblätter in grundständiger Rosette, ungeteilt oder gelappt, gestielt odersitzend. Blüten gross oder mittelgross, mit wenigen Ausnahmen 2=gestaltig, ungleich griffelig,auf unbeblättertem Blütenstengel (Schaft) doldig oder kopfförmig, selten in übereinanderstehen»den Wirtein oder in traubigen oder ährigen Blütenständen oder einzeln aus dem Wurzelstockentspringend. Kelch röhrenförmig, trichterförmig oder glockenförmig, oft aufgeblasen (Fig. 2738 b),5=spaltig, bleibend. Krone stieltellerförmig oder trichterförmig; Kronröhre verlängert; Schlundweit, nadct; Kronsaum ausgebreitet, selten aufrecht, mit ganzrandigen oder 2=spaltigen Lappen.Staubblätter im Schlund oder in der Kronröhre befestigt; Staubfäden kurz; Staubbeutel stumpf.Fruchtknoten kugelig oder eiförmig; Samenanlagen zahlreich, halbanatrop; Samenträger meistsitzend. Kapsel kugelig, eiförmig oder länglich, vielsamig, mit 5 oder 10 Zähnen auf»springend (Fig. 2746 b). Samen ± schildförmig, unregelmässig polyedrisch (Fig. 2746 d, e),auf der Rüdcenseite abgeplattet, auf der Bauchseite gewölbt, stumpfkantig bis geflügelt, meistpapillös. Keimling querliegend.
Die Gattung umfasst gegen 300 Arten. Von den zahlreichen Untergattungen (Pax und Knuthunterscheiden 21) sind in Mitteleuropa nur 3 vertreten: 1. die Verndles (P. elatior, P. veris und P. vulgaris)mit insgesamt 8 Arten (in der Fassung nach Pax und Knuth), von denen 3 im mittleren und südlichen Europa undim vorderen Asien (2 reichen bis ins zentrale Sibirien), 4 in Vorderasien endemisch sind, 1 in den Ostkarpaten undin anderer Rasse im Kaukasus und in Armenien vorkommt. 2. die F a r i n ö s a e (P. farinosa und P. longiflora) mitetwa 24 Arten, von denen 10 auf Hochasien beschränkt sind, 6 auf Vorder« und Zentralasien, 1 auf Vorderasien unddas Altaigebiet, 1 auf die Balkanhalbinsel, 1 auf die Alpen, Vorderasien und den Balkan, 2 in der Arktis ein ziemlichausgedehntes Gebiet besitzen, 2 in Hochasien und in der Arktis und 1 (P. farinosa) in der nördlich gemässigten Zoneder Alten und Neuen Welt weit verbreitet ist und an der Südspitze Südamerikas wieder auftritt. 3. Auricula,zu der alle übrigen Primeln Mitteleuropas gehören. Von den 21 Arten der Sektion Auricula sind 10 in denAlpen im engeren Sinne endemisch, davon 3 in den Westalpen (P. Alliönii Loisel., P. marginäta Curt.,P. Pedemontdna Thom.)j 3 sind den Pyrenäen und Alpen gemeinsam, 1 den Alpen und den Balkan«gebirgen, 1 den Ostalpen und Südkarpaten, 1 den Ostalpen, Karpaten und Balkan, 1 den Alpen und demApennin mit Ausstrahlungen durch die Karpaten bis nach Nordserbien; 1 (P. deörum Vel.) ist im Balkanendemisch (Rilogebirge), 1 (P. Kitaibeliäna Schott) in den Illyrischen Gebirgen, 2 (P. Apennina Widm.und P. Palinüri Petagna) als lokale Endemismen im Apennin. Die durch involute Knospenlage der Blätter
') Verkleinerungsform von lat. primus = der erste, also kleiner Erstling, weil die bekanntesten Artender Gattung zu den ersten Frühlingsblumen gehören.