Druckschrift 
5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
Entstehung
Seite
1730
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Verwandtschaft. Nach ihrem ganzen Bau besitzen die Primulaceen sehr nahe Beziehungen zu dentropischen Famili en der Myrsinaceae und Theophrastaceae j sie werden daher auch mit ihnen in die Reihe der P ri»muläles zusammengefasst (vgl. pag. 1713). Neues Licht auf die Verwandtschaftsverhältnisse werfen die serodiag«nostischen Untersuchungen von M a 11 i g s o n aus der Schule von Mez (Serodiagn. Unters, über die Verwandtschafteninnerhalb des Centrospermenastes des Pflanzenreiches. Archiv für Botanik. 1, 1922). Malligson stellte durchschwache, aber deutliche Eiweissfällungen die serodiagnostische Verwandtschaft der Primulaceae zu den Nycta«ginaceae und Aizoaceae fest, ferner eine starke Reaktion zu den Sympetalenfamilien der Myrsinaceae, Theo«phrastaceae, Plumbaginaceae und Lentibulariaceae in absteigender Reihe. Letzteres entspricht ungefähr denbisherigen Ansichten über die Verwandtschaftsverhältnisse j nur die Lentibulariaceen wurden neuerdings nachKamienski's Untersuchungen den Tubiflorae zugesellt. Mez hat schon vor 20 Jahren, gestützt auf morpho«logische Befunde, hervorgehoben, dass zwischen den Primulaceen und den Myrsinaceen eine scharf gefasste Grenzeschwer zu ziehen sei. Diese serodiagnostisch gefasste Primulaceenreihe weist zu den Sympetalen keine näheren

Beziehungen auf und lässt sich natürlicherweise an den Centrospermen«Ast zwischen Nyctaginaceen und Aizoaceen einreihen. In der 14. Auf«läge (1923) des Botaniklehrbuches für Hochschulen von Strasburgerist dieser Schritt denn auch getan worden. Man wird sich dabei daranerinnern müssen, dass auch blütenmorphologische Eigentümlichkeitenfür die Einreihung der Primulaceen unter die Apetalen sprechen (vgl.pag. 1723), und schon früher ihr natürlicher Anschluss dort gesucht wordenist. Die alte P feff er 'sehe Lehre ist so durch Untersuchungen auf ganzanderer Grundlage wieder zu Ehren gekommen. Dem gegenüber ver«tritt Hallier (Beiträge zur Kenntnis der Linaceen. Beihefte zum botan.Zentralblatt. Bd. 39,1921) die Ansicht einer nahen Verbindung von Primula«ceen und Linaceen. Soldanella und Cyclamen sind nach ihm durch Ver«mittlung von Primula und Androsace aus Linaceen»artigen Lysimachienmit gestredeten Stengelgliedern entstanden. Eine nähere Verbindungzwischen den Bicornes und den im System neben sie gestellten Primulalesbesteht nicht, sondern beruht nach Hallier nur auf der Aehnlichkeitder Tracht und der gefransten Blumenkrone zwischen Soldanella und derDiapensiaceen.Gattung Schizocodon (pag. 1713) in Japan.

Missbildungen und Unregelmässigkeiten im Bauesind in der Familie der Primulaceen in grosser Zahl beschrieben worden.Eine eingehende Zusammenstellung und Würdigung derselben bringtP enzig (Pflanzen.Teratologie, 2. Aufl. Bd. 3, pag. 11 bis 33). Als gelegent«lieh auftretende Unregelmässigkeiten der vegetativen Teile sind zu er»wähnen Luftwurzeln bei Hottonia und Trientalis, 3» bis 4»zählige Blatt«quirle bei Anagallis arvensis, unregelmässige Blattstellung bei Lysimachia, Gabelung oder Spaltung der Blattspreite(Lysimachia, Anagallis arvensis, Primula Auricula u. a.), Verlaubung der Blütenhüllblätter, trikotyle Keimpflanzen(Primula, Anagallis arvensis, Lysimachia vulgaris), Fasziation der Blütenschäfte und Blütenstiele (häufig bei Primula ;ferner für Androsace elongata, A. maxima und Hottonia beschrieben). Auch die Blüten können miteinanderverwachsen. Cyclamen Persicum wird gelegentlich mit Blütenstielen, die ein Laubblatt tragen, beobachtet(Fig. 2732), was durch Verwachsung des Blütenstiels mit dem Blatt, in dessen Achsel er hervorsprosst, zustandekommt, nicht etwa durch einen besonderen Spross 3. Ordnung. Nicht selten findet sich bei Primula Durch,wachsung der Blütendolden, so dass 2 oder 3 Dolden übereinander stehen, was bei manchen Arten als normaleErscheinung auftritt (pag. 1739). Bei Primula vulgaris und Cyclamen Persicum treten als Seltenheit kürzer oderlänger gestielte Blütendolden auf, bei Arten, deren Blüten normalerweise in gestielten Dolden stehen, sitzendeDolden (Primula elatior und P. Sinensis, Androsace septentrionalis und A. Chamaejasme). Lysimachia thyrsifloraträgt als Seltenheit statt der blattwinkelständigen eine einzige, endständige Blütentraube. Bei Primula veris X P.vulgaris hat man im Blütenstand das Heraussprossen eines jungen Pflänzchens beobachtet. Von Hottoniabeschreibt Gertz aus Schweden (Botan. Notiser 1922) eine Pflanze, bei der am untersten Knoten des Blüten«Standes neben 4 Blüten ein vegetativer Spross herauswuchs. Der Stengel war geknickt worden, umgefallenund hatte sich am Knoten wieder schräg aufgerichtet. Der Achselspross lag auf der konvexen Seite. Sehrzahlreich sind die Missbildungen im Blütenbau. Sie treten, wie auch die schon erwähnten Bildungsabweichungender Blütenstände, besonders häufig und vielgestaltig an einigen kultivierten Arten auf, so an Primula Sinensis,P. Auricula X P. hirsuta, P. vulgaris und andern Gartenprimeln der Vernales«Gruppe, sowie an Cyclamen Per-sicum, sind aber auch an wildlebenden Individuen nicht selten anzutreffen. In erster Linie sind Abweichungenin der Zahl der Blütenorgane zu erwähnen. Bei einzelnen Arten treten sie mit Regelmässigkeit auf (pag. 1722)»

Fig.2732. CyclamenPersicumMill.BiUten-stiele mit Laubblatt. Phot. W. Lüdi, Bern.