1724
Kelch» oder Kronblätter gehen, so dass jedes derselben von 3 Nerven versorgt wird, in der Mitte vom
Hauptnerven, in den seitlichen Teilen von den Aesten zweier Nebennerven. Diese Nerven können i
entwickelt, einfach oder verzweigt sein, unabhängig oder in selteneren Fällen miteinander anastomisierend.
Die Urform der Primulaceenblüte besass nach Salvator T h e n e n kräftige Nebennerven und unverzweigte
Hauptnerven, welchen Typus die Gattung Dodecatheon und die Unterfamilien der Cyclamineae und Lysi«
machieae am besten beibehalten haben. Bei der weiteren Entwicklung bildeten sich die Nebennerven des
Kelches zurück und fielen sogar teilweise weg, was Thenen als Folge der Anpassung an xerophile Lebens»
bedingungen erklärt. Am stärksten kommt dies in der Unterfamilie der Androsaceae zum Ausdruck. Der
Hauptnerv dagegen entwickelt sich weiter. In den Kronblättern blieben beide Nerven gleidimässig erhalten.
Dem supponierten äussern Staubblattkreis würde ein dritter mittlerer Ast des Nebennerven entsprochen
haben, der sich auch wirklich in den Staminodien von Samolus und Soldanella (pag. 1821) noch findet. Nach
Thenen sind solche Staminodien als
kleine Lappen, die vom erhalten ge»
bliebenen Mittelast des Nebennerven
versorgt werden, bei Primula verticil»
lata, P. cortusoides, P. Auricula und
Cyclamen Persicum beobachtet worden.
Der Fruchtknoten wird als einheitlicher
Ringwall angelegt und besitzt eine
kopfige Narbe. Da aber die reife Frucht
bei den meisten Gattungen sich mit 5
oder 10 Zähnen öffnet und bei Ver»
grünungen an Stelle des Fruchtknotens
gelegentlich ein Kreis von 5 freien, mit
den Staubblättern abwechselnden, oft
am Rande Samenanlagen tragenden
Blättchen entsteht, so hat man daraus
'T'»""« " k ""'" T"""?, "rrf geschlossen, dass er 5.zähligen Ur»
schnitt, c Narbe einer kurzgnffeligen, d einer langgriffeligen Blute, e Narbenpapillen ° '
einer kurzgriffeligen, / einer langgriffeligen Blüte, g Trockene Pollenkörner einer Sprungs sei. In der Mitte des Frucht»kurzgriffeligen, h desgl. einer langgriffeligen Blüte, i Feuchte Pollenkörner einer knotengrundes erhebt sich ein freierkurzgriffeligen, k desgl. einer langgriffeligen Blüte. I Querschnitt durch eine lang- , , . '
griffelige Blüte dicht Uber der Narbe (nach Hermann Müller). pilzförmiger Samentrager (Plazenta), der
nach oben spitz in den Griffelkanal aus»läuft, ohne aber mit diesem zu verwachsen. Er trägt in seinem verbreiterten Teil die meist zahlreichen Samen«anlagen (vgl. Taf. 208, Fig. 2 c, Taf. 209, Fig. 3 b und 3 c). Diese besitzen ein doppeltes Integument und einenschwach entwickelten Nucellus, wodurch die Primulaceen und ihre nächst verwandten Familien innerhalb derSympetalen ziemlich isoliert dastehen. Bei einigen Gattungen werden die Samenlagen später vom Plazentar»gewebe überwallt. Die älteren Forscher betrachten die Zentralplazenta als ein Achsenorgan; neuerdingsnimmt man an, sie werde durch eine Verbindung von Blatt und Achse gebildet, sei also ein Achsenstück,das von Teilen der Fruchtblätter umschlossen wird (siehe pag. 1731).
Sehr grosses Interesse haben seit langem die Bestäubungsverhältnisse der Primulaceengefunden; doch findet man unter den zahlreichen darüber veröffentlichten Arbeiten auch mancherlei Widerspruch.In ihrer grossen Mehrzahl sind die Primulaceen auf Fremdbestäubung angewiesen. Dabei dienen die lebhaftgefärbten Blumenkronen als Schauapparat ; viele Arten besitzen auch einen schwachen, wenige (z. B. PrimulaAuricula und P. veris) einen starken Duft. Lysimachia (einheimische Arten), Trientalis, Anagallis, Centunculus,Cyclamen entwickeln Pollenblumen; andere sondern Honig ab wie Primula, Androsace, Soldanella, Gregoria,Hottonia, Glaux, Samolus. Doch wird die Honigabsonderung im hohen Masse durch die Witterung beeinflusstund hört bei den Androsace.Arten bei ungünstigem Wetter gänzlich auf. Auch Samolus wird oft honiglosgefunden; bei Glaux enthalten nur die Jüngern Blüten Honig. Honig und Pollen werden häufig gegen dasEindringen von Wasser geschützt durch nickende Blüten, durch den verengten Kronschlund oder durch Schlund»schuppen, welche den Eingang in die Kronröhre versperren (Fig. 2725). Ein vorzügliches Anpassungsmittelan die Insektenbestäubung ist die Ungleichgriffligkeit oder Heterostylie bei Primula (wenige Ausnahmen;in unserer Flora ist nur P. longiflora homostyl, vgl. pag. 1759), Gregoria, Hottonia palustris und bei den fremdenGattungen Douglasia und Dionysia. Nach Kern er sind auch einige Androsace-Arten heterostyl; doch scheint sichdiese Angabe wenigstens für unsere einheimischen Arten nicht zu bestätigen (vgl. pag. 1790). Die Heterostylie wurde1793 von Sprengel bei Hottonia entdeckt und 1794 von Persoonbei Primula festgestellt. Sie beruht auf einemDimorphismus der Blüten (Fig. 2726). Die einen Blüten sind kurzgriffelig (brachystyl): der Griffel reicht nuretwa bis in die Mitte der Kronröhre, die Staubbeutel sind höher gestellt, so dass sie am Kronschlund sitzen.
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