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Fig. 2633. Querschnitt durch das Rollblatt von Loise-leuria procumbens (L.) Desv.
Audi die verschiedenen, äusserst mannigfaltigen Haarbildungen sind systematisch, aber auchökologisch wichtig. Bei den Rhododendren, bei Ledum und Chamaedaphne sind eigentümliche Schilddrüsenhaare(Fig.2643, 2644, 2659) von schirmförmigem Aussehen häufig, die als Verdunstungs» und Lichtschutz dienen; ein»fache einzellige Haare finden sich bei Rhododendron selten. Als ursprünglichste Art der Deckhaare bei denArbutoideae und Vaccinioideae beschreibt Niedenzu (1. c. pag. 142) die Deckhaare von Arbutus. Sie habeneinen kurzen, teils in der Epidermis steckenden, aus wenigen, nahezu isodiametrischen Zellen bestehendenFuss und einen sehr langen, pfriemlichen oberen Teil aus einreihigen, durch dünne, öfters aufgelöste Quer«wände getrennten und daneben noch aus homogenen, trocken bräunlichen Zellsaft führenden Zellen. Die phylo«genetische Entwicklung führte nicht zu einer komplizierteren Weiterbildung, sondern zur Reduktion diesesTypus. Neben dem Typus des oft wachsbereiften Lederblattes mit derber, glänzender, lichtreflektierender
Kutikula ist das Rollblatt für alle Vertreterder Ericoideae und. für zahlreiche Arten derübrigen Unterfamilien charakteristisch, wes-halb auch die Bezeichnung „erikoider"
BlattaTypus auf alle Rollblätter von schmaler,nadelartiger Gestalt ausgedehnt worden ist(Fig. 2634). Die Seitenränder des Roll»blattes sind nach unten umgerollt (Fig. 2633),wodurch die Stomata der Blattunterseite ineine Höhlung zu liegen kommen. Manchmalschliessen die beiden Seitenränder unten zusammen, so dass die transpirierende Unterseitein dem windstillen Raum vollständig eingeschlossen ist. Einzelne Arten (so Blaeria glutinosa)zeigen Rollblätler mit dichter Drüsenbekleidung, so dass sie wie lackiert aussehen.
Die ökologische Bedeutung des Rollblattes liegt wohl in erster Linie in der Herab»
Setzung der Transpiration j es sind xerophytische Anpassungen. Damit steht im grossenGanzen auch ihre geographische Verbreitung im Einklang. Sie sind fast ausschliesslich an Ge«biete gebunden, in denen durch Trockenheit oder Kälte die Wasserversorgung während eineslängeren Zeitraumes erschwert oder unmöglich gemacht wird (Hochgebirge, Arktis,Winterregen»gebiete beider Hemisphären). Eine auffällige Ausnahme machen indessen manche Ericaceen,insbesondere diejenigen der Hochmoore, denen ja reichlich genug Wasser zur Verfügungsteht und die während der ungünstigen Jahreszeit unter der Schneedecke begraben liegen. SeitA.F.W.Schimper erklärte man dieses Verhalten aus der sog. „physiologischen Trockenheit"der Moore. Obwohl genügend Wasser vorhanden, soll dasselbe doch für die Pflanzennicht nutzbar sein; die freien Humussäuren machen den Boden „physiologisch" trocken(Schimper). Dieser Erklärung steht aber, wie C. Montfort (Dlss. Bonn, 1917) mit Redithervorhebt, schon der Umstand entgegen, dass neben eigentlichen xeromorphen auch zahl»reiche, nachweisbar durchaus hygromorphe Arten auf den Hochmooren wachsen (Violapalustris, Drosera rotundifolia usw.). Ja die Mischung von Xero» und Hygrophyten im
Sphagnetum ist geradezu auffällig und legt den Gedanken nahe, dass nicht die Feuchtigkeitsverhältnisse anund für sich die strenge Artenauslese bedingen. In Mitteleuropa sind folgende Ericaceen, ausschliesslichxeromorph gebaute Arten, als charakteristisch für das Sphagnum=Hochmoor zu bezeichnen: Oxycoccus quadri»petalus, O. microcarpus, Andromeda polifolia, Chamaedaphne calyculata und Ledum palustre. Dazu kommeneine Reihe verwandter Arten im borealen Nordamerika, woher wohl auch unsere hochmoortreuen Ericaceenstammen und wo sie heute noch unter völlig identischen Bedingungen vorkommen. Wenn man bedenkt, dassdie verwandten Sippen der konstitutionell xerophytisch gebauten Gattungen Ledum, Andromeda, Chamaedaphne,Oxycoccus, auch Vaccinium p. p. schon im Tertiär eine reiche Entwicklung erfuhren, so braucht man — beider Anspruchslosigkeit der Ericaceen und ihrer durchgreifenden Fähigkeit, saure Humusböden zu besiedeln —sich nicht zu wundern, wenn einzelne Glieder der nordwärts ausstrahlenden Formenkreise die im allgemeinenvegetationsfeindlichen, kalten und nährstoffarmen Hochmoorböden in Beschlag nahmen. Das Fehlen der Kon»kurrenz begünstigte ihre gesellige Ausbreitung; dem Gedeihen der Mykorrhiza ist der Moorboden ja allgemeingünstig. So kam im Laufe der Zeit der völlige Ausgleich zwischen dem Standort und den Ansprüchen derNeubesiedler zustande. Die eng umschriebene Gesellschaftstreue wurde bei der einen Art mehr, bei derandern weniger ausgesprochen zur erblich fixierten Eigenschaft, ohne dass die übernommenen konstitutionellenXerophytenmerkmale dadurch eine nennenswerte Umformung erfahren hätten. Wir hätten in diesem Fallgar keine unbedingte Uebereinstimmung zwischen Morphologie und Standortsverhältnissen zu erwarten.Jedenfalls braudit in der Gegenwart ein kausaler Zusammenhang zwischen Xeromorphie und physiologischerTrockenheit, Nährstoff» oder Sauerstoffmangel der Wurzeln (S. Od6n) nicht zu bestehen. Für die Ansicht, dass
Fig. 2634. C a 11 u n avulgaris (L.) Hull.Erikoider Blatt-Typus.