Druckschrift 
5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
Entstehung
Seite
1603
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1603

Fritzsche u. a. durch folgende Merkmale unterscheidet: Blattquerschnitt scharf gleichseitig dreieckig (stattelliptisch), junge Laubblätter stärker behaart, Blattkanten von unten an wollhaarig, Kutikula im Querschnittdeutlich messbare runzelig>wellige Faltung zeigend. Hochblätter stumpf gezähnt, selten ein Haar beigemengt(nicht reich bewimpert). Fruchtknoten behaart. Frucht purpurrot, oben verlieft, Griffelreste eingesenkt. Empetrumrubrum gibt der Falkland.Heide ihren Charakter mit Bl^chnum p&nna.marina. C. Skottsberg, der die Falkland«Heide eingehend untersucht hat, gibteine Beschreibung der Empetrumrubrum«Assoziation, die sich durchgrossen Artenreichtum auszeichnet.

Sie liebt den trockenen, lockeren,steinigen Boden der Berghänge undbezeichnet oft Flächen früheren Erd.fliessens. In der Bodenschicht spielenMoose (namentlich Campylopus)und Flechten eine wichtige Rolle.

Begleit.Arten die sich auch in unsereralpinen Empetrum Heide wieder«finden sindi Deschampsia flexuosa,

Polytrichum piliferum, Racomitriumlanuginosum, Cladonia alpestris undC. gracilis, Peltigera rufescens, Tham«nolia vermicularis. Physiognomischdürfte diese Empetrum rubrum»Heideder Empetrum nigrum»Loiseleuria»heide unserer Alpen entsprechen.

Das heutige Verbreitungszentrum der Empetraceen liegt im atlantischen Gebiet, einerseits in denOst» und Südoststaaten der Union, woselbst 3Arten vorkommen (Ceratiola ericoides Michx., CordmaConrddi Torr., Empetrum nigrum L.), anderseits in Südwesteuropa mit Cor6ma älbum (L.) D. Don(SW»Spanien, Portugal, Azoren) und Empetrum nigrum L. Nur Empetrum rubrum Willd. fehlt diesenGebieten. Die eigenartigen Verbreitungsverhältnisse der Empetraceae decken sich mit jenen der SektionBetodendron von Vaccinium, die fast ausschliesslich Nord« und Mittelamerikanisch ist und auf Madeira undden Azoren 4 endemische Arten entwickelt hat. Sie lassen auf eine weit zurückliegende, tertiäre VerbindungSüdwest«Eurapas mit dem südlichen Nordamerika schliessen. Empetrum muss wie Loiseleuria als ein festfixierter Tertiärtypus aufgefasst werden, der seine Plastizität eingebüsst hat. Hohes Alter, leichte Verbreitungder Samen auf grosse Strecken und Anspruchslosigkeit in bezug auf den Standort machen das heutige ungemeinweite Verbreitungsareal erklärlich. Die Frucht von Corema album (L). Don wird in Portugal als kühlendesMittel und gegen Fieber verwendet.

2140. Empetrum nigrum L. Schwarze Krähenbeere, Rauschbeere. Franz.: Camarinenoire; engl.: Black crow berry. Taf. 179, Fig. 1 (siehe Bd. V/1, pag. 229); Fig. 2627 bis 2629.

Der Name Krähenbeere rührt daher, dass die Beeren dieser Pflanzen von Krähen gefressenwerden; ein Vergleich der Beeren mit den Augen dieser Vögel mag noch mitgewirkt haben. Kreien«beeren (nordwestl. Deutschland), Krahbeer (Kärnten), Kronäugel [Krähenauge] (Böhmerwald). AndereNamen für die Beeren sind [vgl. auch Vaccinium Myrtillus und V. uliginosum 1] : Fuul», Gram«, Heidel»,Strickbeeren (nordwestl. Deutschland), Drunkelbeere (Lüneburger Heide), Dunke 1 bi(e)r (Erzgebirge),Güdelbeeri (Zermatt), Durstberi (Graubünden), Zimzamberla [aus dem Slavischen?] (Böhmerwald).Im Stänhädach (Kärnten) vgl. Calluna vulgaris (pag. 1690) und Loiseleuria procumbens (pag. 1647)1 ImHarz ist die Krähenbeere als Brockenmyrte bekannt. Rätoromanische Bezeichnungen Graubündenssind: Vineschia, vinegia, frus«cher da vignescha, murettas. In der Westschweiz (Joux=tal) wirddie Artnei" (von noir) genannt.

Reichverästeiter, weitkriechender und teppichbildender, mykotropher Zwergstrauchvon heidekrautartigem Aussehen. Niederliegender Erdstamm mit graubrauner, schülferigerBorke und mit an der Spitze emporgekrümmten, dichtbeblätterten, fein drüsig=flaumigen Zweigenund kräftiger Hauptwurzel. Laubblätter nadeiförmig, wechselständig oder scheinwirtelig, winter»grün, glänzend, sehr kurz gestielt, im Mittel etwa 4 bis 6 mm lang und 1 bis 1,5 mm breit,

Fig. 2627. EmpetrumnigrumL.ß Zweig mit Früchten, b Fruchtknoten mit Narbe, c Längs-schnitt durch die Steinfrucht, d Steinkern, e, f Längs- und Querschnitt durch den-selben. g, h Laubblatt von der Ober- und Unterseite. / Diagramm einer Zwitterblüte (Fig. bbis / nach Engler-Prantl).