kirschenbaum gestanden haben, der aus der Lanze hervorgewachsen sei, mit welcher Romulus vormals einGrenzzeichen der zu gründenden Stadt gesetzt habe. Neuerdings wird die Kornelkirsche zur Anpflanzung in
Hecken empfohlen, da sie sich leicht beschneiden lässt,bis zum Herbst frisch grün bleibt und wenig Obstbaum«Ungeziefer ernährt, und dadurch berufen scheint, inmilden Gebieten die berüchtigten Weissdornhecken zuersetzen. Sie besitzt ein starkes Ausschlagsvermögen, istträgwüchsig und wird etwa 100 Jahre alt. Subfossil istCornus mas in Mitteleuropa selten festgestellt worden(unsichere Angaben [vielleicht rezenten Ursprungs] in denPfahlbauten von Steckborn am Bodensee, Steinkerne inden Ablagerungen der römischen Kolonie Vindonissa[Aargau], in den Pfahlbauten von Seewaiden [Ober«Oesterreich], im Laibacher Moor), viel häufiger (etwa an20 Orten) dagegen im Mittelmeergebiet (so in den ober«italienischen Pfahlbauten von Casale, Lagozza, Lago Va«rese, Sabbione, Monatesee, Gardasee usw.) Der Grundsolcher Funde ist darauf zurückzuführen, dass die Früchtefrüher offenbar in ausgedehnterem Masse als gegenwärtiggegessen wurden, z. T. auch zu medizinischen Zweckendienten (s. u.). Eine (teilweise) Verbreitung durch denMenschen hat dadurch eine gewisse Wahrscheinlichkeit. DieBesiedelung Mitteleuropas auf natürlichem Wege scheintvon Südosten her nach der letzten Eiszeit stattgefundenzu haben. In gewissen Gebieten, z. B. im Wallis fruchtetdie Art jedes Jahr reichlich; in Sachsen, ebenso in München,wird die Vollreife nur in sehr günstigen, warmen Jahrenerreicht. Auch in Norwegen (Christiania) können bis»weilen noch reife Früchte gebildet werden. Mitdieser Erscheinung stimmt das reichliche Verwildern undstellenweise vollständige Einbürgern gut überein. DerStrauch kommt auch auf Helgoland fort. Nach Kern erbeträgt die thermische Vegelationskonstante für die Entfaltungder ersten Blüten 576°, für die Erlangung der Fruchtreife 5416°.
Auf die Kornelkirsche zurückzuführende Ortsnamen im Rhönetalesind nach H. Jaccard Cornioley, Corgnoley, Corniolire.Corniolesseund Cormoley. In Schlesien wird der Strauch nicht selten als Fa«sanen.Dickicht angepflanzt. Die Blüten sind homogam wie diejenigenvon C. sanguinea; die Staubbeutel und die Narbe stehen in gleicherHöhe, sodass Fremd« und Selbstbestäubung leicht eintreten kann.
Auch eine selbständige Uebertragung des Pollens von einer Blütezur anderen innerhalb des Blütenstandes ist (wie bei Cornussanguinea) leicht möglich. Als Besucher wurden Eristdlis n£«morum L. und eine Apis-Art festgestellt. In milden Winterngelangen die Sträucher bisweilen schon Ende Dezember zur Blüte,wie z. B. 1909 in Zürich (Hegi). Als Bienenpflanze ist Cornusmas weniger brauchbar, da die Tiere bei übermässigen Genusskrank werden sollen (Paula Schrank, Fr. v., Bairische Flora,
1789). Die Blüten sind aber nicht, wie Plinius, und nach ihmMattioli u. a. behaupten, unbedingt schädlich. Die glänzendkirschroten Früchte schmecken vollreif angenehm süss»säuerlichund enthalten Saccharose, Invertzucker und Glyoxalsäure. Siewerden vielfach durch Vögel, z. B. Saatkrähen, verschleppt. Inklimatisch günstigen Jahren kommen sie bisweilen massenhaft aufden Markt, so in Würzburg 1914 und 1916, in München 1914 und1918. Im letztgenannten Jahre wurde das Pfund mit 60 Pfennigbezahlt. In Bozen werden sie als „Kamellen" bezeichnet. Sie werden entweder roh oder kandiert genossen
Fig. 2597. Cornus mas L., mit Früchten. Phot. Meta Lutzund Dr. G. Hegi, München.
Fig. 2598. Cornus Suecica L. a Habitus derblühenden Pilanze. b Blütenstand mit den 4 Hüll-blättern. c Einzelblüte. d Fruchtstand.