DLIV. Cörnus 1 ) L. Hornstrauch. Franz.: Cornouiller; engl.: Cornel,
dogwood; ital.: Corniol.
Bäume oder Sträucher, selten ausdauernde Kräuter mit gegenständigen, selten Wechsel»ständigen, gestielten oder fast sitzenden, ungeteilten, ganzrandigen oder sciiwadi gezähntenLaubblättern. Blüten klein, in dichotom verzweigten Rispen oder in Dolden oder Köpfchen,häufig von ansehnlichen Hüllblättern umgeben, zwitterig (Fig. 2593 c) oder seltener 1 »geschlechtig.Kelch zu einer rundlichen, kantigen oder gerippten kreisel», becher» oder glockenförmigenRöhre verwachsen, mit 4 ± deutlichen, zipfelförmigen Kelchblättern. Kronblätter 4, länglich odereiförmig, in der Knospenlage klappig. Staubblätter 4, vor den Kelchblättern stehend, mitfadenförmigen oder pfriemlichen Staubfäden und länglichen, am Rücken angehefteten, nacheinwärts aufspringenden Staubbeuteln. Diskus dick, polsterförmig oder undeutlich. Frucht»knoten 2=fächerig, mit je 1, von der Spitze herabhängenden und einwärts und nach obengekehrten Samenanlage; Griffel faden» oder säulenförmig, mit keulig angeschwollener, zuletztkopfiger oder abgestutzter Spitze. Frucht steinfruchtartig, länglich oder eiförmig, an der Spitzevom Griffel und Kelch gekrönt, mit knochenartigem oder krustigem, 2=fächerigem, 2=samigemSteinkerne (Fig. 2593 i). Samen länglich zusammengedrückt, mit häutiger Samenschale undfleischigem Nährgewebe. Keimling fast so lang wie der Samen, mit laubblattartigen Keim»blättern und rundlichem Würzelchen.
Die etwa 50 Arten umfassende Gattung gehört vorwiegend den nördlichen, extratropischen Florenreichenvon Asien, Amerika und Europa an, ist aber durch wenige Arten auch in Mexiko und im Himalaya, sowie mit einemzweifellos sehr alten Endemiten (C. Volkönsii Harms) auf dem Kilimandscharo heimisch. Am zahlreichstenist die Gattung im östlichen Asien, namentlich im zentralen China vertreten; bereits bedeutend artenärmer ist sieim atlantischen Nordamerika. Dann folgt mit 4 eigenen Arten das pazifische Nordamerika. Ebensoviele eigene
') Von den Alten der Härte des Holzes wegen mit Horn (cörnu) verglichen. Bei Plinius kommtausser der Bezeichnung cornus noch der Name cörnus c^rasus [cerasus = Kirsche] vor. Bei den Griechenhiessen zur Gattung gehörige Sträucher xqdveia [krdneia] oder xgdvov [kränon], von xQavaog = [beinhart][xqiZvof = Schädel) abgeleitet.
1783 in Europa eingeführt. — Durchgreifende anatomische Merkmale besitzt die Familie nicht; doch tretenhäufig leiterartige, reichspangige Gefässdurchbrechungen und in Form von Drusen oder Einzelkristallenabgelagertes Kalkoxalat auf. Dem Spaltöffnungsapparat fehlen typische Nebenzellen. In der Achse wird derKork stets in der primären Rinde und zwar unmittelbar unterhalb der Epidermis oder doch ihr nahe gebildet.Die Rinde besteht fast stets aus collenchymatischem Gewebe. Die Gefässe des Holzes sind meist ziemlichenglumig und im Querschnitt mehr 4=eckig als rund. Das Holzparenchym ist entweder nur hofgetüpfelt oderes tritt daneben auch einfache Tüpfelung auf. Die Markslrahlen stehen in 2 bis 5 Reihen und sind beimanchen Gattungen gross«, bei anderen Gattungen kleinzellig. Die Laubblätter zeigen stets bifazialen Bauund besitzen die Spaltöffnungen nur auf der Unterseite. Die Form der Haare ist für einzelne Gattungencharakteristisch. CurUsia, Melanophylla und Griselinia weisen deren einfache, l»zellige auf; beiTorric611ia sind es 3« bis 4=zellige, gebogene Drüsenhaare; bei Cörnus und Corökia 2=armige. Beider Gattung Mastixia treten im Mark der grossen Leitbündel und der Achse schizogene Sekretgänge auf.Blütenbiologisch ist die Familie mit wenigen Ausnahmen auf Insektenbestäubung angewiesen und besitzt alsLockmittel den vom Diskus abgeschiedenen Honig, sowie verschiedenartige Duftentwicklungen. Die verwandt-schaftlichen Beziehungen der Familie weisen infolge der Unterständigkeit des Fruchtknotens, der Reduktiondes Kelches, der Haplostemonie, sowie besonders durch die nur mit 1 Integument versehenen Samenanlagen unddurch die Ausbildung des Pollens auf einen engeren Anschluss an die Umbelliferen und stellen nach Wanger ininnerhalb der Reihe der Umbelliflorae die tiefstehendste und älteste Familie vor, während K. Kohz auf Grundder bisherigen, allerdings noch sehr spärlichen positiven serodiagnostischen Ergebnisse (von Gohlke) dieCornaceen und mit ihnen die Umbelliferae als Abkömmlinge der Araliaceen betrachtet und durch letztere denAnschluss an die Myrtiflorae finden lässt (vgl. Bd. IV, 3. Fig. 1608). Eine von Wang er in vermutete auf.steigende Entwicklung von den Cornaceen zu den Sympetalen Caprifoliaceen, bezw. eine Ableitung ausgleicher Quelle, ist durch die serodiagnostischen Untersuchungen nicht bestätigt worden. Fossil ist die Familienur durch Reste von Cornus.Arten (s. u.) bekannt, die bis in die obere Kreide zurückreichen.