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5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
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Polstersteppe". Wirkliche Holzpflanzen mit mehrjährigem Dickenwachstum sind bei den Doldenpflanzen selten.Am nächsten kommt diesem biologischen Typus unter den europäischen Vertretern z. B. das mediterraneBupleürum fruticösum L.; doch findet auch hier die Verästelung der unteren, holzigen Organe insofern mehrim Sinne von Halbsträuchern statt, als die einzelnen blühbaren Triebe nicht sehr alt werden und von untenaus rasch durch neue Aeste ersetzt werden. Durch die Bildung von unterirdischen, essbaren Knollenzeichnen sich Chaerophyllum bulbösum L. (mit rübenförmiger Knolle) und die Gattungen Bünium, Cono»pödium und Biasol6ttia (mit kugeligen Knollen) aus. Fleischige, spindel» oder knollenförmig.verdickte Wurzelnfinden sich z. B. bei der Asa»foetida=Pflanze Ferula Narthex Boiss. (Fig. 2304), und in Mitteleuropa beimanchen Oenänthe» Arten.

Die Laubblätter sind ausserordentlich wechselnd in Form und Grösse (über abnorme Ausbildungderselben vgl. oben die Beschreibung der Familie). Aus der stengelumfassenden Scheide entspringt der flache, hohl«rinnige oder selbst röhrige Blattstiel, der seinerseits in die Blattmittelrippe oderspindel übergeht. Die Blattspreite ist zumeist 2= bis vielfach fiederschnittig-zer«teilt j der Zuschnitt der Blätter bietet in vielen Fällen ein dem Auge leicht wahr»nehmbares und sich einprägendes, charakteristisches Bild, das jedoch schwermit Worten zu beschreiben und nur selten durch arithmetische Verhältnis»zahlen genau auszudrücken ist. Selten sollen wirklich gefiedert»zusammen«gesetzte Laubblätter mit auf eigenen Einfügungsstellen deutlich abgegliedertenBlättchen vorkommen (Pimpin<5lla, Läser) 1 ). Die höchste Differenzierungund die reichste Gliederung weisen in der Regel die ausgewachsenenGrund« und die unteren Stengelblätter auf, während die Spreitenform deroberen, den Blütenständen genäherten Stengelblätter häufig den Jugend»formen der unteren Laubblätter entspricht, welch' letztere einst in der Ent»

Wicklung der jungen Pflanze nach aufwärts dieselbe Formenreihe durchlaufenhaben, wie man sie von oben nach unten am gleichen Stengel verfolgenkann. Die Zerteilung der Blattspreite kann sich bis zu Abschnitten der 5.und 6. Ordnung fortsetzen. Die Zahl der Abschnitte letzter Ordnungkann dadurch erstaunlich hoch werden; an einem einzelnen Laubblattvon Ferulägo galbaniflua Boiss. wurden bis zu 4126, bei Foeniculum bis zu 5050 und bei Meum athamänticumJacq. bis zu 9244 Teile gezählt. Umgekehrt bleibt bei denjenigen Umbelliferen. Blättern, bei denen es zur höchstenEntwicklung freier, abgegliederter Fiedern kommen soll l ), die Zerteilung höherer Ordnungen auf der tiefstenStufe stehen; bei Pimpindila und Läser sind nach Rossmann (1864) die Fiedern als verwachsene Flächen allerNervenausstrahlungen 3. und 4. Ordnung aufzufassen.

Anatomische Verhältnisse der Vegetationsorgane. Die offizinellen und gewürzlieferndenDoldenpflanzen sind dank ihrer Wichtigkeit und Bedeutung schon längst auch in ihren Vegetationsorganen genauuntersucht und in vielen Abhandlungen, Lehr» und Handbüchern beschrieben worden; vgl. die zusammen»fassende Darstellung bei Drude (a. a. O. 1897 pag. 72 bis 82), sowie z. B. die Zürcher Dissertation vonAdolf Nesteli Beiträge zur Kenntnis der Stengel» und Blattanatomie der Umbelliferen (1905). Die Umbelli«feren besitzen in ihren Sekretkanälen, die ätherisches Oel, Balsam oder Gummiharz führen und alle Organedurchziehen, einen ausgezeichneten gemeinsamen Familiencharakter, den sie allerdings mit den nahe verwandtenAraliaceen teilen. Dann aber kommen innerhalb der Familie verschiedenartige Typen des Baues und derAnordnung der Fibrovasal« und Kollenchymstränge, sowie der Entwicklung des Pericykels, in der Umgrenzungdes Bildungsherdes der Sekretkanäle, endlich in den Haarbildungen vor. Es ist schon wiederholt versuchtworden, die anatomische Gliederung des Vegetationskörpers zur Stütze des natürlichen Systems der Umbelli-feren zu verwenden, aber bisher ohne grossen Erfolg, da es sich gezeigt hat, dass die anatomischen Merkmaleoft nur für einzelne Sektionen oder Arten charakteristisch sind. So können gerade die merkwürdigsten undauffälligsten Abweichungen vom allgemeinen anatomischen Bau der Familie, wie die Parallelnervigkeit unddie sonstigen damit zusammenhängenden Monokotylen»Merkmale des Blattbaues bei manchen Eryngium»Arten, innerhalb der gleichen natürlichen Gattung neben dem Normaltypus auftreten. Auch die Haarbildungenkönnen, da sie in gleicher Form bei sehr verschiedenen Gattungen vorkommen, nur in beschränktem Masse, und

') Der Bearbeiter (Thellung) vermochte jedoch zwischen den Laubblättern von Pimpinella und Lasereinerseits und denjenigen der übrigen Doldenpflanzen andererseits keinen auffallenden prinzipiellen Unterschied zufinden. Bei vielen Peucedanum»Arten z. B. trifft man am Grunde der Verzweigungen der Blattspindel (anihrer Einfügung auf dem Spindelstück nächst tieferer Ordnung) eine deutliche Anschwellung oder Verdickung,die offenbar (wie anscheinend auch bei Läser?) einer Wachstumsbewegung (zur Erreichung einer günstigenLichtlage für die Laubblatt.Abschnitte), nicht aber der späteren Ablösung der einzelnen Teile dient.

Fig. 2305. Regelmässig zusammengesetzteDoppeldolde (von Melanoselinumdecipiens [Schrad. et Wendl.] Hoffm.)mit Hülle (//) und Hüllchen (//').