Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
925
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

925

Verwendung, ebenso als Enthaarungsmittel'sowie als Plombiermasse für hohle Zähne. Das Harz, das bei unseremEfeu vor allem in den Früchten reichlich vorhanden ist, [enthält das Glykosid Hederin (CeiHioiOis), das sichin Hederidin (C26H40O4), in Rhamnose undHederose spalten lässt, ferner Hederagerb»säure, flüssiges und festes Fett, Cholesterin,eine emulsinartige Substanz, Chlorogensäure,

Pektin, Inosit, Ameisen« und Apfelsäure usw.

Das Glykosid wirkt in geringen Dosen gefäss«erweiternd, in grossen gefässverengendunter gleichzeitiger Verlangsamung des Herz«

Schlages. Ausserdem soll es eine starkehämolytische Kraft besitzen, woraus sich auchder volkstümliche Gebrauch der getrocknetenBlätter bei Menorrhagie, chronischen Ka«tarrhen, Skrofeln und anderen Leiden erklärenlässt. Die Beeren wirken etwas abführendund sollen Brechen und Schweiss erregen.

Fr. Kanngiesser bezeichnet die Beerensogar als giftig. Die pulverisierten Blätterwerden bei Kindern gegen Kopfgrind (fävus)angewendet, während sie in Wein gekocht,allerlei Geschwüre vertreiben sollen. FrischeBlätter werden auf Brandwunden, sowie aufeiternde Stellen gelegt. Ziegen, die Efeu«blätter fressen, sollen viel Milch geben.

Blätter in Wasser und etwas Soda gekocht,liefern ein brauchbares Waschmittel, währendsie in frischem Zustande zum Verbindenvon Wunden und Geschwüren 1 ! benützt

Fig. 2296. Efeu an Eichen kletternd (Efeu-Eichen").

werden können. Die jungen Triebe, die bei empfindlichenPersonen hautreizend (wahrscheinlich rein mechanischdurch die Sternhaare 1) wirken können, dienten ehedemzum Gelb« und Braunfärben sowie als Narkoticum (Schlaf«schwämme"). Beeren vom Efeu (ähnlich den Erbsen 1) indie Fontanellen gebracht, ziehen die böse Feuchtigkeitheraus. Kanarienvögel, die das Efeulaub picken, sollendaran zugrunde gehen, weshalb eine Bekleidung vonVogelkäfigen und Volieren mit Efeulaub vermiedenwerden soll. In Oberösterreich und in Salzburg werdennoch heute Efeusträucher zu tierärztlichen Zwecken angebaut.Das harte Holz kann als Ersatz von Buchsbaumholz fürHolzschnitte benutzt werden. Ehedem hiess es, dass ausEfeu geschnitzte Löffel vor Halsweh und Bräune, das Laubgegen Berauschung schützen sollen. Finnigen Hausschweinenwurde ein Efeuzweig umgehängt, der übrigens auch gegenVerzauberung schützen soll, weshalb man dasSt. Antonius«Schwein" mit einem Efeukranz geschmückt dem Schlächterzuführte. In Italien, wo der Efeubaum besonders verbreitet(eine Station zwischen Rom und Florenz heisstEllera")und fruchtbar (ein einziger alter Stock erzeugt bis 200 Kilo»gramm Früchte) ist, dienen die Beeren im Winter besonders,wenn es keine Oliven gibt, den Staren als Nahrung. Nach C.Sprenger soll auf Korfu der dunkelbraune, scharf und an«genehm schmeckende Herbsthonig diese Eigenschaften inerster Linie dem Efeu (vielleicht auch noch Wolfsmilcharten)verdanken. In Nordamerika, wo die Gattung nicht vertretenist, befindet sich Hedera Helix schon seit langer Zeit inKultur; Peter Kalm fand sie schon bei seinen Reisen in Nordamerika 1747 bis 1749.

Fig. 2297. Hedera Colchica C. Koch, im Kurpark vonWeggis (Schweiz). Phot. Dr. G. Hegi, München.