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reichen. Durch Versuche konnte Bruhn aus Stecklingen der Altersform wiederum gelappte Blätter erzeugen.Sehr merkwürdig und noch ungeklärt ist der von H. Hoffmann angeführte Fall, wonach an einem Efeuim Breslauer Evangelischen Friedhof (am Ohlauer Stadtgraben) auch an den blütentragenden Zweigen nurgelappte Blätter zur Ausbildung gelangten, ebenso die Angabe von S c h e n c k , dass unter Umständen auch deram Waldboden kriechende Efeu Blüten tragen kann und dann ± eirunde Blätter erzeugen soll. Furlani (Oesterr.Botan. Zeitschrift. Bd. LXIV, 1914) hat auf dem trockenen, dem Nordostwinde (Bora) ausgesetzten Boden des Karstesstrauchartige Efeupflanzen beobachtet, die überhaupt keine gelappten, sondern nur ungeteilte, eiförmige, oft schmallanzettliche Blätter erzeugten, weshalb er die Anschauung vertritt, dass Hedera Helix an feuchten Standortenund in feuchter Luft gelappte, in Lufttrockenheit und an sonnigen Standorten ungeteilte Laubblätter hervor«bringt. Nach Goebel und Bruhn ist die einfache Blattform die Folge einer relativen Anhäufung organischerSubstanz und einer relativen Abnahme der Aschenbestandteile, so dass es sich also um eine verschiedeneVerteilung der Baumaterialien handelt. Darnach tritt die einfache Blattform am Keimling zufolge des reich«
liehen Endosperms des Samens auf. Im späteren Alterwird sie durch die allseitige, intensive Beleuchtung hervor«gerufen, die einer Anhäufung von organischen Substanzenförderlich ist. Furlani hat weiter festgestellt, dass der ana«tomische Bau der gelappten Blätter einen hygrophilen, jenerder eiförmigen,regenscheuen (ombrophoben) einen xerophilenCharakter aufweist, so dass wir also zwischen „Schatten"«und „Sonnenblättern" unterscheiden können. Die Maschenzwischen den Nerven der eiförmigen, xerophilen Laubblättersind viel enger, der Durchmesser des Querschnittes beinahedoppelt so gross; das mächtig entwickelte Palisadengewebebesteht aus 4 Zellschichten, während Schleimzellen, be«sonders im Schwammparenchym (Fig. 2291 c) reichlich ver«treten sind. Die unmittelbar unter der Oberhaut gelegenePalisadenreihe ist arm an Chlorophyll) zuweilen kann esnach L. Lämmermayr zur Ausbildung eines Chlorophyll«freien Hypoderms kommen. Umgekehrt zeigt das vieldünnere, gelappte Schattenblatt wenige und kleinzelligerePalisadenreihen und ein weitmaschiges Schwammparenchym(Fig. 2291 d). Es kann aber auch die Gliederung in Palisaden«und Schwammgewebe ganz unterbleiben, so dass sich dann das Blattgewebe — ausser dem Hautgewebe — nur auseinheitlichen isodiametrischen Zellen mit Interzellularräumen zusammensetzt. Schon äusserlich erscheinen die unge«läppten, helleren, gelbgrünen Blätter von derber, lederartiger Beschaffenheit und mit stark glänzender Oberseite (dieSpiegelung wird durch die starke Schichtung der Aussenwand der Epidermiszellen bedingt), die gelappten dagegenviel zarter und dünner, mit matter Oberseite. Die stark glänzende Oberfläche, die das Licht reflektiert, verhinderteine allzu starke Erwärmung. Dazu kommt noch die charakteristische Lichtlage des Sonnenblattes. Dieses stellt sichnämlich nicht in einer Ebene senkrecht zum Lichteinfall wie das euphotometrische gelappte Blatt ein, sondern suchtvielmehr den Ueberfluss der direkten Strahlung durch Annahme einer Hohlform (Aufbiegen der Ränder) abzuwehren(panphotometrisches Blatt von Wiesner), wodurch auch ein Schutz gegen übermässige Transpiration erreicht wird.Unter gleichen Verhältnissen transpirieren die gelappten Blätter stärker als die ungelappten, wie auch die Wasser»saugung der plagiotropen Sprosse im diffusen Lichte grösser ist als die der orthotropen. Im direkten Sonnenlichtstellen die ersteren trotz der gesteigerten Transpiration die Wassersaugung ein (Vgl. auch Hay oz, C. Zur Kenntnisder Saugkraft des Efeublattes. Freiburg [Schweiz], 1923). Furlani betrachtet die Form des Blattes bei Hedera alseine Funktion der Wachstumsgeschwindigkeit, wie dies bekanntlich bei Stock ausschlagen mit den gelappten Blätternvon Pappeln und Linden der Fall ist, wo die schnellwachsenden Laubblätter eine andere Form annehmen alsdie langsamer wachsenden. Nach W i e s n e r sind die letzteren relativ regenfreundlich (ombrophil), was sich u. a.darin äussert, dass sie bei fortgesetzter Traufe oder unter Wasser getaucht später in Fäulnis übergehen als daseiförmige Blatt. Die Verzögerung der Fäulnis soll durch antiseptische Inhaltsstoffe der Blätter bedingt sein.
Ueber das Alter und die Dicke der Stämme gehen die Ansichten sehr auseinander. So gibt es bis400 (nach C. Sprenger in Italien bis 1000) Jahre alte Exemplare und solche, die gegen 100cm im Durch«messer erreichen (Fig. 2292). Bei Gignac nächst Montpellier soll ein Baum über 450, ein solcher beim Berg»schloss Seebenstein (auch Wildstein genannt) im Pittnertal bei Wiener Neustadt über 400 Lenze aufweisen. Zuden berühmtesten und ältesten Efeubäumen zählen der Wittenberger=Efeu (angeblich aus Luthers Zeit herstammend),die imposanten Stämme im Neuenburger Urwald in Oldenburg und am Heidelberger Schloss, die Efeuplantagebei der Leonhardskirche in Frankfurt a. M. (1864 erfroren, 1865 durch junge Pflanze ersetzt), der Efeu an den
Fig. 2291. a Querschnitt durch eine Haftwurzel, b Aus-schnitt derselben, c Querschnitt (schematisch) durch einxerophiles Sonnenblatt, d durch ein hygrophiles Schattenblatt( a und b nach W. Bruhn, c, d nach Furlani).