Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
895
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

895

Arten im ostasiatischen Monsungebiet, Mezi6lla (M. trifida [Nees] Sdiindler) in Westaustralien, Laurem.b6rgia (= Serpicula) mit 18 Arten im tropischen Asien, auf Madagaskar und im tropischen Afrika (fehltin Australien) und Proserpinaca (Mermaid.weed") mit 2 im Wasser und in Sümpfen vorkommenden Arten(P. pectinäta Lam. und P. palustris L.) in den Vereinigten Staaten und in Mittelamerika. Jedenfalls istdie Familie antarktischen Ursprungs, worauf schon die starke und fast ausschliessliche Verbreitung der GattungenHalorrhägis, Loudonia und Gunnera hinweisen. Am weitesten nach Norden reichen die GattungenProsperpinaca und Myriophvllum (bis Grönland), letztere mit vielen submersen und terrestren Formen. Adventiv wurde in Mannheim Laurdmbergia teträndra Kanitz (= Serpicula Numidica Durieu)aus Nordafrika beobachtet. Von allen Gattungen scheint die Gattung Gunnera 1 ) die älteste und die denOenotheraceen am nächsten stehende zu sein, deren Glieder ursprünglich aus Wasserbewohnern entstanden seindürften. Die 33 Arten der Gattung, die besonders im südlicheren Südamerika, daneben in Zentralamerika, Südafrika,auf Tasmanien, Neu.Seeland, in Papuasien und Malesien vorkommen, sind echte Landgewächse von zum Teil gigan»tischen Formen mit dicken, im Habitus an die Baumfarne erinnernden Stämmen, mit langen, dicken Blattstielenund oft riesigen, bis 2 m langen und 1 m breiten, lederartigen, ganzrandigen oder eingeschnittenen, nieren«förmigen, oft runzeligen, stacheligen Spreiten, unter denen sich Ross und Reiter vor dem Regen schützenkönnen. In den becher»förmigen Blattspreitenkönnen sich ein PaarLiter Regenwasser sam»mein. Einzelne Arten,wie die stattliche bis1,5 m hohe G. Chi«l^nsis Lam. (= G.scäbra Ruiz et Pav.),in der Heimat Chile,PanqueoderNalca"ge»heissen, mit ihren grund«ständigen, riesigen Laub.blättern und den brau»nen, zapfenähnlichen,

pyramidenförmigenBlütenrispen, finden sichbei uns gelegentlich alsprächtige, ornamentaleBlattpflanzen (Fig. 2271),die sich besonders gutals Einzelpflanzen in

Rasenflächen eignen, in Kultur. Im Winter muss die genannte Pflanze gut zugedeckt werden. Im jugendlichen Zustandeerinnert sie in der Tracht an kräftige Rhabarberstauden. Im Stadtpark zu Mannheim verwildert (Nähereshierüber bei Reimnitz, J. Morphologie und Anatomie von G. Magellanica. Dissertation. Kiel, 1909). Inder Heimat (Südamerika), wo sie im Oktober und November blüht, bewohnt sie nach Karl Reiche diefeuchten Wälder und Gebüsche von Drimys Winteri, Nothofagus nitida, Berberis buxifolia und B. Darwinii,Pseudopanax laetevirens, zusammen mit Fragaria Chiloensis, Carex pumila subsp. litorea, Viola maculata, Nerteradepressa, Sisyrinchium Patagonicum, Festuca fuegina usw.; andererseits erscheint sie in gewaltigen Exemplarenan den Flussufern neben dem Bambusgras Chusquea anila. Seltener findet sich auch G. insignis (Oerst.) DC.aus Costarica in Kultur. Für alpine Anlagen eignet sich die viel kleinere, dioezische G. Magel 1 dnica Lam.,eine Hochgebirgsform von Südamerika, die am Sorata in Bolivien bis über 3000 m hinaufsteigt. Bei PuntaArenas erscheint sie in den Nothofagus-Wäldern neben Berberis ilicifolia, Ribes Magellanicum, Pernettyamucronata, Empetrum nigrum, Rubus geoides, Viola maculata, Senecio acanthifolius, Valeriana lapathifolia,Acaena adscendens, Ranunculus peduncularis, Cystopteris fragilis usw. In dem fast ausschliesslich unter«irdischen, etwa 25 cm langen Stamme kommen regelmässig Kolonien von Blaualgen oder Gallert.Spaltalgenaus der Familie der Nostocaceen (vielleicht auch der Chlorophyceen) vor, über welcheAlgensymbiose" (eshandelt sich um eine Knospensymbiose) wir durch J. Reinke, der sie 1873 bei G. Chilensis entdeckte,durch M. Treub, Bengt Jönsson, P. Merker, H. Schnegg, R. Härder, J. Reimnitz, E. P rings,heim u. a., in neuester Zeit durch H. Miehe (Flora, N. F. Bd. 17, 1924) genau unterrichtet sind. Härder

Fig. 2271. Gunnera Chilensis Lam., kultiviert. Phot. Dr. K. Magnus, Braunschweig.

J ) Benannt nach Ernst Gunner (geb. 1718, gest. 1773), Bischof von Drontheim.