879
aus ihren Knospen typische, lang gegliederte, kleinblätterige, plagiotrope Ausläufer entwickeln. Höher gelegeneKnoten treiben erst ausläuferartig aus, wenden sich aber dann nach aufwärts und gehen in aufgerichtete,kurzgliederige Laubsprosse über. Die nächstfolgenden Stengelknoten liefern von Anfang an aufgerichteteLaubtriebe mit beschränktem Wachstum, ohne aber bis zur Bildung von Blutenständen zu gelangen. DieseStufe wird erst bei den obersten Gliedern erreicht. Alle Seifensprosse 2. Ordnung bilden Ausläufer mitz. T. senkrecht abwärts wachsenden Spitzen, in die auch die teilweise mit einem Blütenstand endenden Haupt«achsen übergehen. Werden von den Stecklingen die Laubblatter bereits anfänglich entfernt, so nimmt derAustrieb einen wesentlich anderen Verlauf. Es entstehen dann zunächst überall aufrecht wachsende Laub»triebe, die nie bis zur Blütenbildung gelangen und entweder sehr bald absterben oder aber zu Ausläufernwerden. Eine Verdunklung der Laubblätter an den be«blätterten Stecklingen hat dieselben Ergebnisse gezeitigt.
Die Untersuchungen von Dostäl sind von Th.
Schmucker (Botanisches Archiv. Bd. IV, 1923) nach,geprüft und in ihren Hauptzügen, wenn auch nichtvollständig, in ihrer grossen Regelmässigkeit, bestätigtworden. Auffällig war bei den Kulturen vonSchmucker, dass mittleren Knoten entstammende,steil aufwärts wachsende Laubtriebe, die sich zumBlühen anzuschicken schienen, sich plötzlich nach abwärtswandten und allmählich in Ausläufer übergingen. Mitgrosser Regelmässigkeit wurde die Erscheinung bei Steck'lingen aus Knoten der Seitentriebe relativ 2. Ordnungfestgestellt. Die an der Aussenseite der lange wachs«tumsfähig bleibenden Knoten der Seitenäste sitzendenSerialknospen, die an unverletzten Pflanzen kaumzum Austrieb gelangen, werden an Stecklingen zuAusläufern, der alte Seitenast zum Blütenzweig. DieVeränderungsfähigkeit wird von Schmucker durcheine gewisse Stimmung der Knospen von Anfang anzu erklären gesucht, sodass Circaea nach ihm einausgezeichnetes Beispiel für die von Molisch als„Topophysis" bezeichnete Erscheinung bietet. Einefeste Induktion von Seitenknospen besteht nicht, nament«lieh die Serialknospen neigen stark zur Ausläufer«bildung. Die Vorgänge beim vorzeitigen Austreibensind vermutlich durch eine umfassende Aktivierung derReservestoffe bei noch nicht hinreichender Umstimmung,bezw. Wachstumsgeneigtheit der Endknospe zu suchen.
Gegen Schneckenfrass ist die Pflanze durch die reicheEinlagerung von Raphiden aus oxalsaurem Kalk in allen Teilen geschützt. Die Wurzeln werden hie und dazum Gelbfärben, das Kraut als Schaf» und Ziegenfutter benützt.
1995. Circaea intermedia Ehrh. (= C. Canadensis Hill.?). Bastard = Hexenkraut.
Fig. 2260 und 2261.
Ausdauerndes, (6) 10 bis 40 cm hohes Kraut mit derbfleischigem, gestrecktem, lang»gliederigem, an den Gliedern mit dünnen, kurzen Fasern besetztem Wurzelstock und fädlichen,zum grössten Teile unterirdischen Ausläufern. Oberhaut an den Achsengliedern blasig auf»getrieben und mit bleibenden Schuppenblättern besetzt. Stengel aufrecht, meist verzweigt,im unteren Teile stielrund, oberwärts etwas kantig, kahl oder spärlich behaart, im Blütenstanddrüsig»flaumig, dünn. Laubblätter auf weit abstehenden, nach oberwärts rasch an Grösseabnehmenden, kahlen oder sehr fein flaumigen Stielen, eiförmig bis seidit herzförmig, stumpfzugespitzt, geschweift=gezähnt, dünn, auf den Nerven und am Rande schwach behaart biskahl, bleich* bis sattgrün, mattglänzend bis glanzlos (Fig. 2260 d). Blüten (Fig. 2260 e) inlockeren, armblütigen, zuletzt verlängerten, end* und seitenständigen Trauben, auf kurzen,
Ausläuferbildungen an halbierten Stengelstücken, e Ausläufer eineretwa 1-jährigen Pflanze. / Keimpflanze, g Wurzelstock einer jun-gen Pflanze mit Wurzelausläufern ( a bis d nach Dostäl, e bis gnach Warming).