Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
869
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

869

nennt sie 1821 einen civis vulgaris für Basel. Zur Zeit von Albert Kölliker (1839) war sie in Nordzürichnicht selten und hat sich seitdem immer mehr ausgebreitet. Andererseits war sie nach Facchini in Südtirolum 1855 nur in der Gegend von Bozen etwas häufiger. BeiBregenz wurde sie zuerst 1854 von Glanz aufgefunden. Die haupt»sächliche Ausbreitung der Pflanze steht untrüglich in engem Zusammen«hang mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes, weshalb die Art auchals .Eisenbahnpflanze" bezeichnet wird. Laus nennt sie ein anthro«pophiles Element. Auf kiesigem Boden siedelt sie sich besondersgern an. So steht sie z.B. nach Hegi im Maggia»Delta bei Locarnoneben vielen Ruderal« und Adventivpflanzen zusammen mit Dian.thus Seguieri, Saponaria officinalis, Silene Otites, Linaria vulgaris,

Epilobium Dodonaei, Artemisia vulgaris, Crepis tectorum, Centaureasplendens und C. jacea, Erigeron Canadensis usw. Nach R. Siegristbevorzugt sie in den Flussalluvionen Schotterbänke ohne Sanddecke.

In Niederösterreich sind ihre Begleiter an solchen Orten Bromussterilis, Myricaria Germanica, Eupatorium cannabinum, Inula Britan«nica, Carlina vulgaris, Cirsium arvense und Hieracium Pilosella.

Auf Flugsandfeldern der Norddeutschen Tiefebene erscheint sie baldebenfalls auf nacktem Boden, bald zwischen Gräsern wie Festucaovina, Panicum lineare, Koeleria glauca, Weingaertneria canescens,

Aera cary»phyllea und A. praecox, Bromus mollis und B. tectorum,

Hordeum murinum, sowie etwa Carex arenaria, Spergula vernalis,

Teesdalia nudicaulis, Erophila verna, Stenophragma Thalianum,

Genista pilosa usw. Sehr ähnlich können die Begleiter auch imoberrheinischen Sandgebiet sein, wo die Pflanze allerdings lieberlängs der Eisenbahndämme mit ebenso massenhaft auftretenderStenactis annua vereinigt ist. In Westpreussen tritt sie, und zwarzumeist die var. parviflora in grosser Menge an den tieferen bistalartigen Einschnitten der Steilhänge auf. — Die Blüteneinrichtung Fig. 2250. Oenothera biennis L. mit Frucht-der Pflanze ist schon von Sprengel untersucht worden. Die ka P seIn " Phot. V. Zund, München,

grossen, hellgelben Blüten sind Nacht, und Tagblüher. Sie öffnen sich nach Kern er gegen Abend 6 Uhr

und schliessen sich nach 24 Stundenwieder. Beim Oeffnen der Blüte stäu«ben die Staubbeutel, während die4 Narbenäste noch aneinander liegen.Am Morgen des nächsten Tages be>ginnen sich diese zu entfalten und sind amzweiten Abend vollständig entwickelt,während dann die Staubbeutel bereitsentleert sind. Am Grunde des Achsen»bechers wird von einer glatten, gelbenHonigdrüse Nektar ausgeschieden, derdurch feine Wollhaare verdeckt ist undinfolge der wagrechten Stellung derBlüte gegen den Ausgang des Achsen»bechers zu fliesst. Da dort der Griffelaufliegt, so bleibt er an diesem haften.Die Kronblätter dienen nach Kernernicht als Anflugsort, sondern nur alsSchauapparat. Beim Einführen desRüssels streifen die durch den nament«lieh nachts stark bemerkbaren — aminoi«den — Duft angelockten, vor den Blütenschwebend stehenden Nachtschmetler»Fig. 2251. Oenothera biennis L., iruchtend am Narew bei Zegrze (Polen). linge mit dem Kopfe die Staubbeutel,Phot. Dr. F. Sauerbrei, Berlin-Karlshorst. wobei im Beginn des Blühens die

Narben infolge einer Seitwärtsbewegung des Griffels aus der Zugangslinie zum Nektar weggerückt sind.

258*