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Rouy et Camus (= O. grandiflöra Alton, non Lam.). Blüten grösser als beim Typus, 3 bis 4 cm lang.Kelchblätter wenig kürzer. Kronblätter ungefähr so lang wie der röhrenförmige Achsenbecher. Blütenknospennach der Spitze zu sehr allmählich verjüngt. Eine gern gepflanzte Zierpflanze aus Nordamerika, die nichtselten verwildert oder auch bisweilen verschleppt angetroffen wird, so im Südbahnhof München (früher), Bürgers»dorf (Nordbayern), Nussdorf, Rheinufer oberhalb Waldshut, im Friedhof zu Käfertal bei Mannheim, in Branden»bürg (sich wahrscheinlich einbürgernd), bei Oderberg (seit 1874), Prenzlau und Birkenhain, bei Strassburg, inSchlesien bei Leobschütz, Zülkewitz, am Oderufer bei Leonhardwitz, bei Riegersdorf unweit Strehlen; inVorarlberg zahlreich am Rheindamm unterhalb Mäder und völlig eingebürgert am Bahndurchstich in Tisis (ferner bei Nofelsj in der Schweiz eingebürgert am oberen Zürichsee und von da längs des Linthkanals bisgegen Weesen, ferner an der Aaremündung bei Koblenz, ausserdem verschleppt in einem Rübenacker beiAlchenstorf (Solotburn 1904) und Solothurn (1914), Bünzen (Aargau), Ölten (1918, 1919), Zürich (seit 1914mehrfach), Felsegg ob Wil (Rafzerfeld 1916), Pfäffikon (Kanton Schwyz, 1917), Bahnhof Buchs (St. Gallen,1912). — Die Pflanze wurde 1776 in Alabama gesammelt und später von Fothergill in den Handelgebracht. De Vries und Bartlett, die 1912 den Originalstandort aufsuchten, konnten die Art dort nichtmehr antreffen, wohl aber zahlreiche Bastarde mit O. Tracyi Bartlett.
Oenothera biennis, heute vielerorts eine sehr charakteristische Gestalt an Flussufern und Eisenbahn»dämmen, auf Sandfeldern und an trockeneren Ruderalstellen, wurde nach Treviranus 1612 im BotanischenGarten zu Padua aus virginischen Samen erzogen. 1619 erhielt sie Caspar Bauhin aus Italien, 1625 Prosper
Alpinus aus England. 1714 bildet sie B ar r e Ii erab. J Caspar B a u h i n bezeichnet sie als Lysimächiacorniculata und Onägra latifölia. In den SchlesischenPrunkgärten wurde sie zur Zeit der Renaissanceals Zierpflanze gehalten. Ihre weitere Verbreitungerlangte die Pflanze anscheinend durch ihre Ver»Wendung als Küchengewächs, zu welchem Zweckesie besonders früher, vielfach unter den Namen.Gelbe Rapunzel, Rapontika, Rapunzelsellerie oderSchinkensalat", in grösserer Menge angebaut wurde.Zu diesem Zwecke dürfte sie z. B. nach Hessenzwischen 1720 und 1740 vom Main aus gelangtsein. Ueber die Kultur vgl. J. B eck er» Dillingen(Handbuch des gesamten Gemüsebaues, 1924). Be=nützt wird die bis 15 cm lange und bis 5 cm dicke,rötliche Wurzel, die am besten im Herbste zuernten ist und nach dem Putzen in Scheiben ge«schnitten und mit Essig und Oel angemacht wirdoder aber mit Fleischbrühe gekocht, ein der Schwarz»wurzel sehr ähnliches Gemüse ergibt. Nach Wil»helm's „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte"(1811) sagt ein altes „Sprüchwort" von der Wurzel,dass ein Pfund davon mehr Kraft gebe als einZentner Ochsenfleisch. Auch soll sie, wie auch dieLaubblätter, blutreinigend wirken. Zu Speisezweckensind letztere nicht tauglich, da sie vielleicht infolgedes zweifelhafien „Oenantherins" verdächtig sind.Auch zu Heilzwecken wird die Pflanze bisweilengepflanzt; doch sind im allgemeinen diese Benutzun»Fig. 2249. Oenothera biennis L., aui einem Schuttplatz mit g en gegenwärtig fast vergessen. In Ost» undVerbascum-Arten. Phot. Dr. Emil Schmid, München. Westpreussen, WO O. biennis früher sowohl als
medizinische als auch Gemüsepflanze gehalten wurde, ist der Gebrauch zu letzterem Zwecke zurzeit nicht mehrbekannt; hingegen verwendet man die Wurzeln und die Rosettenblätter in Masuren noch heute als Schweine»futter. Der Abstieg in der Verwendung entspricht also dem, der auch von den Blakten (Rumex alpinus) ausdem Alpengebiete (vgl. Bd. III, pag. 171) bekannt ist. Nicht selten wird die Nachtkerze auf Friedhöfen undin Gärten, so z. B. vielfach in Norddeutschland und in der Schweiz (Emmental) angepflanzt und nimmt vonda aus ihren Weg nach Ruderalplätzen, Wegrändern, Hecken, Bahndämmen, Flussufern usw. So trat sie z. B.bereits 1737 in Holland auf der Geest in Menge verwildert auf. Bei Ascheberg in Schleswig.Holstein wurdesie 1769 ruderal beobachtet. Für die Schweiz wird sie 1768 von Haller als verbreitet bezeichnet; Hagenbach