Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
864
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

864

rerdickte, am Scheitel der Lappen fehlende Mesospor und zu innerst das Endospor oder die Intine, die am Scheitel

der Eckklappen am dicksten ist und nach der Durchbrechung der dort sehr dünnen Exine die Membran des Keim«

Schlauches liefert. Die reifen Pollenkörner sind durch Viscidinfasern zu Bündeln verknüpft (Fig. 2243 b). Im Inneren

führen sie neben dem vegetativen und dem generativen Kerne Stärkekörner in verschiedener Gestalt. Das

in der Gattung weit verbreitete Auftreten von sterilen Pollenkörnern ist von Pohl, De Vries, Beer,

Gates, Geerts, Jeffrey, Davis und vielen anderen Forschern beobachtet worden. Mit ausserordent«

licher Sorgfalt hat namentlich Renner (Lieber das Sichtbarwerden der Mendelschen Spaltung im Pollen

einiger Oenotheren, 1919) die Unterschiede innerhalb ein und derselben Art verfolgt und dabei festgestellt,

dass z. B. die isogame (homozygotische) Oenothera Hookeri nur eine Pollengrösse guter Pollenkörner besitzt,

während bei heterogametischen Formen zweierlei, bisweilen auch dreierlei Grössenklassen auftreten. In

Verbindung mit der Grösse steht die verschiedene Form der Stärkekörner. Bei den grössten Pollenkörnern

von O. muricata treten z. B. längliche, spindelförmige Formen auf,

bei den kleineren rundliche. Die ersteren erscheinen im Wasser prall

und aufgedunsen, die letzteren sind häufig geschrumpft (Fig. 2241 d).

Von grösster Wichtigkeit war die Feststellung, dass die grossen

Pollenkörner imstande waren, Pollenschläuche zu entwickeln, während

sich die kleineren als keimunfähig erwiesen. In den Samenanlagen

scheint entweder die obere oder die untere Tetradenzelle die

Fähigkeit zu besitzen, sich zum Embryosack zu entwickeln. Viel«

fach tritt aber der Fall ein, dass schon von Anfang an (vor der

Tetradenbildung) der Kern degeneriert oder dass während der

Tetradenbildung ein Stillstand und Verfall eintritt. Bei O. Lamarckiana

stellte Geerts mehr als 50°/o solcher tauben Anlagen fest. Auch

bei der schwedischen O. Lamarckiana fand Renner (Berichte der

Deutschen Botanischen Gesellschaft. Bd. 34, 1916) zahlreiche An»

lagen mit verkümmerten Embryosäcken. Die Samen besitzen eine

aus 2 Integumenten gebildete Samenschale und sind in ihrem Aufbau

einander sehr ähnlich (vgl. unter O. biennis). Während ihr Inneres,

wenn sie keimfähig sind, völlig vom gesunden Embryo und Endo»

sperm ausgefüllt wird, zeigen die tauben Samen bald einen sehr

kleinen, verkümmerten Embryo und das Endosperm als dünnen Wand»

belag oder aber sind vollständig leer (Fig. 2241 b und c). Apogame

Entstehung von Samen, die von verschiedenen Seiten erörtert, z. T.

auch behauptet worden ist, konnte bisher nicht mit Sicherheit nach»

gewiesen werden.

Als Zierpflanzen auf Rabatten, Gräbern und in alpinen Anlagen

werden eine nicht unbedeutende Zahl von Arten gehalten. Genannt

seien, kenntlich an den gelben, vor dem Aufblühen aufrechten (nicht

Fig.2245. Oenothera fruticosa L. «Blühen- nickenden) Blüten und tief 4=teiiigen Narben, O. odoräta Jacq.der Spross. b Fruchtender Spross. c Frucht. t . .,.»•« . < < * < <

Pflanze 60 bis 80 cm hoch, meist einfach, mit lockerer, abstehender

Behaarung. Laubblätter lineal.lanzettlich, schwach gezähnt. Blüten gross, 8 bis 10 cm breit, in langen

Trauben, nach dem Verblühen rötlich. Heimat: Patagonien. Adventiv in Hamburg (1894). — O. Drum»

möndii Hook. Stengel bis 40 cm lang, zahlreich, niederliegend, graugrün, behaart. Achsenbecher so lang

wie die Kelchblätter. Kronblätter verkehrt' herzförmig, viel länger als die Staubblätter, strohgelb, am Grunde

grünlich. Heimats Nordamerika. — O. Lamarckiana Ser. (vgl.pag. 858f.). Namentlich in Botanischen Gärten

viel kultiviert. Unbeabsichtigt eingeschleppt z. B. im Grossherzoglichen Küchengarten zu Schwerin. — O. s i n u ä t a

Michx. (= O. lacinidta Hill., = O. prosträta Ruiz et Pavon, = O. humifüsa Nutt.) Fig. 2244. Sehr vielgestaltige,

einjährige Pflanze mit buchtig gelappten oder gefiederten Laubblättern, kleinen rötlichgelben Blüten und

behaarten Samen. Heimati Amerika. Diese Pflanze wurde 1770 nach Europa als Ziergewächs eingeführt,.

obgleich sie an Schönheit mit keiner der grossblumigen Verwandten wetteifern kann. Vielfach ist sie auch

adventiv angetroffen worden, so bei Strassburg (1903), Dresden (mehrfach), Hamburg (1897), Bremen (1893/94),

Basel (1918), Baden (1907), Bahnhof Langendorf (1918, in der f. in t egr i f ö 1 i a), Zürich (seit 1902 mehrfach, 1918 z. B.

mit amerikanischem Getreide im Tiefenbrunnen), Rorschach (1915), Liestal (1903), Chur (1908), Mühlau (Tirol). — O.

Argentinae L6vl. et Thell. (= O. humifüsa Nutt. f. er6cta Fr. Zimmermann). Der vorigen Art sehr ähnlich, aber

mit ganzrandigen Laubblättern, sehr kleinen, rosafarbenen Blüten und kahlen Samen. Die Heimat dieser 1909 von

Fr. Zimmermann um Ludwigshafen aufgefundenen, aber nicht erkannten, 1915 bei Uerdingen und Emmerich ia

der Nähe von Oelmühlen sowie in Holland, Frankreich und Ungarn festgestellten Art dürfte in Argentinien liegen, ist