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kommt zum Stillstand, nur die Zellen des Embryos und ihre Kerne vergrössern sich bedeutend und stellenzuletzt einen einzigen, wenigzelligen, sehr bald absterbenden Körper dar, während in den ausreifendenSamen der Keimling viele Tausende von Zellen enthält. Audi das Nährgewebe besteht in den verkümmern»den Samenanlagen nur aus wenigen riesenhaft vergrösserten Zellkernen im Plasma der Embryosackzelle.Die reifen Samen ergeben nun eine einheitliche, als O. fdllax bezeichnete Bastardform. Die frühzeitiggehemmten Embryonen stellen die zweite für die Zwillingsbastarde zu erwartende Bastardform dar, die sichaber als lebensunfähig erweist. Bei der Kreuzung mit O. muricata ist die Zwillingsbildung noch leichter zubeobachten. Die Samen in den O. Lamarckiana«Kapseln sind alle gross und keimfähig, aber nur die Hälfteder Keimlinge ergrünt und wächst zu einer blühbaren Form gracilis heran, während die andere Hälfte nachEntfaltung der rein weiss bleibenden Keimblätter wenige Tage nach der Keimung zugrunde geht. DieseZwillingsbildung hat sich für alle untersuchten Fälle bestätigt, sodass also auch O. Lamarckiana zwei Gruppen von
Erbanlagen in jedem Geschlechte besitzt. Wenn nun O.Lamarckiana ein Bastard ist, so müsste nach den MendelschenVererbungsregeln eine Aufspaltung bei Selbstbestäubungstattfinden, wobei 50°/o O. Lamarckiana und 2«mal 25°/»andere Formen auftreten müssten. Abgesehen von denMutanten, die auf Grund nicht regelmässiger Vererbungder Erbeinheiten oder sonstigen Unregelmässigkeiten inder Chromosomenzahl entstehen, tritt diese Trennung abernicht auf. Hingegen finden sich unter den erzeugtenSamen der Mutterpflanze stets 30°/o tauber Samen. Werdendie die Bastardform O. velutina erzeugenden Keimzellenv61 ans, die 1 aeta erzeugenden gaudens genannt,so ist O. Lamarckiana durch folgende Konstitutionsformeldarzustellen: velans Q C? gaudens QO", wobei die Ge«schlechtszeichen andeuten, dass die beiden Erbanlagen inbeiden Geschlechtern, also sowohl in den Samenanlagenals auch in den Pollen aktiv sind. Die nach den mendel«sehen Vererbungsregeln zu erwartenden 50°/o Heterozygotenkehren in der typischen O.Lamarckiana der Tochtergenerationwieder. Die je 25°/o Homozygoten (velans ■ velans undgaudens • gaudens) hingegen erweisen sich wie bei demZwillingsbruder von O. fallax der oben beschriebenenKreuzung O. Lamarckiana x O. biennis als lebensunfähig.Als Ursache dieses Ausfalles der Homozygoten wird das Auftreten eines „letalen" Faktoren angenommen,der aus nicht bekannten Gründen nach der Befruchtung die Entwicklung des Samens unterbindet. Eine Bestätigunghat das Absterben der Homozygoten durch die Untersuchungen an der Schwedischen rotnervigen Lamarckianadurch Heribert«Nilson erfahren. Andere Versuche, die Bastardnatur von O. Lamarckiana nachzuweisen,sind in erster Linie durch Davis unternommen worden, der die Art mit Hilfe von Bastardierung verschiedenerArten zu erzeugen suchte. Kreuzungen zwischen O. biennis und O. grandiflora ergaben in einer Hybridebereits 1910 grosse Annäherungen an O. Lamarckiana. 1911 wurden durch Berücksichtigung besondersgrossblütiger Nachkommen noch ähnlichere Formen erzeugt, sodass Davis auf die weitgehendste Möglichkeiteines hybriden Ursprungs von O. Lamarckiana schliesst. Aehnliche Ergebnisse zeitigten Kreuzungsversuchezwischen O. biennis und O. Franciscäna Bartlett. Eine in der 2. Tochtergeneration erzogene Pflanze,die sich durch grosse Aehnlichkeit mit O. Lamarckiana auszeichnete, wurde O. Neo-Lamarckianagenannt. Zu einem entgültigen Abschluss sind diese Versuche noch nicht gelangt. Eine Eigenart der Oenothera«Bastarde besteht ferner darin, dass sie entgegen den regelmässig mendelnden Mischlingen meistens in denwesentlichen Merkmalen unverändert erhalten bleiben. Es wird also bei den Oenothera.Bastarden das üblicheSpaltungsgesetz in doppelter Weise auf den Kopf gestellt. Erstens wird in der ersten Tochtergeneration, wieoben bereits ausgeführt wurde, die Einförmigkeit nicht bewahrt, sondern es treten „Zwitterbastarde" auf.Zweitens spalten sich nun diese Zwitterbastarde nicht auf, sondern erhalten sich konstant. Das gilt annäherndfür die 2 Zwillinge aus der Kreuzung O. biennis (weiblich) und O. Lamarckiana (männlich). Die Nachkommender laeta bleiben laeta auch in der 2. Generation und die Nachkommen der velutina bleiben velutina, abgesehenvon Schwankungen in der Blütengrösse. Besonderes Aufsehen hat das Auftreten doppeltreziprokerBastarde erregt, die De Vries dadurch erzeugte, dass er die holländische O. muricata als Mutter mit O.biennis als Vater kreuzte und deren reziproken Bastarde wiederum zur Mischung brachte. Die daraus hervor«gehenden Hybriden entsprechen dann wieder vollständig den Eltern, sodass also O. (muricata X biennis) Q x
Fig. 2243. a Längsschnitt durch eine Oenothera-Blüte.b Durch Viscidinfäden verbundene Pollenkörner (Fig. b nachA. Kern er).