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Unterschiede nahe verwandter Arten in der Natur. Derartige Erscheinungen sind bis gegenwärtig nur in derGattung Oenothera festgestellt worden. Während sie am Anfang der Mutationsforschung nur selten beobachtetwurden, sind sie späterhin immer häufiger festgestellt worden und treten als ein besonderer Typus in den Vorder«grund. Als wichtigste dieser Mutanten sind zu nennen s O. lata, O. scintillans, O. oblönga, O. cäna, O.pall6scens, O. liquida und O. spathuläta. Alle diese Formen führen 15 Chromosomen. Infolge von Chromo«somen«Vermehrung, auf deren Ursachen hier nicht eingetreten werden kann, entstehen ferner die Riesen«formen, unter denen O. semigigas deren 21 und O. gigas sogar 28 besitzen. Gegen manche Anschauungenund Deutungen von De Vries, denen auch Gates, Stomps, Bartlett u. a. sich angeschlossen haben,sind schon frühzeitig Widersprüche laut geworden. Namentlich ist darauf hingewiesen worden, dass dieEntstehung der Mutationen nicht notwendig als sprunghafte Veränderungen des Bestandes an Erbanlagenerklärt werden muss, sondern dass die Veränderungen, wenigstens in gröbsten Zügen, auch unter der Annahmeverständlich werden, dass O. Lamarckiana im Sinne der Mendelschen Vererbungslehre unrein sei, dass sieeine in vielen Erbanlagen heterozygotischeSippe darstelle, kurz, dass sie als ein Bastardbetrachtet werden müsste. Die Mutationenwären dementsprechend als Formen anzu«sehen, die aus einem mendelnden Bastardherausspalten, durch Neukombination der Erb«anlagen entstehen. Namentlich Heribert«
Nilson hat sich auf Grund ausgedehnterZüchtungen scharf gegen die Hypothese vonDe Vries gewendet, ohne aber bisher zueinem völlig eindeutigen Beweise gelangt zu sein.
Sicher ist O. Lamarckiana wie auch die ver«wandten mutierenden Arten heterozygotischund trägt damit den Charakter eines Bastardes(Renner). Für diese Auffassung spricht diegeminderte Fruchtbarkeit der Pflanze, indemeinerseits, wie zuerst W. B a t e s o n nach«gewiesen hat, die Pollenkörner häufig miss«gebildet sind, andererseits nach T. H. G e e r t sauch die Embryosäcke in etwa der Hälfte allerSamenanlagen verkümmern. Aehnliche Ver«hältnisse sind, wenn auch in weniger aus«geprägtem Masse, z.B. für O. biennis undO. muricata nachgewiesen worden. BeiFremdbestäubung, d. h. bei Bestäubung mit Pollen anderer Arten, tritt nun folgende eigenartige Erscheinungauf. Kreuzt man z.B. O. Hookdri Torr, et Gray als Mutter mit O. muricata als Vater, so erhält manals Nachkommen eine einheitliche, aber anders aussehende Tochtergeneration, als wenn O. Hookeri alsVater und O. muricata als Mutter benützt wird. Daraus lässt sich schliessen, dass die väterlicher undmütterlicherseits vererbten Erbeinheiten verschiedener Natur (heterogam) sind, während in der Regel beiKreuzungen die Nachkommenschaft einheitlich ausfällt, unabhängig, welcher Elternteil als Vater, bezw. Mutterwirkt. Im letzteren Falle sind die elterlichen Erbeinheiten gleichartig (isogam). Im Sinne von Mendel wird dieHeterogamie dadurch verständlich, wenn man mit De Vries annimmt, dass in den Samenanlagen wie in denPollenkörnern zweierlei Keimzellen (a und b) gebildet werden, dass aber in den Samenanlagen a lebensfähigist und b zugrunde geht, während im Pollen umgekehrt a beseitigt wird und b erhalten bleibt. Bei O.Lamarckiana treten ähnliche Erscheinungen zutage. Werden O. muricata oder O. biennis mit dem Pollen vonO. Lamarckiana bestäubt, so entstehen in der ersten Generation 2 weit verschiedene Mischlingstypen in etwagleicher Zahl, die Zwillingsbastarde laeta und velutina, wie De Vries sie genannt hat. Auch alsMutter kann O. Lamarckiana Zwillinge liefern ; denn wird sie mit dem Pollen gewisser Arten belegt, so istdie Nachkommenschaft wiederum 2«förmig. Renner folgert daraus, dass auch O. Lamarckiana zweierleiKeimzellen besitzen muss, von denen aber nicht, wie in dem oben erwähnten Falle eine zugrunde geht,sondern beide in beiden Geschlechtern lebensfähig bleiben. Diese Deutung, die De Vries ablehnen zumüssen glaubt, weil nicht bei allen Kreuzungen Zwillingsbastarde auftreten — es ergibt z. B. O. Lamarckianaals Mutter und O. biennis oder O. muricata als Vater je nur 1 Bastardform — hat durch embryologischeUntersuchungen von Renner ihre klare Deutung erfahren. Die Befruchtung und die ersten Teilungen allerEizellen verlaufen regelmässig. Dann aber treten bei etwa der Hälfte Störungen auf, die Zellvermehrung
Fig. 2242. Oenothera Lamarckiana Seringe. a bis c 3 Ziemlich reifeSamen im Längsschnitt (a mit gesundem Embryo und gesundem Endo-sperm; b mit sehr kleinem, kugeligem Embryo und dünner Endosperm.Schicht; c ohne Embryo und ohne Endosperm). — O. muricata L. d einder Curvans-Rasse, e der Rigens-Rasse (geschrumpft) angehörendesPollenkorn. — / bis h Embryosack der Onagraceen (a bis c nach E.
Lehmann, d und e nach O. Renner, / bis h nach Modilewski).