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mancher Streitfragen in wesentlichen Punkten bereits vielfach weitgehend erfolgt, sodass die Grundzüge unddas Wesen der Mutation ± scharf hervortreten. Gleichzeitig haben die Untersuchungen einen ungeahntenEinbilde in die Formenmannigfaltigkeit der Arten erschlossen und dem Artbildungsproblem, sowie demEntwicklungsgedanken als solchem ausserordentliche Dienste geleistet. Allerdings ist dabei der Kernpunkt derganzen Mutationstheorie, d. h. die Lösung des Rätsels der Fortentwicklung in der Organismenwelt, der Artbildungim genetischen Sinne, trotz der unendlich vielen und eingehendsten Untersuchungen noch nicht erreicht worden.Der Ausgang zur Oenotheraforschung wurde, wie bereits oben erwähnt, von Oenothera Lamarckiana(Fig. 2240) aus genommen, einer zur Gruppe der Grandiflora zählenden Art, die De Vries im Jahre 1886 aufeinem vernachlässigten, seinerzeit forstlichen Zwecken dienenden Gelände in s'Graveland bei Hilversum unweitAmsterdam vorfand, wo die Pflanze ,
gegen 1875 an den Einfassungen eines «. i
Weges ausgesäet worden war und sich alsKulturrelikt erhalten,vermehrt und ausge»breitet hatte. Die Art ist folgendermassenzu charakterisieren (Fig. 2241 a, ai): Zwei»jährige, 90 bis 120 cm hohe Pflanze mitstark verzweigtem Stengel. Laubblättereiförmig. lanzettlich, ganzrandig, voll»ständig kahl. Blüten in gedrängten,dichten Trauben. Achsenbecher etwaslänger als die Kronblätter. Kelchblätterlanzettlich, in eine kurze Stachelspitzeauslaufend. Kronblätter sehr gross, ei-förmig, ganzrandig, rein gelb. Staub,beutel lineal, orange. Kapsel kahl,stumpf.4.kantig, 3»mal kürzer als derAchsenbecher. Die Samen der genanntenKulturpflanzen stammten nach den Er»mittlungen von De Vries (Berichte derDeutschen Botanischen Gesellschaft, 1905)aus der Samenhandlung von Benaryin Erfurt, die sie ihrerseits aus Londonbezogen hatte. De Vries nimmt an,dass die Art an den letztgenannten Ortaus Texas durch Michaux gelangt sei,wohingegen Davis die Anschauungäussert, dass sie 1778 von John Fothergill zusammen mit O. grandiflora nach England eingeführt wordensei. Möglich sei auch, dass sie sich in dem durch seine reiche adventive Oenothera«Flora bekannten grossenWelthandelsplatz Liverpool gebildet hat. W. B a t e s o n (Problems of genetics. London, 1913) hält eine Entstehung inParis für möglich, die etwa in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgt sein müsse, zumal Nachforschungenüber das wilde Vorkommen der Pflanze in Amerika stets ergebnislos verlaufen sind. Gegenwärtig istO. Lamarckiana an Ruderalplätzen in England und in den Dünen von Holland weit verbreitet. Die Herkunftvon O. Lamarckiana spielt nun deshalb eine nicht unbedeutende Rolle, weil siesich in ihrer Nachkommen«schaft nicht vollständig fest erwies, sondern unter Tausenden von Keimpflänzchen, die aus den Samen vonselbstbestäubten Mutterpflanzen entstanden waren, einige besass, die der Stammform z. T. recht unähnlichwaren und ihre neuen Eigenschaften ihrerseits auf ihre Nachkommenschaft übertrugen oder wiederum neueFormen abspalteten. Diese Erscheinung ist von De Vries und einer Reihe anderer Forscher Jahr für Jahrbei O. Lamarckiana in umfangreichen Kulturen festgestellt worden. Die so entstandenen neuen Formen, diesich alle eng als Formenschwarm um die Mutterpflanze gruppieren lassen, führen den Namen „Mutanten".Das Ausgangsmaterial von De Vries bestand aus 9 Pflanzen, die 1886 als Rosetten dem oben erwähntenOrte s'Graveland entnommen worden waren und deren im folgenden Jahre durch Selbstbestäubung entstandeneSamen im übernächsten Jahre einen Keimlingssatz von 15000 Pflänzchen ergaben. Unter diesen traten10 abweichende Formen auf und erwiesen sich als 2 verchiedenen, neuen Typen angehörig. Die Rosetten»blätter der ersten Form zeigten von Anfang an eine abweichende Gestalt. Sie waren fast kreisförmig, an der Spitzeabgerundet und gegen den Blattstiel zu deutlich abgesetzt, auf den Flächen beiderseits sehr uneben und mitErhöhungen und Vertiefungen versehen, wie sie auch an den Blütenstengeln, wenn auch in etwas geminderterForm, ausgebildet wurden. Die zweite Form besass kurze, breite Laubblätter, mit sehr kurzen Stielen.
Fig. 2241. a, a\ Oenothera Lamarckiana Ser. Blühender Trieb, b desgl. vonder Mutante nanella De Vries. c Blüte mit verwachsenen Kelchzipfeln.